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Dies Academicus zum Thema „Christsein im Krieg“

P. Georges Aboud BS über das Gemeindeleben in Damaskus

P. Georges Aboud BS aus Syrien (li.) mit dem ersten AStA-Vorsitzendenden Maximilian Folda beim diesjährigen Dies Academicus an der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB
P. Georges Aboud BS aus Syrien (li.) mit dem ersten AStA-Vorsitzendenden Maximilian Folda beim diesjährigen Dies Academicus an der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

Beim diesjährigen Dies Academicus des Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) der Theologischen Fakultät Paderborn am Donnerstag, 12. Januar, hat P. Georges Aboud BS aus Syrien zum Thema „Christsein im Krieg“ gesprochen und aus eigener Erfahrung über das Gemeindeleben in Damaskus informiert.

Die allgemeine Situation der Einwohner von Dasmaskus sei mehr als angespannt, sagte Pater Georges. Dennoch bemühte sich die Bevölkerung den Alltag weitgehend normal zu organisieren, obgleich er durch immer wieder auftretenden Beschuss unterbrochen werde und die Menschen so an den Kriegszustand erinnert würden.

In seinem rund 70-minütigen Vortrag, dem eine Messfeier in der Universitäts- und Marktkirche für die um ihres Glaubens willen verfolgten Christen vorausgegangen war, ging Pater Georges auf die Komplexität des Konflikts in Syrien skizzenhaft ein. Aus seiner Sicht liege ein Grundproblem darin, dass „eine Vielzahl an Parteien mit ihren jeweils eigenen Interessen am Syrienkonflikt beteiligt ist“. Es bestehe ein Interessenskonflikt mit der Türkei, dem Irak und Saudi-Arabien. Auch mit Israel sei die Beziehung angespannt, da Israel eine kaum einzuschätzende Haltung gegenüber Syrien pflege. Ein Verbündeter hingegen sei der Iran, der keine gemeinsame Grenze mit Syrien habe.

„In den letzten fünf Jahren des Krieges haben wir viele Explosionen aufgrund von Bomben, Raketen und Mörsern miterlebt“, erklärte Pater Georges. „Allein das Krankenhaus, das direkt gegenüber der Kirche liegt, wurde dreißigmal getroffen. Auch die Kirche und das Pfarrzentrum sind von Einschlägen nicht verschont geblieben.“ Unter den Gemeindemitgliedern gebe es viele Opfer. „Vor Kriegsausbruch gab es in der Gemeinde ungefähr 15.000 Gläubige. Der militärische Konflikt hat diese Zahl um einiges verringert.“

Im vollbesetzen Hörsaal 2 der Theologischen Fakultät berichtete Pater Georges von unterschiedlichen Veranstaltungen, die trotz der Kriegslage von der Gemeinde organisiert worden sind, beispielsweise von einer Ostermontagsprozession, die seit 2015 auf Wunsch der Gläubigen wieder begangen wird. In den drei Jahren zuvor sei sie ausgefallen, weil die äußeren Umstände es nicht zugelassen hätten.

Der Krieg mache sich auch auf wirtschaftlicher Ebene bemerkbar. So hätte vor dem Krieg der Wert eines Euros bei 60 syrischen Pfund gelegen, heute bei 600 syrischen Pfund. „Deshalb wurde vom Patriachat in Damaskus ein Hilfszentrum eingerichtet, durch welches die Menschen mit dem Nötigsten wie Lebensmittel, Geld oder Alltagsgegenstände – z.B. Matratzen, Schulmaterialien – versorgt werden“, berichtete Pater Georges.

Auch wenn viele Gläubige geflohen seien, würden die Gottesdienste in seiner Kirche in Damaskus den Umständen entsprechend weiterhin gut besucht. Zu stoppen sei die Fluchtbewegung aber zurzeit noch nicht, sagte Pater Georges. „Viele haben ihr ganzes Hab und Gut verkauft um auszuwandern, größtenteils auch mit der Intention, nicht mehr zurückzukehren. Sie haben sich auf den Weg gemacht mit der Hoffnung auf ein besseres Leben, zumindest ein sichereres Leben ohne Krieg, aber auch mit der Unsicherheit ob man überhaupt lebend ankommt.“

Pater Georges erklärte, dass er und seine Kirche die Menschen bei ihrer Entscheidung unterstützen, gleichzeitig aber auch ermutigen würden, im eigenen Land zu bleiben. „Auch wenn allen die schwierige Lage in Syrien bewusst ist, so verweisen wir darauf, dass das Land seine Bewohner braucht. Außerdem ist vielen oft unklar, welche Strapazen sie auf dem Weg nach Europa zu erwarten haben und unter welcher Anstrengung sie fliehen müssen“, sagte Pater Georges.

Oft seien auch den Flüchtlingen die Schwierigkeiten am Zielort gar nicht bewusst, z.B. das Einfinden in eine neue Kultur, das Erlernen einer fremden Sprache, die behördlichen Schwierigkeiten insbesondere die Erlangung einer Aufenthaltsgenehmigung. „Dazu mehrere tausend Kilometer von seiner Heimat entfernt zu leben, ist mit Sicherheit auch eine nicht zu unterschätzende Belastung.“

Im Anschluss an den Vortrag moderierte Professor Dr. Stefan Kopp es eine Diskussionsrunde, bei der die Zuhörer Pater Georges weitere Fragen zur aktuellen politischen Lage stellen konnten. Mit einem Mittagsimbiss und der Möglichkeit zum persönlichen Austausch endete der diesjährige Dies Academicus des AStA unter der Leitung des ersten Vorsitzenden Maximilian Folda.

Pater Georges, Jahrgang 1968, ist Basilianer vom Heiligsten Erlöser (BS), einer Ordensgemeinschaft der griechisch-katholischen Kirche. Nach dem Studium in Rom wurde er 1992 im Libanon zum Priester geweiht. Bis vor Kurzem war Pater Georges Stadtpfarrer in St. Cyrill Damaskus/Syrien. Zurzeit ist er als Seelsorger für die melkitischen Christen in Deutschland tätig und bemüht sich um seelsorgliche Strukturen für geflohene Christen seiner Kirche.

Der Dies Academicus ist eine öffentliche Veranstaltung, die der AStA einmal im Jahr zu einem aktuellen Thema aus dem Bereich Kirche und Gesellschaft organisiert.