Lernplattform Intranet
Theologische Fakultät Paderborn . Kamp 6 . 33098 Paderborn . Tel.: 05251 121 6

Bei Strafe zwischen Quantität und Qualität unterscheiden

Moraltheologe Schallenberg zur Diskussion über das gescheiterte Gnadengesuch vom ehemaligen SS-Mann Oskar Gröning

Professor Dr. Peter Schallenberg lehrt Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

In der anhaltenden Diskussion über die Beurteilung des gescheiterten Gnadengesuchs des heute 96-jährigen und ehemaligen SS-Mannes Oskar Gröning empfiehlt Professor Dr. Peter Schallenberg zwischen Quantität und Qualität einer Strafe zu unterscheiden. „Die Länge der Strafe im Vergleich zu dem, was geschehen ist, ob da jemand 96, 46 oder 26 Jahre alt ist, spielt zunächst einmal keine Rolle vor dem Strafrecht und auch nicht aus theologischer Sicht.“, sagte Professor Schallenberg in einem Interview am Donnerstag, 18. Januar mit dem Kölner Domradio.

Auch die Straflänge, die in diesem Fall faktisch lebenslänglich bedeuten könne, spiele aus Sicht des Moraltheologen an der Theologischen Fakultät Paderborn ebenfalls keine Rolle. „Die Strafe sieht zunächst ab von zeitlichen Erwägungen, also der Bezug auf noch verbleibende Lebenszeit oder das Lebensalter überhaupt. Mit Hilfe der Bestrafung wird deutlich gemacht, ob es sich um ein qualitativ schweres Verbrechen handelt“, erklärte Professor Schallenberg.

Man dürfe nicht vergessen, dass es sich hier „um die Mitwirkung am Holocaust und an Menschenvernichtung handelt“. Wenn dies als Schuld eindeutig erwiesen sei, dann könne es keine Verjährung geben. „Dafür ist zu büßen, auch um der Abschreckung Willen. Präzise gesagt wegen des Symbolcharakters, der deutlich macht, es handelt sich um ein monströses Verbrechen, wo die Begnadigung per Definition entzogen ist“, gibt Professor Schallenberg zu bedenken.

Damals im Konzentrationslager Ausschwitz war Oskar Gröning als Freiwilliger bei der Waffen-SS in der Verwaltung tätig und für die Gelder der Verschleppten und ihr Gepäck zuständig gewesen. Dies stufte das Landgericht Lüneburg im Juli 2015 als Beihilfe zu Mord in 300.000 Fällen ein und verhängte die Haftstrafe von vier Jahren. Am vergangenen Mittwoch, 17. Januar, lehnte die Staatsanwaltschaft Lüneburg dann das Gnadengesuch ab, womit ein baldiger Haftantritt des 96-Jährigen bevorstehen könnte.

Das Interview zum Nachhören auf domradio.de: Der Fall Oskar Gröning.