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Gebet schafft Zufriedenheit

Montagsakademie: Professor Jacobs über die Seele als Ort der Gottesbegegnung

Professor Dr. Christoph Jacobs im Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

„Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?“. Angestoßen von dieser Frage des Apostels Paulus in seinem ersten Brief an die Einwohner von Korinth ist Professor Dr. Christoph Jacobs am Montag, 11. Dezember, bei seinem Vortrag in der Reihe Montagsakademie der menschlichen Seele als Ort der Gottesbegegnung auf den Grund gegangen. Der Lehrstuhlinhaber für Pastoralpsychologie und Pastoralsoziologie an der Theologischen Fakultät Paderborn war der neunte Referent im Rahmen der öffentlichen Vorlesungsreihe in diesem Wintersemester zum Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“.

Um sich der Seele als Ort der Gottesbegegnung anzunähern, begann Professor Jacobs mit dem Zitat „Euer Herz zum Tempel zubereit’“ aus dem Adventslied „O Heiland reiß die Himmel auf“. Er zeigte mit Hilfe von Texten aus der Heiligen Schrift und Gebeten aus der Liturgie, wie bedeutsam der „Mensch als Ort der Gottesbegegnung“ für den christlichen Glauben ist. Anschließend erklärte er die Begriffe „Leib“ und „Seele“ aus philosophischer und theologischer Perspektive, wobei ihm die untrennbare Einheit des Menschen aus Leib und Seele für die Gottesbegegnung besonders wichtig war. Mit spannenden Impulsen aus der Gehirnforschung folgte anschließend der Sprung in die Psychologie, wobei Professor Jacobs die Auswirkungen des Betens und Meditierens näher in den Blick nahm. Spiritueller Höhepunkt des Vortrags war eine Auslegung von Meister Eckhard und dessen These von der „Gottesgeburt in der Seele“. Schließlich stand Professor Jacobs bei der anschließenden Diskussionsrunde weiter Rede und Antwort.

Mit Rückgriff auf wissenschaftliche Forschungen der vergangenen Jahre konnte Professor Jacobs zeigen, dass der Mensch tatsächlich als Ort der Gottesbegegnung gelten kann. Denn sein Gehirn sei wesentlich ein „Beziehungsorgan“. Anhand von bildgebenden Verfahren ist es möglich, dem Gehirn nachweisbar „beim Beten zuzusehen“. Funktionelle Veränderungen der Hirnaktivität könnten bei Betern eindeutig beobachtet werden. In engem Zusammenhang damit stehe auch die spirituelle Erfahrung Gottes als „Quelle der Lebensqualität“. So könnten dann spirituelle Erfahrungen wie das regelmäßig praktizierte Gebet – gerade auch im Alltag – deutliche Auswirkungen auf ein gelingendes Leben haben, bedingt durch persönliche innere Zufriedenheit und Gelassenheit im Stress.

Aufgrund des Doppeljubiläums der 1.000 Jahre alten Bartholomäuskapelle und der Domkirche auf dem 950 Jahre alten Imad-Fundament behandelt die beliebte Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn aktuell das Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“. Damit soll ein wissenschaftlicher Beitrag zu den beiden Jubiläen in diesem und im nächsten Jahr geleistet werden.

Den nächsten Vortrag der Montagsakademie am Montag, 18. Dezember, um 18.00 Uhr hält Professor Dr. Michael Konkel aus Paderborn. Er spricht zum Thema „Einmal heilig, immer heilig. Zur Kontinuität von Ortstraditionen in Judentum, Christentum und Islam“.

Bei der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn halten bedeutende Vertreter aus Kirche und Wissenschaft in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) rund 45-minütige Vorträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf aktuelle, gesellschaftlich und theologisch relevante Themen und stellen sich anschließend der Diskussion.