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Der Mann im Hintergrund

Ehrenamtlich sorgt Regierungsvizepräsident a.D. Anton Schäfers an der Theologischen Fakultät Paderborn für solide Finanzen und eine funktionierende Verwaltung

„Sie können dem Erzbischof schreiben, ich mache weiter“: Ehrenamtlich kümmert sich Anton Schäfers als Quästor um die Finanzen und die Verwaltung der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

Ausschlafen, einfach mal nichts tun, vielleicht etwas spazieren gehen, ein Konzert besuchen oder auch mal verreisen: Eigentlich könnte Anton Schäfers seinen Ruhestand genießen. Verdient hätte er es. Doch ist der ehemalige Detmolder Regierungsvizepräsident nicht der Typ dafür, die Füße hoch zu legen und andere machen zu lassen. Stattdessen engagiert er sich ehrenamtlich an vielen Stellen in Kirche, Politik und Gesellschaft. An der Theologischen Fakultät Paderborn sorgt er seit mittlerweile sieben Jahren als Quästor mit seiner Erfahrung für solide Finanzen und eine funktionierende Verwaltung.

Seine Fähigkeiten einzusetzen, sich für andere und ein funktionierendes Zusammenleben stark zu machen, ist für den 72-jährigen Anton Schäfers aus Horn-Bad Meinberg selbstverständlich. Sein Engagement ist ihm mit in die Wiege gelegt worden. „Ich glaube, dass der Ursprung aus der Familie kommt. Wir sind sieben Geschwister. Ich bin der Jüngste, 1945 geboren. Da ist man groß geworden mit Arbeit, Disziplin, strenger Erziehung und im katholischen Glauben.“

Von klein auf lebt Anton Schäfers auf dem Land. Heute hat die gewachsene Ortschaft rund 800 Einwohner. „Da ist man in jedem Verein: Bruderschaft, Spielmannszug, Kasperletheater für die Kinder usw. Da bin ich reingewachsen. Und dass man für den Ort etwas tut, das war damals und ist zum Teil auch heute noch total selbstverständlich.“

So gründete er dann mit seinem älteren Bruder auch noch einen eigenen Sport- und den dazugehörigen Förderverein für eine Sporthalle. Den Vorsitz übernahm er selbst. „Alle haben gesagt, das kriegt der Schäfers nie hin.“ Doch der Verwaltungsexperte mit jahrelanger Erfahrung in der Bezirksregierung zeigte den Skeptikern, wie die Dinge funktionieren: „Wir haben einen Bolzplatz gebaut und auch die Sporthalle hinbekommen, 12 mal 24 Meter. Wir haben viel geschafft.“

Ans Aufhören denkt Anton Schäfers grundsätzlich nicht. Wo er gebraucht wird, möchte er weiter mitmischen, nur will die Zeit gut eingeteilt sein. „Die Politik habe ich jetzt zurückgenommen und habe die Fakultät hier als meinen Schwerpunkt. Das reicht mir auch. Man muss ja auch nicht meinen, man sei nicht entbehrlich.“ Wie lange es noch geht, hängt von der gesundheitlichen Situation ab. „Ich bin da offen. Als die ersten fünf Jahre als Quästor rum waren, wollte mich der Rektor zu einem Gespräch einladen und überreden, weiter zu machen. Ich sagte ihm, wir brauchen uns nicht hinsetzen, sie können dem Erzbischof schreiben, ich mache weiter. Das ist ja eine schöne Sache. Man kann was einbringen. Finde ich gut.“

Selbst wenn es mal eng wird, lässt sich der verheiratete Familienvater dreier erwachsener Töchter nicht so leicht aufhalten. „Vor 25 Jahren hatte ich gesundheitliche Schwierigkeiten. Ich lag praktisch auf Leben und Tod. Sieben Operationen unter Vollnarkose in einem Jahr. Das war schon heftig.“ Als Anton Schäfers nach einer Pause dann genug von Erholung hatte, schmiss er „die Krankheitsbescheinigung in den Papierkorb“ und nahm seinen Dienst wieder auf. „Ich bin da im Grunde nur rausgekommen durch die Unterstützung meiner Familie, aber auch mit dem christlichen Background. Da kann man nur dankbar für sein.“ Bis heute habe er nicht einmal gehadert, sondern immer nach vorne gesehen. „Die Flasche ist halbvoll und nicht halbleer. Insofern bin ich gut bedient worden im Leben. Und darum gebe ich auch ein bisschen noch zurück.“

Für die Theologische Fakultät Paderborn ist der „alte Hase“ in Finanz- und Verwaltungsfragen wie schon sein Vorgänger im Amt des Quästors, der vor einem Jahr verstorbene Dr. Franz Drewes, ein echter Glücksfall. „Dr. Drewes und ich waren Kollegen in Detmold. Wir haben den Kontakt nie verloren. Dann haben wir uns 2010 wenige Tage vor meiner Verabschiedung getroffen, er sprach mich spontan an und ich sagte zu. Das war es dann. Wenige Wochen später stand ich hier in Paderborn auf der Matte.“

