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Missbrauch: Tiefgreifende Konsequenzen in Aus- und Weiterbildung erforderlich

Pastoralpsychologe Christoph Jacobs für überprüfbare Standards und Expertise von außen

Professor Dr. Christoph Jacobs und Regens Hartmut Niehues als Referenten auf der Jahrestagung der Österreichischen Bischöfe und Regenten der Priesterseminare zur Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz und ihrer Bedeutung für die Priesterausbildung. | Foto: ThF-PB

Zur Aufarbeitung der Fälle sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche fordert der Paderborner Pastoralpsychologe Professor Dr. Christoph Jacobs tiefgreifende Konsequenzen für die Priesteraus- und -weiterbildung. Auf der diesjährigen gemeinsamen Jahrestagung der Österreichischen Bischöfe und Regenten der Priesterseminare zur Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz und ihrer Bedeutung für die Priesterausbildung am Mittwoch, 9. Januar, in Salzburg hat er ausführlich die Ergebnisse der sogenannten MHG-Studie hinsichtlich der Herausforderungen für die priesterliche Lebenskultur, die Priesterfort- und Priesterausbildung sowie für das gesamte pastorale Personal analysiert.

Professor Jacobs sprach sich dafür aus, das zwar komplexe, aber doch zentrale Thema der sexuellen Reife einer Person stets „im Kontext der gesamtmenschlichen und spirituellen Reife durchgängig theologisch und humanwissenschaftlich“ anzusehen. Gerade in der theologischen Lehre und der Seminarausbildung sei dafür „ein angemessener Raum“ vorzusehen.

Waren sich in vielen Punkten einig: die beiden Referenten Regens Hartmut Niehues (links) und Professor Dr. Christoph Jacobs (rechts). | Foto: ThF-PB

Unterstützung erhielt der Lehrstuhlinhaber für Pastoralpsychologie und Pastoralsoziologie an der Theologischen Fakultät Paderborn von seinem Mitreferenten Hartmut Niehues, Vorsitzender der Deutschen Regentenkonferenz und Leiter des Priesterseminars im Bistum Münster, der im Rahmen des Studientages die aktuellen Diskussionspunkte der einschneidenden Konsequenzen für die Priesterausbildung vorstellte.

„Angesichts der Wertschätzung des Zölibats im priesterlichen Leben“ brauche es „die Bereitstellung von deutlich mehr Ressourcen an Zeit, Ausbildungselementen und Personen“, um die Ziele zu erreichen, erklärte Professor Jacobs weiter. Ein wichtiger Schwerpunkt sei auch die Vermittlung der „Kompetenz zu einem menschenfreundlichen Umgang mit Macht und Autorität“ im priesterlichen und seelsorglichen Dienst. Allerdings seien „die Themen des Selbstmanagements, der sexuellen Identität, der sexuellen Reife und der Rollenkompetenzen für Nähe und Distanz“ nicht nur Themen für die zölibatär lebenden Priester, sondern für alle, die in der Kirche seelsorglich arbeiten und tätig sind.

Aus Sicht von Professor Jacobs und Regens Niehues sei es höchst sinnvoll, „gemeinsame Ausbildungselemente und Lernwege“ zu konzipieren. Die Ergebnisse der MHG-Studie machten deutlich, dass es Phasen und Belastungssituationen in der Seelsorge gebe, in denen die Stabilität der Lebensentscheidung, der eigenen Reife und der eigenen moralischen Integrität besonders gefordert seien. Die kirchlichen Institutionen stünden darum vor der Aufgabe, „geistliche, supervisorische, humanwissenschaftliche und theologische Fortbildungselemente und Präventionskonzepte“ zu organisieren.

Dass es „detaillierte und überprüfbare gemeinsame Standards für Ausbildungs- und Fortbildungsmodule“ geben müsse, bei denen auch „in Zukunft verstärkt externe Expertinnen und Experten ihre Expertise einbringen“, auch darin waren sich die beiden Referenten einig.

Der Lehrstuhl für Pastoralpsychologie und Pastoralsoziologie gehört zu den wenigen Lehrstühlen mit dezidiert pastoralpsychologischen Inhalten im gesamten deutschsprachigen Raum. Der besondere Akzent dieses Lehrstuhls liegt in einem voll ausgebildeten pastoralpsychologischen Lehrangebot mit umfangreicher Kompetenzentwicklung der Studierenden. Der empirisch-humanwissenschaftliche Akzent des Lehrstuhls im Dienste der pastoralpsychologischen Qualifikation des kirchlichen Personals der Priester und hauptamtlichen Laien ist eine traditionelle Besonderheit der Theologischen Fakultät Paderborn seit 1932.