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Montagsakademie: Wir wollen keine neue Kirche, sondern eine erneuerte Kirche.

Prof. Dr. Thomas Sternberg referierte über Macht und Machtmissbrauch vor dem Hintergrund des Synodalen Weges.

Am Montag, 9. Dezember, sprach der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, Prof. Dr. Thomas Sternberg, im Rahmen der Montagsakademie über Leitungsgewalt und Partizipation als Thema des Synodalen Weges. Rund 300 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgten den Vortrag im Auditorium Maximum der Fakultät.

Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, bei seinem Vortrag im Rahmen der Montagsakademie. | Foto: ThF-PB

Thomas Sternberg, gemeinsam mit Kardinal Reinhard Marx, dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz, Präsident des Synodalen Weges, beschrieb zu Beginn seines Vortrags den für ihn elementaren Vertrauensverlust, den der Missbrauchsskandal in der Katholische Kirche nun auch in den innersten Kerngemeinden der Kirche bewirkt habe. Dieser werde noch verstärkt durch die ausgebliebenen Reformen in wichtigen Themenfeldern seit den 1970er Jahren. Manche dieser Themen würden nun im Rahmen des auf zwei Jahre angelegten Reformdialogs des Synodalen Weges in den vier Foren zu Macht und Gewaltenteilung, Partnerschaft und Sexualität, der priesterlichen Lebensform und der Rolle der Frau in der Kirche angegangen. „Denk- und Diskussionsverbote, die in den 1950er Jahren noch gang und gäbe waren, machen die Katholiken heute nicht mehr mit“, führte er aus. Die Verquickung sakramentaler und administrativer bzw. funktionaler Vollmacht der Priester habe die Kirche zu einem geschlossenen System gemacht und den Machtmissbrauch ermöglicht und gefördert. In der Nachfolge Jesu, der die Machtverhältnisse durch seine Menschwerdung umkehrte und eben nicht als mit Machtinsignien ausgestatteter König auf Erden wirkte, sollte die Kirche sich in eine dienende bzw. geschwisterliche Kirche verwandeln. Als Stichwörter nannte er den Dialog auf Augenhöhe zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen bzw. Laien, das Anstoßen von Demokratisierungsprozessen und die Umsetzung des Subsidaritätsprinzips, um nicht eine neue, sondern eine erneuerte Kirche zu gestalten, in der Macht geteilt und ihre Ausübung gerechtfertigt werde. Das Publikum diskutierte nach dem Vortrag angeregt mit Thomas Sternberg.

Nächste Montagsakademie am 16. Dezember

In der nächsten Woche spricht im Rahmen der Montagsakademie Reinhard Bingener, Korrespondent der Frankfurter Allgemeinen Zeitung F.A.Z. aus Hannover, mit Prof. Dr. Benjamin Dahlke, Lehrstuhlinhaber für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn, über die „Einhegung kirchlicher Macht. Ekklesiologische Perspektiven und aktuelle Beobachtungen“. Die Veranstaltung beginnt am 16. Dezember um 18 Uhr im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn und wird diesmal nicht über Youtube übertragen.

Infos zur Veranstaltungsreihe

Mit „Macht und Ohnmacht in der Kirche“ stellt die Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn im Wintersemester 2019/2020 ein brisantes Thema in den Fokus der Veranstaltungsreihe. Missbrauchskrise und Vertrauensverlust sind nur zwei Stichworte, die komplexe kirchliche Problemfelder unserer Zeit benennen und zu einem neuen Nachdenken drängen. Welche Denkfiguren und Handlungsmuster prägen die Theologie und die kirchliche Praxis? Was kann getan werden, um sich neu an der Botschaft des Evangeliums auszurichten, Klerikalismus in der Kirche zu überwinden und seelsorgerliche Wegbegleitung mit geistlicher Autorität, aber ohne Missbrauch von Macht zu ermöglichen?

Die Montagsakademie ist eine öffentliche Vorlesungsreihe der Theologischen Fakultät Paderborn. Als lebendiges Forum konzipiert stellen sich renommierte Vertreterinnen und Vertreter aus Kirche und Wissenschaft in jedem Wintersemester einem ausgewählten Thema oder einer aktuellen Fragestellung der Zeit, treten in einen Dialog miteinander und dem Publikum und versuchen, aus ihrer Expertise heraus Lösungsmöglichkeiten bzw. Zukunftsperspektiven zu entwickeln. Die Essenz der Vorträge, Diskussionen und Gespräche werden jährlich als wissenschaftliche Publikation herausgegeben. Die Montagsakademie findet seit 2007/2008 in jedem Wintersemester immer montags um 18.00 Uhr im Auditorium Maximum (Klingelgasse/Ecke Liboristraße) der Theologischen Fakultät Paderborn statt. Sie ging aus der im Wintersemester 1994/1995 ins Leben gerufenen Seniorenakademie hervor.