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„Eine grundsätzliche Offenheit für den Anderen“

Erzbischof Becker feiert Heilige Messe für Frieden und Versöhnung

Für mehr Frieden und Versöhnung hat Erzbischof Hans-Josef Becker zusammen mit vielen Gläubigen am Samstag, 8. Juli, eine Heilige Messe in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche gefeiert. Deutlich sprach er sich dabei für eine größere menschliche Offenheit dem anderen gegenüber aus. Anlass war die derzeitige Ausstellung in der Theologischen Fakultät Paderborn über das Leben und Wirken des Paderborner Priesters und Friedensstifters Franz Stock.

Nicht zuletzt den Großen und Klugen dieser Welt fehle scheinbar in manchen Situationen eine für menschliche Beziehungen notwendige Offenheit dem anderen gegenüber. Das gelte sowohl für Beziehungen unter Menschen als auch für die Beziehungen der Menschen mit Gott, sagte Erzbischof Becker in seiner Predigt. „Eine grundsätzliche Offenheit für den Anderen, das wohlwollende Schauen auf ihn und seine Meinungen, ist das Mittel dafür, Krieg und Zwietracht auf der Erde weniger werden zu lassen.“

Für Erzbischof Becker ist gerade heute in der Politik und im gesellschaftlichen Zusammenleben viel zu häufig die gegenläufige Tendenz wahrnehmbar. „Es kommt nicht darauf an, ein Land auf Kosten der anderen groß zu machen. Es braucht vielmehr jene Haltung, die wir freilich nicht erzwingen, sondern nur erbitten können, weil sie die Veränderung des Herzens der Menschen voraussetzt.“ Die Aufforderung Jesu im Evangelium „Lernt von mir“ sei hier Weckruf und zugleich eine Einladung, „dem Herrn unsere Welt, seine Schöpfung, anzuvertrauen. Ihn bitten wir, dass er die Menschen dazu bewegen möge, ihre Herzen zu verändern, damit Frieden und Freiheit überall herrschen“, verdeutlichte der Erzbischof.

Dass dies kein frommer Wunschgedanke sei, sondern eine tatsächliche und reale Möglichkeit, dafür stehe Abbé Franz Stock. „Noch vor siebzig Jahren und auch vorher hätte es niemand für möglich gehalten, dass Deutsche und Franzosen heute so verbunden sind. Dass es so kam, dazu hat Franz Stock, angetrieben durch seinen christlichen Glauben, wesentlich beigetragen“, erklärte Erzbischof Becker. „Für Franz Stock war die lebendige Gottesbeziehung unentbehrliche Kraftquelle. Ich bin davon überzeugt: Das fast Übermenschliche, das er leistete, konnte er nur leisten, weil er sich getragen und gehalten wusste von Gott.“

Weil der Mensch Franz Stock fest in Gott verankert gewesen sei, habe er anderen wie eine lebendige Quelle das weitergeben können, was er selbst empfangen hatte. Er habe mit dem Blick Jesu auf die Menschen geschaut, „die ihm anvertraut waren – ganz gleich, ob sie zu seinem eigenen Volk gehörten oder zu denen, die man damals als unsere ‚Erbfeinde‘ bezeichnete“, sagte der Paderborner Erzbischof. „Wenn wir Franz Stock heute zurecht als einen ganz wesentlichen Wegbegleiter der deutsch-französischen Freundschaft ansehen, dürfen wir dabei nicht vergessen, woraus er gelebt hat: aus der lebendigen Beziehung zu Gott und aus der Haltung, mit dem Blick Jesu auf die Menschen zuzugehen.“