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Held sein genügt nicht

Kirchenhistoriker Dr. Sobiech hält Vortrag zur Möglichkeit der Seligsprechung von Friedrich Spee

Dr. Frank Sobiech bei seinem Vortrag am 8. März 2018 im Bischöflichen Dom- und Diözesanmuseum Trier. | Foto: Michael Merten / KNA

Der Jesuit Friedrich Spee (1591-1635), der zu den ersten Professoren an der früheren Academia Theodoriana – der heutigen Theologischen Fakultät Paderborn – gehörte und die Fächer Philosophie und Moraltheologie lehrte, war einer der bedeutendsten Barockdichter und entschiedensten Kämpfer gegen den Hexenwahn. Er verfasste bekannte Kirchenlieder, die heute noch gerne gesungen werden, und schrieb die damals bahnbrechende Abhandlung Cautio Criminalis gegen die Praxis der sogenannten Hexenprozesse.

Zwar wurde in jüngerer Zeit immer wieder danach gefragt, warum dieser große Kirchenmann eigentlich noch nicht seliggesprochen worden ist – auch der Theologe und Jesuit Karl Rahner stellte diese Frage. Allerdings hielt das Interesse daran nie länger an. Jetzt taucht die Frage wieder auf: Mit einem möglichen Seligsprechungsverfahren für Friedrich Spee und seinen Chancen beschäftigte sich Dr. Frank Sobiech, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Kirchengeschichte und Patrologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, im Rahmen eines Vortrags in Trier, wo Friedrich Spee 1635 verstorben ist, bei der Vorstellung des aktuellen Jahrbuches der Arbeitsgemeinschaft der Friedrich-Spee-Gesellschaften Düsseldorf und Trier.

1985 hätte der damalige Trierer Regens Anton Arens den ersten Vorstoß für ein Seligsprechungsverfahren unternommen, berichtete Dr. Sobiech laut einem Bericht der Trierer Bistumszeitung Paulinus. „Doch der Jesuitenorden, mit dessen Hilfe der Prozess hätte angestoßen werden sollen, zeigte sich skeptisch“. Das hätten die Nachforschungen in den römischen Archiven der Jesuiten ergeben, sagte Dr. Sobiech, der dem Thema auch in seiner Habilitationsschrift ein ganzes Kapitel widmet.

Der römische Generalpostulator der Jesuiten, Paolo Molinari, habe Zweifel geäußert an der Fama sanctitatis, dem Ruf der Heiligkeit Spees. „Es sei notwendig, zu beweisen, dass sich Gläubige in den vergangenen 350 Jahren in ihren Gebeten an Spee gewandt und um Fürsprache gebeten hätten.“ Ein Held zu sein, genüge nicht, brachte der Kirchenhistoriker seine Befürchtung zum Ausdruck. Sicher könne man mit dem heldenhaften Leben und Wirken Spees zwar viele Menschen begeistern, aber damit könne man kein Verfahren in Rom beginnen.

Dennoch sei es möglich, dass mehr als drei Jahrzehnte nach dem ersten Versuch ein erneuter Vorstoß erfolgreich werden könnte, sagte Dr. Sobiech. Denn unter Papst Franziskus hätten sich 2017 die Regeln für Selig- und Heiligsprechungen geändert. Seitdem gäbe es den neuen Sachverhalt der „heroischen Hingabe des Lebens“, der sich vom Martyrium und dem sogenannten heroischen Tugendgrad unterscheiden würde. Er würde sich an Christen richten, die frei und freiwillig ihr Leben aus Nächstenliebe für andere Menschen hingegeben hätten.

Spee habe sich für kranke Soldaten eingesetzt und sei an einer Militärseuche gestorben, sagte Dr. Sobiech. Wie die Aufzeichnungen Spees zeigten, hätte er den Tod aus christlicher Nächstenliebe auf sich genommen, was der „heroischen Hingabe des Lebens“ entspräche. Wichtig bleibe allerdings der Nachweis, „dass Gläubige Spee nicht nur allgemein, sondern in einem konkreten Anliegen um Fürsprache anrufen“. Dazu müsse noch ein Wunder nachgewiesen werden.