Johann-Adam-Möhler Institut für Ökumenik

Die Geschichte des Johann-Adam-Möhler-Institutes ist nicht ohne die ökumenischen Wegbereiter in der Kirche von Paderborn zu denken. An der Philosophisch-Theologischen Akademie hatten vor allem die Professoren Paul Simon, Adolf Herte und Norbert Peters schon vor dem Zweiten Weltkrieg entscheidende Vorarbeiten für eine Annäherung zwischen den getrennten Kirchen geleistet.

Simon war einer der ersten katholischen Autoren, die sich mit der Ökumenischen Bewegung auseinandersetzten; er leitete katholischerseits die erste interkonfessionelle Theologenkonferenz. Herte legte eine bedeutende Studie zur Entwicklung des katholischen Lutherbildes vor. Peters förderte als Alttestamentler die Begegnung mit der protestantischen Exegese und trug wesentlich zur Etablierung der Textkritik im katholischen Raum bei. Simon, seit 1933 Dompropst, und Lorenz Jaeger, seit 1941 Erzbischof, unterhielten in der Zeit des Dritten Reiches zahlreiche ökumenische Kontakte, die wegen der geheimpolizeilichen Überwachung zum großen Teil verborgen bleiben mussten. Die beiden konnten erreichen, dass 1943 ein Ökumene-Referat der Bischofskonferenz eingerichtet wurde, dessen Leitung Jaeger und dem Wiener Kardinal Innitzer übertragen wurde. Noch im letzten Kriegsjahr begannen theologische Vorarbeiten für Gespräche mit der protestantischen Seite, an denen u. a. Karl Rahner, Romano Guardini und Michael Schmaus beteiligt waren.

Aus diesen Vorarbeiten ging 1946 der sog. Jaeger-Stählin-Kreis hervor (Ökumenischer Arbeitskreis evangelischer und katholischer Theologen), in dem bis heute das Gespräch mit evangelischen Theologen gepflegt wird. Zu seinen Mitgliedern gehörten bzw. gehören u. a. Wolfhart Pannenberg, Karl Lehmann, Joseph Ratzinger und Eduard Lohse. Paderborn wurde (ähnlich wie Wien für das Gespräch mit der Orthodoxie) zu einer Werkstatt des Dialogs mit dem Protestantismus. Jaeger war schließlich an der Initiative zur Gründung des vatikanischen Einheitssekretariates und an dessen Konzeption entscheidend beteiligt (1960). Unterstützt vom Prof. DDr. Eduard Stakemeier, dem Direktor des Möhlerinstituts, kann er als einer der Väter des Ökumenismusdekretes des Zweiten Vatikanischen Konzils gelten. Wegen seines Einsatzes für die Einheit der Kirche wurde er 1966 in den Kardinalsrang erhoben.

Um die Begegnung der getrennten Christen zu fördern, wurde am 27. Januar 1956 der "Verein zur Förderung wissenschaftlicher Forschung auf dem Gebiet der Konfessions- und Diasporakunde" ins Leben gerufen. Hauptziel des Vereins war die Errichtung eines Institutes, das die Forschung auf dem Gebiet der ökumenischen Theologie vorantreiben sollte. Er wurde 1969 in "Verein zur Pflege wissenschaftlicher Forschung auf dem Gebiet der Ökumenik e. V." umbenannt.

Am 19. Januar 1957 wurde das Institut für Konfessions- und Diasporakunde von Erzbischof Lorenz Jaeger gegründet. Es trägt den Namen des Tübinger (später Münchener) Theologen Johann Adam Möhler (1796-1838), der katholischerseits die wissenschaftliche Erforschung der Lehrunterschiede zwischen den Konfessionen begründete. Der ursprüngliche Titel "Institut für Konfessions- und Diasporakunde" wurde 1966 umgewandelt in "Institut für Ökumenik". Es ist der Theologischen Fakultät Paderborn angegliedert.  

Nach der Satzung hat es folgende Aufgaben:

  1. Wissenschaftliche Erforschung und Erarbeitung der Grundlagen des ökumenischen Dialogs und seiner Hermeneutik. Dazu gehört vorrangig die wissenschaftliche Erforschung und Darstellung von Lehre, Kult, Ordnung und Leben der von der katholischen Kirche getrennten Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften, besonders derjenigen reformatorischen Bekenntnisses.
  2. Vermittlung der Forschungsergebnisse in Schrift und Wort, insbesondere an Seelsorger und Religionslehrer. Dazu gehören: Publikationen, Vorträge, Konferenzen und Studientagungen. Eine besondere Aufgabe besteht in der Aus- und Fortbildung von Fachleuten im ökumenischen Bereich. Auch Akademie- und Gemeindeveranstaltungen gehören dazu.
  3. Führung des ökumenischen Dialogs mit dem Ziel einer künftigen Einheit in der Wahrheit und in der Liebe. Dazu gehört hauptsächlich die Mitarbeit in verschiedenen ökumenischen Organisationen und Gremien auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene.
  4. Führung einer umfassenden wissenschaftlichen Bibliothek für die Forschung auf dem Gebiet der ökumenischen Theologie. Sie ist als Präsenzbibliothek konzipiert und dient in erster Linie der Arbeit des Instituts und seiner Mitglieder selber sowie den Professoren und Studierenden des In- und Auslandes.

Der Erzbischof von Paderborn ist Präsident des Instituts. Die Forschungsarbeiten werden durch den aus über 30 in- und ausländischen Theologen bestehenden wissenschaftlichen Beirat unterstützt. Der Leitende Direktor führt das Institut nach Maßgabe der Satzung. Für einzelne Aufgabengebiete werden vom Präsidenten die Direktoren und weitere Mitarbeiter/innen ernannt.

Das Institut gibt die Zeitschrift "Catholica", Vierteljahresschrift für ökumenische Theologie, und drei Schriftenreihen heraus.

1961 wurde auf dem Gelände des Priesterseminars Paderborn ein Institutsgebäude errichtet, das im Jahre 1969 erweitert wurde. Die Fachbibliothek des Hauses umfasst mehr als 150.000 Bände ökumenischer Literatur.


Leitung:


Präsident: Hans-Josef Becker, Erzbischof von Paderborn
Lt. Direktor: Prof. Dr. Wolfgang Thönissen
Direktoren: Msgr. Dr. Michael Hardt, Dr. Burkhard Neumann, Dr. Johannes Oeldemann
Wissensch. Mitarbeiter: Dr. Gerhard Franke, Agnes Slunitschek
Sekretariat: Andrea Pollmann 


Kontakt:


Johann-Adam-Möhler-Institut für Ökumenik
Leostraße 19a
D-33098 Paderborn
Tel. 05251 / 8729-800
Fax: 05251 / 28 02 10

Webangebot des Johann-Adam-Möhler Instituts für Ökumenik:

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Kamp 6
33098 Paderborn
Tel.: 05251/121-6
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Rückmeldung Sommersemester 2017
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Prüfungen Wintersemester 2016/2017
Termine und Fristen für die Anmeldung zu Prüfungen.

Hochschulmesse
Jeden Sonntag um 19:00 Uhr bietet die Theologische Fakultät gemeinsam mit der KHG Paderborn eine Eucharistiefeier in der Universitäts- und Marktkirche St. Franz Xaver besonders für Studierende und Lehrende der Fakultät an.