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„Eine besonders verehrungswürdige Person“

Professor Peter Schallenberg erinnert an Lebensleistung von Romano Guardini

Professor Peter Schallenberg: „Romano Guardini ist so was von Übermorgen wie nur irgendwie möglich.“ | Foto: ThF-PB

Er gilt als einer der prägendsten christlichen Denker des 20. Jahrhunderts: Romano Guardini (1885–1968). Vielerseits wurde im Oktober 2018 seines 50. Todestages gedacht, im Dezember dann wurde in München sein Seligsprechungsverfahren eröffnet. Zwar kommt Romano Guardini aus einer ganz anderen Zeit – am 17. Februar wäre er 134 Jahre alt geworden –, doch ist und bleibt er alles andere als von gestern, meint Professor Dr. Peter Schallenberg, der nicht nur viel von dem großen Theologen und Religionsphilosophen gelesen hat, sondern auch selbst immer wieder Beiträge zu seiner Person und seinem Denken veröffentlicht.

„Romano Guardini ist so was von Übermorgen wie nur irgendwie möglich“, ist Professor Schallenberg völlig überzeugt. Sein Leben und Wirken seien nicht nur das eines „herausragenden und beinahe zeitlosen Wissenschaftlers“, sondern auch immer noch „inspirierend für das Christsein heute bei allen Fragen und Ungewissheiten unserer Zeit“, meint der 55-jährige Lehrstuhlinhaber für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn und Vatikanberater zu Fragen der Wirtschafts- und Sozialethik.

Nach seinem 50. Todestag und der Eröffnung des Seligsprechungsverfahrens bestehe nun die Chance, Romano Guardini „vielleicht nicht nur als großen theologischen Schriftsteller zu entdecken, sondern auch als Seligen, also als eine besonders verehrungswürdige Person“. Für Professor Schallenberg ist das „ein qualitativer Sprung“. Natürlich könne der Grad der öffentlichen Verehrung unterschiedlich ausfallen. „Bei Papst Paul VI. wird sie sicher anders sein als bei Mutter Theresa oder Pater Pio. Aber insgesamt meint ja Selig- und Heiligsprechung, dass ein Mensch verehrt wird, der als Vorbild der Heiligkeit und des Lebens nach Gottes Willen angesehen wird. Das wird jetzt noch mal neu in den Blick kommen“, erklärt der Theologe.

Es sind also zwei äußere Anlässe, warum sich aktuell wieder viele verstärkt mit Romano Guardini beschäftigen, die aus Sicht von Professor Schallenberg allerdings beide auf einen „inneren Grund“ hinweisen: „Mit seiner wissenschaftlichen und persönlichen Lebensleistung hat Guardini in einer ganz außerordentlichen und meines Erachtens überhaupt nicht auszuschöpfenden Weise das christliche Denken und eine entsprechende Lebensweise versucht zu entfalten und auf den Punkt zu bringen. Das tat er in einer ungeheuer originellen Weise, jedenfalls für den deutschsprachigen Raum.“

In den unterschiedlichen Disziplinen habe Romano Guardini die Theologie bis heute geprägt, sicher auch in der Ethik, besonders aber in der Liturgie. „Das ist ja gar nicht auszudenken, was er in der Liturgie und für die liturgische Erneuerung getan hat, indem er Liturgie nicht nur als zu vollziehenden Ritus nach bestimmten festgelegten Regeln und Rubriken verstand, sondern zu allererst als Feier des Paschamysteriums.

Überhaupt könne bei Guardini der Eindruck entstehen, dass bei ihm „alles von dem Gedanken der Liturgie herkommt. Interessanterweise, obwohl er ja als junger Erwachsener und dann auch noch als Kaplan in starrster Weise die alte Liturgie erlebt hat.“ Trotzdem habe er die Liturgie als die Mitte des christlichen Lebens und der katholischen Theologie entdeckt. „Das ist, glaube ich, bis in die verschiedensten Fächer der Theologie hinein von großer Wirkung und später möglicherweise am kongenialsten von Joseph Ratzinger aufgenommen und entfaltet worden.“