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„Gegen das Vergessen“

Theologen stellen sich gegen Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit

Wollen an die Judenverfolgung der Nationalsozialisten erinnern: Professorin Dr. Maria Neubrand MC und Professor Dr. Benjamin Dahlke. | Foto: ThF-PB

Professorin Dr. Maria Neubrand MC und Professor Dr. Benjamin Dahlke von der Theologischen Fakultät Paderborn rufen in diesen Tagen zum Gedenken an die antisemitischen Schreckenstaten rund um die sogenannte „Reichspogromnacht“ am 9. November 1938 auf. Damit wollen die Lehrstuhlinhaberin für Neues Testament und der Lehrstuhlinhaber für Dogmatik und Dogmengeschichte die Erinnerung an die Judenverfolgung der Nationalsozialisten wachhalten und sich gegen jegliche Form von Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit stellen.

„Die Erinnerung an Gewalt und Terror der Nationalsozialisten gegen Juden im gesamten damaligen Reichsgebiet bleibt nicht nur allgemein zentrale Aufgabe, sondern ist auch für die Theologie ein wichtiger gesellschaftlicher Auftrag“, sagt Professorin Neubrand. Es dürfe nicht weggesehen werden, wenn Antisemitismus und Judenfeindlichkeit auch heute wieder neu in Deutschland entstünden und sich verstärkt auszubreiten drohten. Eine lebendige Erinnerung diene dazu, sich gegen das Vergessen und für ein freies und friedliches Miteinander in Gegenwart und Zukunft einzusetzen.

Für Professor Dahlke habe jeder Christ „die Verpflichtung, die Erinnerung wachzuhalten und sich hier zu engagieren“. Auch weil damals Christen selbst den Weg für Antisemitismus bereitet hätten, müsse heute das Möglichste getan werden, „dass solche Grausamkeiten nie wieder vorkommen“. Da gehe es nicht einfach um Geschichte, „um etwas, was jetzt 80 Jahre zurückliegt“. Es gehe darum, „die Verantwortung zu sehen und wahrzunehmen“, betont Professor Dahlke.

Die Herausforderung heute liege in einer „bestimmten Müdigkeit des Erinnerns“, gibt Professorin Neubrand zu bedenken. „Ich kann junge Menschen verstehen, die sagen, das ist ja alles so lange her, warum soll ich mich überhaupt daran erinnern. Aber ich glaube, wir müssen hier Arbeit leisten, weil das Thema eben nicht einfach von gestern ist. Dass wir heute gerade auch als Christen gegen bestimmte gesellschaftliche und politische Tendenzen aufstehen müssen“, meint die 62-jährige Theologin, die Mitglied der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn“ und im Gesprächskreis „Juden und Christen“ des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) engagiert ist.

Dass die Theologie einen Beitrag leisten kann, davon ist auch ihr 36-jähriger Kollege überzeugt und verweist beispielhaft auf das vor fünf Jahren erschienene „Historische Handbuch der jüdischen Gemeinschaften in Westfalen und Lippe“, an dem er selbst als Autor neben weiteren Angehörigen der Theologischen Fakultät Paderborn mitgewirkt hat. Mit einem solchen oder ähnlichen Projekt könne deutlich gemacht werden, „dass es sich um Menschen handle, von denen wir reden ist, Mitbürgerinnen und Mitbürger, die in Paderborn und Umgebung gelebt haben“. So beginne Erinnerungsarbeit: „Wir haben deutlich zu machen, dass es reiches jüdisches Leben gab. Das soll nicht in Vergessenheit geraten.“

Termine, Programmhinweise und Informationen zur Woche der Erinnerung rund um den 9. November mit vielen Veranstaltungen in den Kreisen Paderborn und Höxter stehen unter www.80jahrepogrom.jgpb.de zur Verfügung.