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Zeitzeuge des Reformationsgeschehens

Zum 450. Todestag von Bischof Rembert von Kerssenbrock

Grabplatte von Bischof Rembert von Kerssebrock im sogenannten Pfarrwinkel des Hohen Domes zu Paderborn. | Foto: pdp / Ronald Pfaff

Paderborn (pdp). 2018 jähren sich die Todestage von drei früheren Paderborner Bischöfen: Rembert von Kerssenbrock, Bischof von 1546 bis 1568, starb vor 450 Jahren. Dietrich von Fürstenberg, der von 1585 bis 1618 Bischof war, starb vor 400 Jahren. Und vor 300 Jahren starb Franz-Arnold von Wolff-Metternich zu Gracht, der von 1704 bis 1718 das Bistum leitete. Im Herbst dieses Jahres werden sich die Theologische Fakultät Paderborn und das Erzbistumsarchiv Paderborn mit dem Lebenswerk dieser drei Bischöfe in einer Tagung beschäftigen. Geleitet wird die Tagung von Prorektor Professor Dr. Stefan Kopp und von Erzbistumsarchivar Dr. Arnold Otto.

Der 12. Februar ist der Todestag von Rembert von Kerssenbrock. Die bestimmenden Themen seines Lebens waren Reformation und Konfessionalisierung. Diese erlebte er nicht nur als Oberhirte in seinem Bistum Paderborn, vielmehr auch ganz unmittelbar in seiner eigenen Familie, die sich im 16. Jahrhundert in einen katholischen und einen evangelischen Zweig aufspaltete.

Rembert von Kerssenbrock wurde 1474 auf Haus Brincke nahe Gütersloh geboren. Dort werden sein Name und die Tradition des katholisch gebliebenen Zweiges seiner Familie auch nach einer Namensverleihung im 18. und einer Adoption im 20. Jahrhundert bis heute fortgeführt: Die relativ große Schlosskirche von Haus Brincke diente den Katholiken in Borgholzhausen bis 1957 als alleiniges Gotteshaus – die Pfarrkirche von 1196 war nach 1624 evangelisch geworden.
Haus Brincke liegt nur wenige hundert Meter von der niedersächsischen Landesgrenze entfernt, die gleichzeitig Grenze zum Bistum Osnabrück ist. Wie im westfälischen Adel des ausgehenden Mittelalters oft zu sehen, lebte auch Rembert von Kerssenbrock über diese Grenzen hinweg und erwarb schon früh in seiner kirchlichen Karriere Sitze in den Domkapiteln nicht nur von Osnabrück und Paderborn, sondern auch von Minden und Münster.
1533 zog er, nachdem er schon in Osnabrück konfessionelle Konflikte erlebt hatte, nach Paderborn. Dort wurde er Zeuge der Reformbestrebungen Hermann von Wieds. Dieser suchte als Erzbischof von Köln und Paderborn nach einem Weg der Kirchenreform, der von den jeweiligen Domkapiteln jedoch nicht mitgegangen wurde. Der Konflikt spitzte sich immer weiter zu und endete 1546 mit der Absetzung Hermanns durch Papst Paul III. Für das Bistum Paderborn wurde nun Rembert von Kerssenbrock zu seinem Nachfolger gewählt.

Dieser setzte große Hoffnungen darauf, dass das wenige Monate zuvor begonnene Konzil von Trient in der Lage sein würde, die unterschiedlichen reformatorischen Strömungen innerhalb der Kirche zu integrieren und eine Einheit wieder herzustellen. Ein klares Bewusstsein für die Reformation, in der er auf einer von zwei Seiten steht, hatte Rembert trotz der Situation, in der er zum Nachfolger Hermanns von Wied gewählt worden war, wohl zumindest zu Beginn seiner Amtszeit noch nicht. Als loyaler Landes- und Kirchenfürst bemühte er sich mit einer Diözesansynode 1548 und einer Generalvisitation 1549 um die Umsetzung des Augsburger Interim, einer Vereinbarung, die bis zur erhofften Klärung offener Fragen auf dem Konzil von Trient das kirchliche Leben regeln sollte.

Das Konzil sollte ihn jedoch tatsächlich bis 1563 und damit den längsten Teil seiner Amtszeit begleiten, in der er eine Ausbreitung der Reformation zwar im Hochstift, nicht jedoch in den anderen Teilen des Bistums vermeiden konnte. Dennoch konnte er sich als Bischof auf Paderborn als Bischofssitz konzentrieren. Es sollte bis zur Wahl Dietrichs von Fürstenberg zum Bischof von Paderborn im Jahr 1585 dauern, bis ein neuer Bischof Paderborn nicht nur zu einem anderen Bistum dazu erhielt, sondern hier zum Bischof wurde und es auch ausschließlich hier blieb.