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Macht die rituelle Form Religion modern?

Montagsakademie: Professor Wilhelms zur Rolle der Religion in der modernen Gesellschaft

Professor Dr. Günter Wilhelms im Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

Um die rituelle Form der Religion und ihre Bedeutung im Kontext der modernen Gesellschaft ging es beim Vortrag von Professor Dr. Günter Wilhelms am Montag, 4. Dezember, im Rahmen der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie an der Theologischen Fakultät Paderborn. Der Lehrstuhlinhaber für Christliche Gesellschaftslehre sprach zum Thema „Rituelle Formen und Modernität. Kultursoziologische Überlegungen über die Rolle der Religion in der Gesellschaft.“

Ausgangspunkt des Vortrags von Professor Wilhelms war die These des Soziologen Armin Nassehi. Für ihn sei das, was die Religion modern mache, „ihre ästhetische Potenz, ihre rituelle Form. Darum gehe er auch davon aus, dass „die religiöse Gegenwart katholischer geworden sei“, zitierte Professor Wilhelms eine spitze Kernaussage des Soziologen. Das bedeute, „nicht mehr so sehr die Inhalte sind es, auf die sich die Aufmerksamkeit richtet, sondern auf die Form.“

Die „Modernitätskompatibilität“, die Anschlussfähigkeit an die moderne Gesellschaft bemesse, sich dabei zum einen „an der Kompatibilität mit individueller Freiheit und Pluralität“ zum anderen „an ihrer Funktion, das kommunizieren zu können, wofür die moderne Gesellschaft keine Sprache mehr zur Verfügung stellt“. Das könne besonders auf Bereiche der Unbestimmtheit oder Unverfügbarkeit zutreffen, erklärte Professor Wilhelms, der sich dem Thema weniger aus theologischer Sicht als vielmehr aus kulturtheoretischer Perspektive näherte und auf diese Weise ein bisher noch unbeachtetes Feld des Rahmenthemas der Montagsakademie „Gott begegnen an heiligen Orten“ beleuchtete.

In seinem Vortrag stellte Professor Wilhelms zunächst drei prominente Stimmen aus kulturphilosophischer und gesellschaftskritischer Tradition vor: Ernst Cassirer, Suanne Langer und Alfred Lorenzer. Mit Hilfe ihrer wissenschaftlichen Ansätze konnte er sowohl das „Wesen“ der rituellen Form als auch seine mögliche gesellschaftliche Funktion herausstellen. Abschließend leitete Professor Wilhelms aus diesen Einsichten mögliche Konsequenzen für die Kirche ab und diskutierte mit den Besuchern der Montagsakademie darüber, ob die Kirche in der Vergangenheit nicht zu sehr auf Einsichtsfähigkeit und Rationalität gesetzt habe und welche Form es denn heute noch geben könne, die „Modernitätskompatibilität“ ermögliche.

Aufgrund des Doppeljubiläums der 1.000 Jahre alten Bartholomäuskapelle und der Domkirche auf dem 950 Jahre alten Imad-Fundament behandelt die beliebte Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn aktuell das Thema „Gott begegnen an heiligen Orten“. Damit soll ein wissenschaftlicher Beitrag zu den beiden Jubiläen in diesem und im nächsten Jahr geleistet werden.

Den nächsten Vortrag der Montagsakademie am Montag, 11. Dezember, um 18.00 Uhr hält Professor Dr. Christoph Jacobs aus Paderborn. Er spricht zum Thema „‚Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?‘ (1 Kor 3,16) Die Seele als Ort der Gottesbegegnung“.

Bei der öffentlichen Vorlesungsreihe Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn halten bedeutende Vertreter aus Kirche und Wissenschaft in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) rund 45-minütige Vorträge aus unterschiedlichen Blickwinkeln auf aktuelle, gesellschaftlich und theologisch relevante Themen und stellen sich anschließend der Diskussion.