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Gott im Alltag erfahrbar

Montagsakademie: Pastoraltheologe Herbert Haslinger über den „Ort, an dem alles Wirkliche vorkommt“

Professor Dr. Herbert Haslinger im Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

Das Profane und das Heilige nicht länger gegeneinander auszuspielen und sich stattdessen darauf zu verlassen, dass Gott gerade auch im Alltag erfahrbar ist, dafür hat sich der Paderborner Pastoraltheologe Professor Dr. Herbert Haslinger ausgesprochen. Am Montag, 13. November, hielt er bei der Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn einen Vortrag zum Thema „Der Alltag als Ort der Gotteserfahrung“.

Zwar erfülle die „Unterscheidung zwischen profan und heilig für religiöses Leben und Erleben eine wichtige, unverzichtbare Funktion“. Doch dürfe das nicht über die gravierende Problematik dieses Schemas hinwegtäuschen“, sagte Professor Haslinger im voll besetzten Audimax der Theologischen Fakultät. Diese bestehe darin, „dass im kirchlichen Kontext die ‚profan-heilig‘-Dichotomie fast durchwegs mit der Dichotomie zwischen Alltag und Sonntag bzw. zwischen Welt und Kirche parallelisiert wird.“

Viel zu oft „erscheinen die alltägliche Welt und die profanen gesellschaftlichen Orte, an denen Menschen ihr Leben bestreiten als dunkle, triste, wenig werthaltige, moralisch fehlgeleitete, gottferne Sphäre“. Das habe sich „in Theologie und Kirche tief in Denken und Reden über Alltag und Welt eingeprägt“, erklärte Professor Haslinger. Er bezeichnete es als ein „Drama der kirchlichen Rede von Alltag, dass dieser nach wie vor über weite Strecken als die schlechthinnige Gegenwelt zum Heiligen firmiert, als der Ort, an dem gleichsam per definitionem keine Begegnung mit Gott stattfinde.“

Dabei sei gerade der Alltag „der Ort, an dem alles Wirkliche vorkommt: das Gute und das Schlechte, das Schöne und das Abstoßende, das Aufrichtende und das Belastende. Alltag ist die wirkliche Wirklichkeit, die Lebenswirklichkeit“, betonte der Pastoraltheologe. Eben weil dieser „banale gewöhnliche Alltag der vornehmliche Ort ist, an dem der Mensch mit sich selbst konfrontiert ist, an dem Fragen nach seiner Existenz aufbrechen, an dem ihm seine Grenzen bewusst werden, wo er aber auch seinen Lebensantrieb und sein Hoffnungen spürt, kurzum: weil der Alltag der vornehmliche Ort der Selbst-Erfahrung des Menschen ist, ist er der vornehmliche Ort der Gotteserfahrung.“

Professor Haslinger machte in seinem Vortrag aber auch deutlich, dass in der Kirche und im christlichen Glauben heilige Zeiten und Orte unbedingt dazugehörten und von entscheidender Wichtigkeit seien, eben „im Sinne herausragender, nicht alltäglicher Zeiten und Orte“. Allerdings würden sie so gebracht, „wie eine Familie ihr Familienfest braucht: als Figuration ihres alltäglichen Lebens, die dieses alltägliche Leben bewusst erleben lässt und so dazu befähigt, es auf neue Weise gemeinsam zu leben.“ Darum nannte Professor Haslinger abschließend ein für ihn geeignetes „Prüfungskriterium für ein rechtes Verhältnis zwischen Alltag und heiligen Zeiten und Orten: Helfen diese, den Alltag auf stimmige, erfüllte, menschengerechte Weise zu leben.“

Aufgrund des Doppeljubiläums der 1.000 Jahre alten Bartholomäuskapelle und der Domkirche auf dem 950 Jahre alten Imad-Fundament behandelt die beliebte Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn aktuell das Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“. Damit soll ein wissenschaftlicher Beitrag zu den beiden Jubiläen in diesem und im nächsten Jahr geleistet werden.

Den nächsten Vortrag der Montagsakademie am Montag, 20. November, um 18.00 Uhr hält Professor Dr. Hans-Walter Stork aus Paderborn. Er spricht zum Thema „‚Heilige Orte‘ in kostbaren Manuskripten der Meinwerkzeit“.

Bei der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn halten bedeutende Vertreter aus Kirche und Wissenschaft in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) rund 45-minütige Vorträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf aktuelle, gesellschaftlich und theologisch relevante Themen und stellen sich anschließend der Diskussion.