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Protest gegen Folter in der Gegenwart

Neue Ausstellung der Käfig-Plastik von Wilfried Hagebölling an der Theologischen Fakultät Paderborn

Wollen mit der Käfig-Plastik am Entstehungsort von Friedrich Spees Streitschrift Cautio Criminalis auf Folter in der Gegenwart hinweisen: (v.l.) Rektor Professor Dr. Wolfgang Thönissen, Künstler Wilfried Hagebölling und Professor Dr. Josef Meyer zu Schlochtern. | Foto: ThF-PB

Er steht im Weg, ist unbequem und provoziert: der rund 3Meter lange, 1 Meter tiefe und 2 Meter hohe Käfig aus Holz und Eisen vor dem Eingang zur Präsenzbibliothek und zum Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn. Es handelt sich um das Werk „Abu-Ghureib 2003/2004 – Friedrich von Spee 1631/1632“ vom Paderborner Künstler Wilfried Hagebölling, das seit Beginn des neuen Wintersemesters im Hof der Fakultät, Eingang Klingelgasse, zu sehen ist.

Die Käfig-Plastik, auf deren Boden der Hinweis „Isolierzelle, wie sie U.S.-Truppen für Abu-Ghureib-Häftlinge in Bagdad benutzen“ zu lesen ist, soll ein künstlerischer Protest gegen Folter in der Gegenwart sein. Der Bezug auf Friedrich Spee von Langenfeld SJ (1591–1635) wird mit der Aufstellung im Bereich der ehemaligen Jesuitenuniversität, der heutigen Theologischen Fakultät Paderborn, zum Ausdruck gebracht, weil der bedeutende Barockdichter und Kämpfer gegen den Hexenwahn hier seine Streitschrift Cautio Criminalis gegen Folter und Hexenwahn verfasst hat.

„Folter ist heute ein ganz wichtiges Thema, weil unsere Welt sehr stark durch Kräfte bedrängt wird, die unmenschlich und nicht hinnehmbar sind. Das möchten wir mit der Aktion vergegenwärtigen“, erklärt Wilfried Hagebölling. Wichtig sei ihm dabei der Verweis auf Friedrich Spee, dessen Person und Denken ihn angeregt hätten, dass er bereits vor 14 Jahren diesen Käfig „ad hoc gebaut und als Provokation gegen Gleichgültigkeit aufgestellt“ habe. „Damals war es ein großer Skandal, als die Arbeit vor dem Gymnasium Theodorianum am Kamp stand.“ Viele hätten sein Anliegen nicht verstanden, meint der gesellschaftskritische Künstler. „Jetzt, nachdem der Käfig zwischenzeitlich von Paderborn aus über Osnabrück und Soest gewandert ist, gehört er aber wieder genau hier hin.“

Die umstrittene ad-hoc-Intervention „Abu-Ghureib 2003/2004 – Friedrich von Spee 1631/1632“ von Wilfried Hagebölling im Jahr 2004 auf dem Schulhof des Theodorianums. | Foto: Wilfried Hagebölling

Zur Neuauflage der Ausstellung eingeladen hatte Professor Dr. Josef Meyer zu Schlochtern, der regelmäßig in Paderborn Kunstaktionen in Auseinandersetzung mit dem christlichen Glauben startet. Diesmal ist ihm wichtig, dass auch die Studierenden „den Impuls, den Friedrich Spee gegen Folter und Hexenwahn gesetzt hat, kennenlernen“. Schließlich habe dieser Dichter und Denker, nicht nur schöne Weihnachts- und Adventslieder geschrieben, die heute noch gerne gesungen würden. „Meiner Meinung nach gehört es zur theologischen Ausbildung an diesem Ort, um Friedrich Spee und seine Verdienste als Vermächtnis für unsere Zeit zu wissen“, sagt Professor Meyer zu Schlochtern.

Dass die Ausstellung richtig verortet ist, darüber besteht auch für Rektor Professor Dr. Wolfgang Thönissen kein Zweifel. „Die Theologische Fakultät Paderborn befindet sich mitten in der Innenstadt, sodass sie dort, wo Menschen arbeiten, studieren, leben, sich begegnen, ein starkes Zeichen setzten kann.“ Zwar seien die Verbindungen zu Friedrich Spee an mehreren Stellen in der Stadt erkennbar. Dass er aber auch eine politische Seite habe, das könne jetzt durch das Kunstwerk an diesem Ort hervorgehoben werden. „Hier können wir mit der Ausstellung zeigen, dass Friedrich Spee mit seiner Cautio Criminalis ein ungemein politisch denkender Theologe war. Deswegen bin ich froh, dass wir die Käfig-Plastik jetzt hier eine Zeit lang zeigen“, betont Professor Thönissen.

Aus Sicht des Künstlers ist ausschlaggebend, dass sein Werk nicht einfach wieder an die gleiche Stelle gestellt wird. „Ich wollte den Käfig diesmal mitten auf den Weg zur Bibliothek stellen“, sagt Wilfried Hagebölling. „Wir haben heute eine andere Situation. Es ist vielleicht wichtiger, intensiv über das Thema nachzudenken als nur zu provozieren.“ Er habe den Wunsch, dass viele Paderborner in den Hof der Fakultät kommen und sich von dem Käfig zum Nachdenken anregen lassen. „Das kleine Tor ist hier über Tag ja immer offen.“

Eine eigene Veranstaltung zu der Ausstellung des Werkes „Abu-Ghureib 2003/2004 – Friedrich von Spee 1631/1632“ ist in Planung. Voraussichtlich soll es noch in diesem Jahr eine öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Künstler und weiteren Gesprächspartnern geben. Dieser Abend soll sich mit dem Verhältnis von Kunst, Politik und Moral befassen. Zu gegebener Zeit wird auf das Programm aufmerksam gemacht werden.