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„Von der ‚Lutherdekade‘ zum 500. Reformationsgedenken“

Montagsakademie: Bischof Feige über einen ökumenischen Lernprozess mit Perspektive

Offene Streitfragen in der Ökumene „demütig, zielorientiert und hoffnungsvoll angehen“: Ökumene-Bischof Dr. Gerhard Feige aus Magdeburg zu Gast bei der Montagsakademie im Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB
Offene Streitfragen in der Ökumene „demütig, zielorientiert und hoffnungsvoll angehen“: Ökumene-Bischof Dr. Gerhard Feige aus Magdeburg zu Gast bei der Montagsakademie im Audimax der Theologischen Fakultät Paderborn. | Foto: ThF-PB

„Es gibt erfreuliche Anzeichen dafür, dass der ökumenische Lernprozess uns auf dem Weg zu Christus und zueinander ein weiteres Stück vorangebracht hat“, sagte der Magdeburger Bischof Dr. Gerhard Feige am Montagabend, 30. Januar, im Auditorium Maximum der Theologischen Fakultät Paderborn. Damit hat der Vorsitzende der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz selbst die Antwort auf die von ihm gestellte Frage gegeben: „Werden sich evangelische und katholische Christen nach der Dekade und dem Reformationsgedenken näher oder ferner sein?“ Es war der abschließende Vortrag in der öffentlichen Vorlesungsreihe für dieses Wintersemester unter der Überschrift „Ökumene 2017: Grundlagen, Wege und Visionen“.

Viel sei in der Ökumene in der letzten Zeit geschehen, sagte Bischof Feige bei seinem knapp einstündigen Vortrag „Von der ‚Lutherdekade‘ zum 500. Reformationsgedenken – Ein ökumenischer Lernprozess mit Perspektive?“. Intensiv habe die ökumenische Bewegung um Klärung der anstehenden Probleme gerungen, so dass heute eine zunehmende Sensibilität wahrgenommen werden könne. Trotz gelegentlicher Reibungspunkte zwischen der katholischen und evangelischen Kirche lobte Bischof Feige ausdrücklich die langjährigen Bemühungen des ökumenischen Dialogs und wies deutlich auf die Bedeutung der zukünftigen Zusammenarbeit zu mehr Einheit hin.

„Welche Perspektive vor uns liegt, hängt freilich auch davon ab, ob wir wirklich an der Einheit der Kirche interessiert sind, wie es uns gelingt, sich in den theologischen Vorstellungen und kirchlichen Lebensvollzügen zu verständigen, und was wir letztlich dem Wirken des Heiligen Geistes zutrauen“, erklärte Bischof Feige. Katholischerseits sei es wichtig gewesen, sich vom Weg der „Gegenreformation“ verabschiedet und sich auf den Weg einer „Mitreformation“ begeben zu haben. Ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils, dass „die Kirche der permanenten Erneuerung bedarf“, gelte es diesen Weg beherzt weiterzugehen, sagte Bischof Feige.

Das bedeute, „im Bemühen um eine Heilung der Erinnerungen und eine andauernde Versöhnung nicht nachzulassen, selbstkritisch die eigenen Grenzen und Schwächen wahrzunehmen und zuzugeben sowie auf die Herausforderungen des reformatorischen Erbes in und um sich kreativ einzugehen“, wurde der Ökumene-Bischof konkreter. Das bedeute aber auch, „sich gegenseitig noch mehr im Lichte Jesu Christi zu betrachten und neidlos ins Wort zu fassen, was man einander schätzt und vielleicht sogar bewundert, worin man spezielle Begabungen erkennt und den Geist Gottes eindrucksvoll am Wirken sieht. Vor allem wäre es wirklich wichtig, die noch offenen kontroversen Fragen demütig, zielorientiert und hoffnungsvoll anzugehen“, erklärte Bischof Feige.