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„Einmal heilig, immer heilig“

Montagsakademie: Professor Michael Konkel zur Kontinuität von Ortstraditionen in Judentum, Christentum und Islam

Professor Dr. Michael Konkel im Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

„Einmal heilig, immer heilig.“ Mit diesem wissenschaftlichen Grundsatz beschäftigte sich Professor Dr. Michael Konkel am Montagabend, 18. Dezember, beim letzten Vortrag in der Reihe Montagsakademie vor den Weihnachtsferien. Das Ziel des Lehrstuhlinhabers für Altes Testament an der Theologischen Fakultät Paderborn war es, am Beispiel der Stadt Jerusalem aus heutiger Sicht die „Kontinuität von Ortstraditionen in Judentum, Christentum und Islam“ aufzuzeigen. Dabei machte er deutlich, dass „heilige Orte“ einer Religion selten aufgegeben, sondern in vielen Fällen von der Nachfolgereligion übernommen werden.

„Der Grundsatz besagt im Kern, dass durch die Zeiten hindurch die Religionen an einem Ort wechseln mögen, die grundsätzliche Heiligkeit dieses Ortes aber meist bestehen bleibt“, erklärte Professor Konkel. Nur selten würden heilige Orte ausgelöscht und einer damnatio memoriae, also einer Verurteilung der Erinnerung, anheimgegeben. In der Regel inkorporiere und transformiere jede Religion die Traditionen ihrer Vorläufer, was insbesondere am Prozess der Übernahme heiliger Orte sichtbar werde. In Jerusalem belege das die Analyse drei prominenter Ortstraditionen: des jüdischen Tempels, der christlichen Grabeskirche und des islamischen Felsendomes.

„Die sakrale Architektur Jerusalems ist Zeugnis eines hochkomplexen Miteinanders und spannungsvollen Gegeneinanders der drei monotheistischen Religionen, die im Fall des Tempelbergs sogar noch in vorisraelitische Zeit zurückreicht“, sagte der Alttestamentler. Jeder Stein in Jerusalem sei symbolisch aufgeladen. Das hätten zuletzt die Ereignisse der vergangenen zwei Wochen wieder einmal deutlich gemacht. Auch wenn das Christentum in der aktuellen Auseinandersetzung um die Stadt Jerusalem keine Rolle spiele, sei es aber umso wichtiger zu betonen, dass am Anfang der islamischen Geschichte in Jerusalem eine enge theologische Symbiose zwischen Judentum und Islam bestanden habe.

Professor Konkel sprach sich dafür aus, dass „die heute scheinbar ausweglose Konfrontation von Judentum und Islam keineswegs alternativlos“ sei, „erst recht nicht derart, dass völkerrechtswidrig die Ansprüche der eigenen Religion der anderen übergestülpt werden“. Der Blick in die Geschichte zeige, „wie eng die drei monotheistischen Religionen in Jerusalem miteinander verbunden sind und dass ihre Geschichte nicht zwangsläufig in Ausgrenzung und Gewalt enden muss.“

Aufgrund des Doppeljubiläums der 1.000 Jahre alten Bartholomäuskapelle und der Domkirche auf dem 950 Jahre alten Imad-Fundament behandelt die beliebte Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn aktuell das Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“. Damit soll ein wissenschaftlicher Beitrag zu den beiden Jubiläen in diesem und im nächsten Jahr geleistet werden.

Den nächsten Vortrag der Montagsakademie am Montag, 8. Januar 2018, um 18.00 Uhr hält Professor Dr. Berthold Wald aus Paderborn als Abschiedsvorlesung. Der Lehrstuhlinhaber für Systematische Philosophie, der zum Ende des laufenden Wintersemesters emeritiert wird, spricht zum Thema „‚Sakralität‘. Eine Grundkategorie philosophisch-theologischer Anthropologie“.

Bei der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn halten bedeutende Vertreter aus Kirche und Wissenschaft in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) rund 45-minütige Vorträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf aktuelle, gesellschaftlich und theologisch relevante Themen und stellen sich anschließend der Diskussion.