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WM-Aktion macht auf Namensgeber des Franz-Stock-Platzes aufmerksam

„Franz Stock, das ist nicht nur ein Name, das ist auch ein Programm“

Großformatige Werbeplanen weisen während des WM-Public Viewing auf den bedeutenden Namensgeber des Franz-Stock-Platzes mitten im Stadtzentrum Paderborns hin. | Foto: ThF-PB

Mit einer ungewöhnlichen WM-Aktion seit Beginn des großen Public Viewings auf dem Paderborner Franz-Stock-Platz machen die Theologische Fakultät Paderborn und das Franz-Stock-Komitee auf einen der wichtigsten Friedensstifter in Europa nach dem zweiten Weltkrieg aufmerksam: Franz Stock (1904-1948). Über die gesamte Dauer der Fußballweltmeisterschaft weisen mehrere großformatige Werbeplanen, die ein von Franz Stock selbst gemachtes Foto einer Fußballszene und ein markantes Zitat zeigen, auf den bedeutenden Namensgeber des zentralen Platzes mitten im Stadtzentrum Paderborns hin.

„Franz Stock, das ist nicht nur ein Name, das ist auch ein Programm“, lautet ein berühmter Ausspruch von Angelo Giuseppe Roncalli, dem späteren Papst Johannes XXIII., über den damals jungen Priester des Erzbistums Paderborn. Während des Zweiten Weltkriegs war Abbé Stock als Geistlicher in Paris tätig, leitete dann in Chartres das „Priesterseminar hinter Stacheldraht“ und wurde so zu einem Brückenbauer zwischen den einstigen „Erbfeinden“ Deutschland und Frankreich und trug damit wesentlich zur Aussöhnung Europas bei.

Ein von Franz Stock selbst gemachtes Foto einer Fußballszene und ein markantes Zitat sollen an die Gleichheit aller Menschen erinnern. | Foto: ThF-PB

„Bis heute hat die Person Franz Stock nichts an Aktualität verloren. Darauf wollen wir aufmerksam machen“, erklärt der Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn, Professor Dr. Wolfgang Thönissen, die WM-Aktion. Franz Stock stehe für die Gleichheit aller Menschen. Das wolle auch das ausgewählte Zitat unterstreichen: „In den Augen Gottes gibt es weder Engländer, noch Franzosen, noch Deutsche, es gibt einfach nur Menschen.“

„Als Geschöpf Gottes besitzt jeder Mensch eine unverlierbare Würde, dass jeder jedem mit Achtung und Wertschätzung zu begegnen hat“, erklärt der Theologe. „Das können wir uns heute im Großen gut in Erinnerung rufen, wenn sich in Europa und darüber hinaus identitäres Denken breit macht. Das sollten wir aber auch im Kleinen nicht vergessen, wenn wir als verschiedene Nationen bei einem internationalen Sportereignis wie der Fußballweltmeisterschaft aufeinandertreffen.“

WM-Aktion von Theologischer Fakultät Paderborn und Franz-Stock-Komitee macht auf den Brückenbauer und Friedensstifter Franz Stock aufmerksam. | Foto: ThF-PB

Professor Thönissen weiß natürlich auch, dass beim Fußball zunächst einmal jeder sein Team favorisiert, mit ihm über die Dauer der Spielzeit hofft und bangt. Aus seiner Sicht könne „das doch aber nicht heißen, dass wir hinter den verschiedenen Trikots den menschlichen Blick für den Nächsten vergessen, ob er im Spiel Freund oder Gegner ist. Ich bin jedenfalls froh, auch nach dem frühen Ausscheiden der deutschen Nationalmannschaft, dass wir in unseren Städten über sämtliche Unterschiedlichkeiten hinweg friedlich zusammenleben, das gemeinsame Fußballgucken genießen und auch miteinander feiern können.“

Weil das auch Frank Trompeter vom Franz-Stock-Komitee so sieht, ist er besonders dem Veranstalter des Public Viewings auf dem Franz-Stock-Platz in Paderborn, Event-Gastronom und Schausteller Heinrich Heitmann, dankbar. „Als wir uns mit unserer Idee an Herrn Heitmann gewandt haben, war er mit der Aktion gleich einverstanden“, sagt der Geschäftsführer des Franz-Stock-Komitees für Deutschland mit Sitz in Arnsberg-Neheim, dem Geburtsort Franz Stocks. Frank Trompeter hatte aus dem Archiv das Originalzitat und das Foto, das Frank Stock selbst sehr wahrscheinlich während seiner Vikarszeit zwischen 1932 und 1934 in Dortmund aufnahm, beigesteuert.

Dass es wichtig bleibe, „an die Persönlichkeiten wie Franz Stock zu erinnern, die mit ihrem Leben und Wirken selbst in schwierigster Lage zu Versöhnung und Frieden beigetragen haben, davon ist Pfarrer Stephan Jung, Vorsitzender des Franz-Stock-Komitees, überzeugt: „Wir können uns nicht einfach zurücklehnen und davon ausgehen, dass sich Herausforderungen unseres Zusammenlebens von selbst lösen.“ Es bleibe eine dauerhafte Aufgabe, „über Ländergrenzen hinweg in Kontakt zu bleiben, Austausch und Verständigung zu suchen und immer wieder neu gute Verbindungen zwischen verschiedenen Völkern und Nationen herzustellen.“

Franz Stock, 1904 in Neheim im Sauerland geboren, machte 1926 am dortigen Realgymnasium Abitur und studierte von 1926 bis 1932 katholische Theologie in Paderborn und Paris. 1932 wurde er im Dom zu Paderborn zum Priester geweiht. Nach erstem Einsatz als Seelsorger im Erzbistum Paderborn wurde Franz Stock 1934 Rektor der deutschen Gemeinde in Paris. Nach kurzer Unterbrechung zu Beginn des Zweiten Weltkriegs setzte er ab 1940 seine Tätigkeit in Paris weiter fort und begleitete ab 1941 zusätzlich Häftlinge und zum Tode Verurteilte in den Wehrmachtsgefängnissen Fresnes, La Santè und Cherche Midi. Gesundheitlich schwer angeschlagen, übernahm Abbé Stock nach Kriegsende die Leitung des neu gegründeten Priesterseminars für deutschsprachige Priester und Seminaristen in Kriegsgefangenschaft, zunächst in Orléans und später in Chartres. Kurz nach der Schließung des „Seminars hinter Stacheldraht“ im Jahre 1947 starb Franz Stock 1948 in Paris.