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Über Gewissen und Moral

Professor Wald hält Vortrag an der Lateranuniversität in Rom

Professor Dr. Berthold Wald beim 17. Kongress der Moraltheologie des Päpstlichen Theologischen Instituts Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften an der Lateranuniversität in Rom. | Foto: ThF-PB

Zur Bewertung moralischer Urteile hat Professor Dr. Berthold Wald bei einem Vortrag an der Lateranuniversität in Rom daran erinnert, dass „das Gewissen nicht autonomer Geltungsgrund des Moralischen sein kann, sondern selber unter der Differenz von wahr und falsch, gut und böse, steht“. Die unbedingte Anerkennung des Moralischen verlange mit gleicher Unbedingtheit nach einer Gewissensbildung, „die weder durch äußeren Zwang noch vom Irrglauben an die Autonomie des Gewissens behindert sein darf“, sagte der Lehrstuhlinhaber für Systematische Philosophie an der Theologischen Fakultät Paderborn am Freitag, 17. November, beim 17. Kongress der Moraltheologie des „Päpstlichen Theologischen Instituts Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaften“.

Ausgangspunkt seines Vortrags war ein von der Antike bis zur Moderne vorgebrachter Zweifel an der „Echtheit“ des Gewissensphänomens. Anschließend nahm Professor Wald die Gewissenslehre bei Thomas von Aquin näher in den Blick, um abschließend aus der systematischen Betrachtung Konsequenzen für das heutige Denken über das Gewissen abzuleiten.

Ein sich absolut setzendes „autonomes“ Gewissen „kann sich nicht auf Thomas’ Lehre vom irrenden Gewissen berufen. Wenn Thomas darauf besteht, dass niemand gegen seine Überzeugung handeln darf, dann folgt daraus eben nicht, dass die einzige Art zu sündigen nur darin bestehe, gegen das Gewissen zu handeln“, erklärte Professor Wald. Mit seiner Lehre vom irrenden Gewissen habe der Aquinate gleichermaßen „zwei einander entgegengesetzte Fehldeutungen des Gewissens im Blick: die Absolutsetzung der Subjektivität wie deren Unterdrückung durch die Absolutsetzung des moralischen Gesetzes.“ Wer Gesetzesgehorsam ohne Einsicht verlange, unterliege einem sogenannten objektivistischen Fehlschluss. Zwar verlange die Geltung der Gebote die Anerkennung im Gewissen, die aber frei und ohne Zwang zu leisten sei, wenn sie moralischen Wert haben solle. „Umgekehrt, wer die Unbedingtheit der Gewissensbindung als Selbstverpflichtung versteht, unterliegt einem subjektivistischen Fehlschluss“, gab Professor Wald zu bedenken.

Philosophisch gesehen halte Thomas von Aquin die Mitte zwischen zwei Extrempositionen: der Infragestellung des Gewissens auf der einen Seite und der Absolutsetzung des Gewissens auf der anderen Seite. „Für die eine Seite folgt aus dem Nachweis der Genese der Gewissensbindung die Aufhebung des Gewissens als absoluter Instanz und für die andere Seite schließt die Absolutheit des Gewissens eine Genese der Gewissensbindung kategorisch aus“.

Das „Päpstliche Theologische Institut Johannes Paul II. für Ehe- und Familienwissenschaft“ an der Lateranuniversität in Rom hatte Papst Franziskus im September dieses Jahres neu geordnet eingerichtet, um die katholische Lehre zu Ehe und Familie im Sinne des päpstlichen Schreibens „Amoris Laetitia“ in Folge der vielbeachteten Bischofssynode zu den pastoralen Herausforderungen der Familie im Kontext der Evangelisierung zu vertiefen. Das Institut soll die Auseinandersetzung mit humanwissenschaftlichen und anthropologischen Erkenntnissen fördern und sich als Basis für den akademischen Austausch im Dienste der Weltkirche etablieren.