Intranet
Theologische Fakultät Paderborn . Kamp 6 . 33098 Paderborn . Tel.: 05251 121 6

Liturgieprofessor Stefan Kopp blickt auf die Vielfalt des Liborifestes

Libori: Kirche, Kirmes und Kultur

Sie sind fester Bestandteil des großen Liborifestes in Paderborn: Der goldene Schrein des heiligen Liborius, das Pfauen-Flabellum und der klanggewaltige Libori-Tusch im voll besetzten Dom. | Foto: pdp / Thomas Throenle

Das berühmte Liborifest in Paderborn zieht jährlich bis zu zwei Millionen Besucher an. Damit ist es nicht nur eines der ältesten, sondern auch eines der größten Volksfeste Deutschlands. Seine Beliebtheit hängt sicher an der langen Tradition – bereits im Jahre 836 ist das Fest entstanden – aber auch an dem heute besonderen Mix aus Kirche, Kirmes und Kultur. Die Vielfalt des Liborifestes aus Sicht der Liturgiewissenschaft hat jetzt Professor Dr. Stefan Kopp von der Theologischen Fakultät Paderborn neu in den Blick genommen. Am Montag, 16. Juli, erschien sein Artikel in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Gottesdienst“ der Liturgischen Institute Deutschlands, Österreichs und der Schweiz.

„Einige Besonderheiten“ weise die Liturgie rund um das Paderborner Hochfest des Heiligen Liborius bzw. die damit verbundene neuntägige Festzeit auf, die in der Regel am ersten Samstag nach dem 23. Juli, dem eigentlichen Gedenktag, beginnt, betont Professor Kopp. Das Fest selbst werde als „Triduum“, also als eine über kompakte drei Tage verteilte Feier, begangen. Es beginne „mit der Erhebung der sonst unter dem Altar der Krypta ruhenden Reliquien vor der Pontifikalvesper am Samstag“ und ende „mit einer Festandacht und der Beisetzung der Reliquien am Dienstag“.

Eindrucksvoll sei dabei vor allem der so genannte Liboritusch, „eine eindrucksvolle Komposition für Blechblasinstrumente mit einer Umrahmung durch Orgelklänge“, der sowohl am Liborisamstag bei der Erhebung der Reliquien ebenso wie am Liboridienstag bei der Repositio erklinge. Bemerkenswert sei auch die Oration, ein Bittgebet, in der festlichen Liturgie, die „Gott auf die Fürsprache des heiligen Liborius um Einheit der Kirche und Frieden unter den Völkern bittet“, erklärt Professor Kopp ein wichtiges und immer wieder aktuelles Motiv des Liborifestes. Von erheblicher politischer Bedeutung sei nämlich, „dass mit der Übertragung der Reliquien des heiligen Liborius von Le Mans nach Paderborn im Jahre 836 ein ‚Liebesbund ewiger Bruderschaft‘ geschlossen wurde, der auch während politisch schwieriger Zeiten in Deutschland und Frankreich zwischen beiden Völkern Bestand hatte und bis heute gepflegt wird“.

Neben dem feierlichen Triduum fänden aber auch an den anderen Tagen der gesamten Festwoche „unabhängig voneinander eine Vielzahl von Pontifikalämtern und anderen Gottesdiensten statt, in denen etwa bestimmte Personengruppen des Erzbistums – wie Frauen, Kinder, Jugendliche, ältere Menschen, Familien, das ‚Landvolk‘, Ordensleute oder die Caritas – besonders angesprochen werden“, skizziert der Theologe die Abläufe der liturgischen Akzente des Liborifestes. Ausdrücklich weist er ergänzend darauf hin, dass „die Festwoche, die mit einem Pontifikalamt am Sonntag nach dem Liborisonntag abgeschlossen wird, aber besonders das Triduum, sich in den letzten Jahrzehnten zu einem Treffpunkt der Weltkirche entwickelt“ habe.

Eine besondere Rolle beim Paderborner Liborifest spielt der an vielen Stellen zu entdeckende Pfau. Der Legende nach habe er damals die Pilgergruppe begleitet, die im Jahre 836 mit den Reliquien des heiligen Liborius von Le Mans nach Paderborn unterwegs war. „Am Ziel angekommen, soll er auf die Spitze des Domturmes geflogen und von dort tot zu Boden gefallen sein, als die Prozession mit den Reliquien in die Kirche eingezogen war und er damit seinen ‚Auftrag‘ erfüllt hatte.“ Bis heute werde aufgrund dieser Legende dem Schrein des Liborius beim jährlichen Fest ein sogenannter Flabellum, also ein liturgischer Fächer, vorangetragen, der in Paderborn aus Pfauenfedern bestehe und daher auch „Pfauenwedel“ genannt wird. Schon seit frühchristlicher Zeit stehe der Pfau in der Ikonographie für die Unsterblichkeit, erklärt Professor Kopp.

Charakteristisch für das Liborifest seien aber nicht nur Hochliturgien sowie weltkirchlich hochkarätig besetzte religiöse Veranstaltungen, sondern „ein in dieser Form einzigartiges Zusammentreffen von Liturgie und Leben, religiöser und weltlicher Feier, wobei beides – auch zeitlich – aufeinander abgestimmt ist“, sagt der Liturgiewissenschaftler. „Erst nach der feierlichen Eröffnung des Festes mit der Erhebung der Reliquien sowie der Pontifikalvesper am Liborisamstag im Dom, an der auch viele Menschen des öffentlichen Lebens teilnehmen, beginnen die weltlichen Feiern in der ganzen Stadt, beispielsweise der Pottmarkt am Dom.“ Gemeinsam genieße man das Leben, esse und trinke zusammen, komme miteinander ins Gespräch und besuche etwa Ausstellungen oder andere kulturelle Veranstaltungen. „Deshalb ist die in der Öffentlichkeit beworbene Kombination aus Kirche, Kirmes und Kultur so charakteristisch für das Paderborner Liborifest, da sich neben Kommerz und Freizeitvergnügen bis heute auch das religiöse und kulturelle Fundament erhalten hat“, unterstreicht Professor Kopp.