„Ein liturgisches Modell für die Ökumene der Zukunft?“

Professor Dr. Stefan Kopp, Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft an der Theologischen Fakultät Paderborn, bei seinem Vortrag im Rahmen der Montagsakademie. | Foto: ThF-PB

Montagsakademie: Professor Kopp über die anglikanische Form des Römischen Ritus


Bei seinem Vortrag am Montagabend, 19. Dezember, im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn hat Professor Dr. Stefan Kopp nach einem liturgischen Modell für die Ökumene der Zukunft gefragt. Dabei stellte der Liturgiewissenschaftler den Besuchern der Montagsakademie die anglikanische Form des Römischen Ritus vor. Es war die neunte Vorlesung mit anschließender Diskussion im Rahmen der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie in diesem Wintersemester unter der Überschrift „Ökumene 2017: Grundlagen, Wege und Visionen“.


Ausgangspunkt des Vortrags war die Apostolische Konstitution Anglicanorum coetibus von Papst Benedikt XVI. aus dem Jahr 2009, die nach einem vorausgegangenen rund 30-jährigen Annäherungsprozess den Eintritt der Anglikaner in die volle Gemeinschaft mit der katholischen Kirche ermöglicht und die anglikanische Liturgietradition gewürdigt hatte. Diesem Schritt folgten die Gründungen von drei diözesanähnlichen Personalordinariaten für ehemalige Anglikaner in England und Wales, den USA und Australien sowie die Herausgabe von liturgischen Büchern, eine Art „Rituale“ zur Feier der Taufe, der Trauung und des kirchlichen Begräbnisses als auch ein eigenes Messbuch.


Anhand des Messbuchs für ehemalige Anglikaner stellte Professor Kopp zunächst die anglikanische Form des Römischen Ritus vor, der sich „in seinen Einzelelementen zwischen der ordentlichen und der außerordentlichen Form des Römischen Ritus einreiht und sein Proprium an mehreren Stellen einbringt“, erklärte Professor Kopp, der im Weiteren aus liturgietheologischer Sicht das römische Verständnis von Einheit und Vielfalt in der Liturgie in den Blick nahm.


Richtungsweisend sei das Zweite Vatikanische Konzil gewesen: „Die Liturgiekonstitution erkannte allen rechtlich anerkannten Riten gleiches Recht und gleiche Ehre zu“, sagte Professor Kopp. Bei der Reform der Liturgie nach dem Konzil sei allerdings die Angst vor Beliebigkeit und die Sorge um die Einheit der Kirche wieder gewachsen. Mit Papst Benedikt XVI. hätte dann „eine ganz neue Art von Vielfalt“ in der Liturgie begonnen, als er 2007 die ältere Form des Römischen Ritus wieder breiter ermöglichte.


Hinsichtlich des zukünftigen ökumenischen Potentials der anglikanischen Form des Römischen Ritus sagte Professor Kopp, dass die Bemühungen „um die Wahrnehmung des über die römische Tradition hinausgehenden Reichtums westlicher Liturgien“ gewürdigt werden könnten. „Es ist eine neue Form des Zugehens aufeinander in Respekt vor den liturgischen Eigentraditionen verschiedener kultureller Kontexte.“ Die Einheit der Kirche verlange keine Uniformität, die kulturelle Verschiedenheit ignoriert. Nach einem Wort des belgischen Benediktiners, Mitinitiators der Liturgischen Begegnung und Ökumenikers Lambert Beauduin sei die ökumenische Zielvorstellung jedoch eine „unierte, nicht absorbierte anglikanische Kirche“.


Neben der offenen Frage, welche Rolle bei solchen speziellen Prozessen des ökumenischen Dialogs und aufeinander Zugehens dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen zukommen soll, kommt es für Professor Kopp mit entscheidend darauf an, ob „aus der Wertschätzung des anglikanischen Erbes durch die katholische Kirche neben Konversionen einzelner anglikanischer Gemeinschaften auch weitere Annäherungen zwischen den Kirchengemeinschaften auf weltkirchlicher Ebene“ hervorgehen können. Einzigartig sei das Zugeständnis an Katholiken anglikanischer Tradition seit 2009 im Blick auf die Liturgiegeschichte mit Sicherheit. Die ökumenische Bedeutung müsse allerdings erst die Entwicklung der nächsten Jahre zeigen.


Nächster Termin in der Reihe Montagsakademie:


Dienstag(!), 10. Januar 2017, 18.00 Uhr: „Lob der Vielfalt. Gerät den christlichen Kirchen die Einheit aus dem Blick?“ Kurt Kardinal Koch, Rom.


Montagsakademie im Wintersemester 2016/17: Flyer zum Download.


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