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„Über dem Urteil steht die Perspektive Gottes“

Angehörige der Theologischen Fakultät Paderborn starten mit Eröffnungsgottesdienst ins neue Sommersemester

Professor Dr. Peter Schallenberg feierte zu Beginn des neuen Sommersemesters mit den Angehörigen der Theologischen Fakultät Paderborn den traditionellen Eröffnungsgottesdienst in der Universitäts- und Marktkirche. | Foto: ThF-PB

Mit dem traditionellen Semestereröffnungsgottesdienst in der Paderborner Universitäts- und Marktkirche sind die Lehrenden, Studierenden, Mitarbeitenden sowie Freunde und Förderer der Theologischen Fakultät Paderborn am Montag, 8. April, in das neue Sommersemester gestartet. Dabei erinnerte Moraltheologe Professor Dr. Peter Schallenberg in seiner Predigt daran, beim Lernen und Studieren nicht zu vergessen, dass „die Gnade Gottes mehr als nur eine übergenau ausgefeilte Gerechtigkeit“ ist. Das lehre Gottes Umgang mit der Realität menschlicher Schuld und Sünde vor dem Hintergrund der Annahme des grundsätzlich Guten.

„Gäbe es in jedem Menschen einen noch so kleinen Kern, der aus der Perspektive Gottes in sich unzerstörbar gut ist, wäre dann alles verzeihbar?“, fragte Professor Schallenberg, der als Zelebrant der Messfeier zu Semesterbeginn vorstand, und gab die Antwort gleich selbst: „Kaum vorstellbar.“ Allerdings gebe das gehörte Evangelium von der Ehebrecherin (Joh 8, 1-11) den Anstoß, über diese Frage nachzudenken, wenn Jesus zu der angeklagten Frau sage: „Ich verurteile dich nicht.“

Aus Sicht des Moraltheologen sei damit „noch nicht gesagt, ob das, was die Frau zuvor getan hat, gut oder schlecht war“. Entscheidend sei hier vielmehr die Frage nach dem Urteil als letztes Wort. „Noch über dem Urteil steht die Perspektive Gottes. Wir hoffen darauf, dass in dieser Ewigkeit von dem einst Geschehenen keine Rede mehr sein wird, ohne dass dieses zu Lasten der Opfer und derjenigen geht, denen unendlich viel Schreckliches angetan wurde“, erklärte Professor Schallenberg, dem es speziell auf den letzten Satz Jesu im Evangelium ankam: „Geh und sündige von nun an nicht mehr“.

Am Ende werde wie so oft nicht weiter beschrieben, was die Frau dann eigentlich getan habe: „Hat sie sich bekehrt? Oder hat sie nach einiger Zeit gesehen, dass sie nicht ohne Sünde leben kann?“ Manchmal seien die Texte des Evangeliums unbefriedigend offen. Das habe allerdings seinen Grund, leitete Professor Schallenberg sein Fazit ein: „Wir müssen sie selber weiterspinnen, durch unser Leben, Denken, und Handeln. Das gilt für uns zuerst als Christen, dann aber auch als Theologinnen und Theologen, die wir Gott zur Sprache bringen wollen. Im zweiten Schritt sind wir aufgerufen, auch anderen zu helfen, dass weniger Sünde möglich wäre.“

Gedacht wurde in der Messfeier auch an die kürzlich verstorbenen Angehörigen und Freunden der Theologischen Fakultät Paderborn, darunter der frühere Quästor Kreisdirektor a.D. Dr. Friedrich Siebecke, der Ende März im Alter von 89 Jahren verstorben war. Im Anschluss an den feierlichen Eröffnungsgottesdienst in der Universitäts- und Marktkirche begannen für die Lehrenden und Studierenden die ersten Lehrveranstaltungen.