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Philosophie muss sich dem öffentlichen Diskurs neu stellen

Professor Andreas Koritensky hält Antrittsvorlesung

(V.l.) Rektor Professor Dr. Wolfgang Thönissen, Professor Dr. Dr. Andreas Koritensky und sein Doktorvater Professor Dr. Friedo Ricken SJ aus München. | Foto: ThF-PB

Professor Dr. Dr. Andreas Koritensky hat am Mittwoch, 9. Januar, seine Antrittsvorlesung an der Theologischen Fakultät Paderborn gehalten. Dabei sprach der neue Lehrstuhlinhaber für Systematische Philosophie über das Problem des öffentlichen Vernunftgebrauchs in der Gegenwart und erklärte, dass die Philosophie als wissenschaftliche Disziplin in einer modern ausdifferenzierten Gesellschaft mit zunehmenden Individualisierungstendenzen aktuell vor drei Optionen stehe, wie sie auf die gesellschaftlichen Veränderungen reagieren und sich dem öffentlichen Diskurs neu stellen könne.

Eine erste Möglichkeit bestehe darin, dass die Philosophie den Menschen vernünftig begründete Überzeugungen „als weltanschauliche Option mit Wahrheitsanspruch“ anbiete. Aus Sicht von Professor Koritensky komme das zwar einem „lange geübten Selbstverständnis“ nahe, allerdings bliebe „fraglich, ob es dafür zurzeit einen großen Markt“ gebe. Zudem müsse die Philosophie dann „die Pluralisierung der Möglichkeiten entsprechender Systembildungen ausblenden“. Außerdem sei die Gefahr groß, dass sich „eine Philosophie, die ihre universalen Ansprüche nicht durchsetzen kann, ins Private zurückzieht“, erklärte Professor Koritensky.

Zweitens habe die Philosophie die Option, „die weltanschauliche Heimatlosigkeit der Menschen“ zu reflektieren. Für den 47-jährigen Philosophen und Theologen könne das ein „wertvoller Schritt“ sein. Denn auf diese Weise würde „die Philosophie an eine moderne Grunderfahrung“ herangeführt. „Dabei stehen zu bleiben, wird aber unbefriedigend sein.

Schließlich sieht Professor Koritensky eine dritte, viel versprechende Option für die Philosophie, ihr „intellektuelles Exil“ zu verlassen und sich selbstbewusst der weltanschaulich plural entwickelten öffentlichen Vernunft zu stellen. Entscheidend seien dabei drei Aspekte: Die Philosophie habe „Formen des Argumentierens und Denkens“ auszubauen, die „Pluralität und kontingente Sachverhalte rational zu verarbeiten erlauben“. Dann habe sie „die dialogische Form der Unterredung als Mittel des Diskurses“ wieder aufzunehmen, weil sich nur so auch „das Problem der Vielzahl an philosophischen Positionsbestimmungen in vernünftiger und adäquater Weise“ abbilden lassen. Außerdem bedürfe dieser philosophische Ansatz einer „epistemischen Charakterbildung“, die von Aufgeschlossenheit, Redlichkeit und Wohlwollen geprägt ist.

„Eine solche Philosophie ist keine Abkehr von der Tradition“, versicherte Professor Koritensky als Fazit in seinem Vortrag. „Sie greift nur einige beinahe vergessene Aspekte des Philosophierens wieder auf, die ihr von ihren griechischen Ursprüngen her zugehören.“

Zu Beginn der Antrittsvorlesung begrüßte Professor Dr. Wolfgang Thönissen als Rektor der Theologischen Fakultät Paderborn alle anwesenden Zuhörer und Gäste, darunter auch der Doktorvater von Professor Koritensky, Professor Dr. Friedo Ricken SJ von der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München. In seinem Grußwort sagte Professor Thönissen, er verstehe die Antrittsvorlesung für einen neuen Lehrstuhlinhaber als besonderen akademischen Akt, der für eine Hochschule ein herausragendes Ereignis sei.

Er sei dankbar, dass mit dem neuen Kollegen ein Philosoph und Theologe als Verstärkung an die Theologische Fakultät Paderborn gekommen sei, der viel praktische Lehrerfahrung habe. Auch seine internationalen Erfahrungen seien ein Gewinn, so dass auf mehrfache Weise der besondere philosophische Schwerpunkt an der Theologischen Fakultät Paderborn weiter gestärkt werden könne.

Andreas Koritensky studierte von 1991 bis 1994 und von 2000 bis 2002 katholische Theologie an der Gutenberg-Universität Mainz, an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt und an der Ludwig-Maximilians-Universität München sowie von 1992 bis 1996 Philosophie an der Philosophisch-Theologischen Hochschule St. Georgen in Frankfurt und der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München. 2001 erfolgte die Promotion in Philosophie. 2002 legte er das Diplom in katholischer Theologie ab.

2010 wurde Andreas Koritensky in Philosophie habilitiert und 2017 in katholischer Theologie ein weiteres Mal promoviert. Bis zu seiner Ernennung 2018 zum neuen Lehrstuhlinhaber für Systematische Philosophie an der Theologischen Fakultät Paderborn war er als Privatdozent an der Hochschule für Philosophie der Jesuiten in München mit einem Lehrauftrag für Religionsphilosophie und Philosophiegeschichte sowie gleichzeitig als Referent für Theologische Grundlagenarbeit und Exerzitien im Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn tätig.