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Theologische Fakultät Paderborn . Kamp 6 . 33098 Paderborn . Tel.: 05251 121 6

Franz-Stock-Ausstellung eröffnet

Professor Althaus: „Das Erbe von Franz Stock ist auch heute höchst aktuell“

Freuen sich über die Ausstellungseröffnung: (v.l.) Professor Dr. Rüdiger Althaus, Pfarrer Stephan Jung, Paula Hermes und Zeitzeuge Franz Peckelsen. | Foto: ThF-PB

Mit einer begeisternden Rede über das Leben und Wirken des Paderborner Priesters Franz Stock als wichtigen Brückenbauer in der deutsch-französischen Aussöhnung nach dem Zweiten Weltkrieg, hat Professor Dr. Rüdiger Althaus am Freitag, 30. Juni, die Ausstellung „Aussöhnung zwischen ‚Erbfeinden‘“ in der Theologischen Fakultät Paderborn eröffnet. Die erweiterte Wanderausstellung des Franz-Stock-Komitees für Deutschland zeigt die Lebensstationen des für Europa bedeutenden Friedensstifters und weist ausführlich auf Stocks besonderen Dienst als Geistlicher während des Kriegs in Paris sowie auf seine Tätigkeit als Leiter des „Priesterseminars hinter Stacheldraht“ in Chartres hin.

„Die Ausstellung, die wir heute eröffnen, ist einem der Wegbereiter der Aussöhnung von Deutschen und Franzosen gewidmet, die aufgrund vieler historischer Zerwürfnisse lange als ‚Erbfeinde‘ galten“, sagte Professor Althaus vor den zahlreichen Gästen, zu denen auch Paderborns stellvertretender Bürgermeister Dieter Honervogt, die ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin Paula Hermes, auf deren Initiative hin der Platz hinter dem neuen Stadthaus in Paderborn den Namen Franz Stock-Platz trägt, und der damalige Kriegsgefangene und Zeitzeuge Franz Peckelsen gehörten. Zu Recht habe Nuntius Angelo Guiseppe Roncalli, der spätere Papst Johannes XIII., über Franz Stock bei seiner Begräbnisfeier 1948 gesagt: „Franz Stock, das ist nicht nur ein Name, das ist auch ein Programm.“

Aus der Sicht von Professor Althaus habe das Programm Abbé Stocks darin bestanden, in jedem Menschen ein Geschöpf Gottes zu sehen und „damit zugleich dessen unaufgebbare Würde anzuerkennen mit der Konsequenz, ihm im Vertrauen auf Gottes Hilfe und Beistand mit größter Hochachtung und Wertschätzung“ zu begegnen. Das sei auch heute wichtig, „wo doch ein deutlicher Trend besteht, sich abzuschotten, abzugrenzen und damit andere auszugrenzen“, erklärte Professor Althaus. „Nur so können die Gräben und Mauern überwunden werden, die Menschen aufgeworfen haben, um sich selber abzusichern.“

Zwar könne keinesfalls auch nur ansatzweise geschildert werden, „wie im Europa der Nachkriegszeit Schranken überwunden wurden und das Miteinander wuchs“, gab der Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn zu. Aber an diejenigen zu erinnern, die in schwierigsten Zeiten Beiträge zu Versöhnung und Frieden geleistet hätten, bleibe unerlässlich. „Das Erbe von Franz Stock ist auch heute höchst aktuell und wert, dass wir es wieder vor Augen geführt bekommen.“ Gerade die derzeitigen Tendenzen in Europa, „sich von dem bisher Erreichten zu verabschieden und die eigene Nation wieder zu stärken, lässt nach den Wurzeln der bisher erlangten Einheit fragen“, betonte Professor Althaus.

Der Vorsitzende des Franz-Stock-Komitees, Pfarrer Stephan Jung, bekräftigte in einem Grußwort nochmals, dass es wichtig bleibe, sich des Lebens und Wirkens von Franz Stock immer wieder neu zu erinnern. „Das ist der entscheidende Auftrag für das Franz-Stock-Komitee, das nicht müde wird, Franz Stock und sein Lebenswerk bekannt zu machen“, sagte Pfarrer Jung. Es gelte, darauf aufmerksam zu machen, „dass wir Europa nicht fertig in einem Packet haben und wir uns nicht einfach zur Ruhe setzen können. Es bleibt eine dauerhafte Aufgabe, Verbindungen herzustellen zwischen Deutschen und Franzosen, zwischen verschiedenen Völkern Europas und darüber hinaus. Dafür steht Franz Stock.“

Franz Stock, 1904 in Neheim im Sauerland geboren, machte 1926 am dortigen Realgymnasium Abitur und studierte von 1926 bis 1932 katholische Theologie in Paderborn und Paris. 1932 wurde er im Dom zu Paderborn zum Priester geweiht. Nach erstem Einsatz als Seelsorger im Erzbistum Paderborn wurde Franz Stock 1934 Rektor der deutschen Gemeinde in Paris. Nach kurzer Unterbrechung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs setzte er ab 1940 seine Tätigkeit in Paris weiter fort und begleitete ab 1941 zusätzlich Häftlinge und zum Tode Verurteilte in den Wehrmachtsgefängnissen Fresnes, La Santè und Cherche Midi. Gesundheitlich schwer angeschlagen, übernahm Abbé Stock nach Kriegsende die Leitung des neu gegründeten Priesterseminars für deutschsprachige Priester und Seminaristen in Kriegsgefangenschaft, zunächst in Orléans und später in Chartres. Kurz nach der Schließung des „Seminars hinter Stacheldraht“ im Jahre 1947 starb Franz Stock 1948 in Paris.

Weitere Informationen bietet der Flyer zum Download.

Programmhinweise:

Ausstellung „Aussöhnung zwischen ‚Erbfeinden‘“
30 Juni – 16. Juli 2017

Theologische Fakultät Paderborn
Kamp 6, 33098 Paderborn

Öffnungszeiten (Eintritt frei):

Montag bis Freitag, 10.00 bis 16.00 Uhr
Samstag und Sonntag, 14.00 bis 17.00 Uhr
und nach Vereinbarung

Heilige Messe:

Samstag, 8. Juli 2017, 18.00 Uhr
Universitäts- und Marktkirche

Zelebrant: Erzbischof Hans-Josef Becker
Musik: Oratorienchor Letmathe

Vortrag:

Montag, 10. Juli 2017, 18.00 Uhr
Theologische Fakultät, Hörsaal 2

Prof. Dr. Rüdiger Althaus, Paderborn
Abbé Franz Stock: Glaubenszeuge und Brückenbauer für Europa