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Kirchenhistoriker Sobiech hält Vortrag in Jerusalem

„Görres Lecture“ über den Jesuiten Friedrich Spee (1591-1635)

PD Dr. theol. habil. Frank Sobiech ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Patrologie und Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

Eine besondere Ehre wird dem Kirchenhistoriker PD Dr. Frank Sobiech zuteil, wenn er am 10. Januar 2019 in der Reihe „Görres Lecture“ an der benediktinischen Dormitio-Abtei in Jerusalem einen Vortrag über den bekannten Jesuiten Friedrich Spee (1591–1635) halten wird. Den Termin hat die deutsche Görres-Gesellschaft „zur Pflege der Wissenschaft“ jetzt frühzeitig auf ihrer Homepage bekanntgegeben. Friedrich Spee war von 1623 bis 1626 und von 1629 bis 1631 Professor an der Academia Theodoriana, der heutigen Theologischen Fakultät Paderborn, wandte sich mit seiner Schrift Cautio Criminalis gegen die Praxis der Hexenprozesse und verfasste bekannte Kirchenlieder wie „Zu Betlehem geboren“.

Titelblatt der Cautio Criminalis (Rinteln 1631) aus der UB Salzburg | Foto: UB Salzburg, R 88618 I

„Der Kontakt zur Dormitio-Abtei ergab sich bereits im vergangenen Jahr während der Planung eines Forschungsaufenthaltes am Archivio storico della Custodia di Terra Santa (ACTS) im Jerusalemer Salvatorkloster der Franziskaner“, berichtet Dr. Sobiech, der als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Patrologie und Kirchengeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn tätig ist und viel zur Geschichte der Jesuiten und insbesondere zu Friedrich Spee forscht. „Der Direktor des Jerusalemer Instituts der Görres-Gesellschaft (JIGG), P. Dr. Nikodemus Schnabel OSB lud mich daraufhin für die Zeit dieses Forschungsaufenthalts zur ‚Görres Lecture‘ an die Dormitio-Abtei ein.“

Der Vortragstitel lautet „The Problem of Torture and the Cautio Criminalis by Friedrich Spee“ (dt. „Das Problem der Folter und die Cautio Criminalis von Friedrich Spee“). Dem Thema der bereits abgeschlossenen Habilitationsschrift von Dr. Sobiech entsprechend, die im kommenden Jahr in der Reihe „Bibliotheca Instituti Historici Societatis Iesu“ des Institutum Historicum Societatis Iesu (IHSI) an der Generalkurie der Gesellschaft Jesu in Rom erscheinen soll, wird es inhaltlich um das Lebensumfeld von Friedrich Spee, die Gefängnisseelsorge der Jesuiten zur Zeit der Hexenprozesse im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation im 16. und 17. Jahrhundert und um das Problem der Folter gehen.

Die deutschsprachige Benediktinerabtei Dormitio auf dem Berg Zion in Jerusalem. | Foto: ThF-PB

„Relevant wird hier vor allem sein, welche Folgen sich für die Jesuiten daraus ergaben, dass sie als Gefängnisseelsorger in ein System eingebunden waren, das die Folter als Rechtsinstitut beinhaltete“, erklärt der Kirchenhistoriker. „Auch werde ich einen Ausblick auf die Situation im Heiligen Land eröffnen. Hexenprozesse gab es in der Ostkirche nicht.“

Insgesamt 14 Tage, vom 7. bis 21. Januar 2019, wird Dr. Sobiech zu Gast an der Jerusalemer Benediktiner-Abtei sein. Die Vorfreude auf die Zeit im Heiligen Land, auf die wissenschaftlichen Recherchen am ACTS und besonders auf den Vortrag sei sehr groß, verrät Dr. Sobiech, „zumal der Vortrag unmittelbar in der Nähe des Abendmahlsaals und am zentralen Ort der Jerusalemer Urgemeinde stattfinden wird. Es dürfte im Übrigen auch das erste Mal sein, dass auf dem Zionsberg über Friedrich Spee referiert wird.“

Der Vortrag wird auch während der Vorlesungszeit des Theologischen Studienjahrs, ein ökumenisches Studienangebot der Dormitio-Abtei für deutschsprachige Theologiestudierende, stattfinden und ist als solcher auch bereits von Studiendekan Prof. Dr. Ulrich Winkler (Salzburg/Jerusalem) in dessen Programm vermerkt.