Die Aufgabe des Quästors an der Theologischen Fakultät Paderborn umfasst nach den Statuten zunächst die Verantwortung für die Finanzen. Weil Anton Schäfers allerdings im Landesdienst NRW zuvor für sämtliche Bereiche von Personal über Haushalt, Beschaffung, Bauen und Organisation bis hin zur Datenverarbeitung in leitender Funktion zuständig war, brachte er seine Erfahrungen gleich mit ein, so dass sich die Arbeitsbeschreibung schnell weiterentwickelte. „Alles, was hier auf mich zukam, war für mich tägliche Routine. Insofern ergab sich die Chance, hier noch was einzubringen, um der Fakultät zu helfen.“ Eine kleine Aufwandsentschädigung ist für diesen ehrenamtlichen Dienst dann doch vorgesehen, wobei die Hälfte etwa die Fahrtkosten abdeckt.

Ums Geld geht es hier aber genauso wenig wie um das Aufrechnen freiwillig geleisteter Arbeitsstunden. Es geht um Überzeugung. „Das ist im Grunde ganz einfach: Ohne Ehrenamt würde die Gesellschaft, unsere Demokratie, den Bach runtergehen. Nähme man all diejenigen, die ein Ehrenamt ausfüllen – Feuerwehr, Flüchtlingshilfe usw. –, mal weg, das ging gar nicht.“ Für Anton Schäfers gibt es zudem noch einen anderen wichtigen Punkt: „Die aktive Beteiligung am gesellschaftlichen Leben verhindert auch, dass man in Extreme abdriftet. Es wird nicht funktionieren, sich zurückzuziehen und über soziale Medien anonyme Hetze zu betreiben.“

Vielmehr könnten die Deutschen stolz sein auf das, was sie nach Ende des Zweiten Weltkriegs bis heute tüchtig aufgebaut und erreicht haben. Zudem sei ehrenamtliche Tätigkeit ja auch nicht nur unverzichtbar. „In ihr kann man auch viel Befriedigung finden“, ist sich Anton Schäfer sicher. „Das eigentlich Beste, was man dann noch tun kann, ist die eigenen Kinder mit einzubeziehen und sie über das Vorbild zu erziehen. Insofern kriegt man das alles zurück.“

Bei allem Enthusiasmus weiß Anton Schäfers, der für seine Verdienste als Quästor im vergangenen Jahr mit der Ehrenbürgerschaft der Theologischen Fakultät Paderborn ausgezeichnet wurde, aber auch, dass es zukünftig nicht leichter werden wird, diejenigen, die sich Engagement überhaupt noch leisten können, zu fördern und zu begleiten. „Verantwortliche müssen die Leute sehr viel stärker ernstnehmen mit ihren Problemen, Sorgen und Vorstellungen. Auch dass der rechte Rand der Gesellschaft stärker wird, das ist meiner Einschätzung nach schon auch der Entwicklung geschuldet, dass die Verantwortlichen – und da unterscheide ich gar nicht zwischen Kirche, Politik oder Sport – der Basis häufig zu fern sind. Ich glaube, das ist ein Grundproblem.“

Besonders wichtig ist für Anton Schäfers, dass sich Bürger aller Generationen in die Gesellschaft einbringen und Verantwortung übernehmen. Darum macht er gerne Werbung für das ehrenamtliche Engagement und rät gerade jungen Leuten, sich ganz gleich an welcher Stelle einzubringen. „Im Grunde ist egal wo. Wichtig ist, sich überhaupt zu engagieren, weil es die Gemeinschaft stärkt. Nur so funktioniert Gesellschaft und nicht über Facebook die Leute anzählen, bis hin zu Morddrohungen an Bürgermeistern.“

Sein privates Umfeld, mit dem Anton Schäfers trotz der vielen Aufgaben immer noch am meisten Zeit verbringt, kennt und unterstützt ihn bei dem, was er tut. Wobei seine Familie und Freunde nicht wirklich eine Wahl haben. „Ich bin halt, wie ich bin. Ob privat oder im Dienst, wenn ich gefragt worden bin, irgendeine Funktion zu übernehmen, dann habe ich ja gesagt. Ich erinnere mich noch gut, als einmal das Innenministerium anrief, das war an einem Dienstag. Ich besuchte daraufhin die Kollegen in Düsseldorf, die mir sagten, sie wollten mich als Aufbauhelfer nach Frankfurt/Oder schicken. Ja, habe ich gesagt, wenn das so sein soll. Ich muss nur zunächst meine Frau einmal sprechen. Das habe ich getan und bin Freitag losgefahren, für eineinhalb Jahre. Das war natürlich eine Hausnummer. Aber meine Familie begleitet und unterstützt mich bei all dem. Sonst geht es ja nicht.“

An neuen Projekten steht für Anton Schäfers als Quästor in der Leitung der Theologischen Fakultät Paderborn aktuell nichts auf dem Plan. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. „Manchmal habe ich gedacht – wie vor drei Jahren – jetzt wird es ein bisschen ruhiger. Aber es kommt immer was Neues.“