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Zum Gottesdienst und Frühstück beim Erzbischof

Priesteranwärter feiern regelmäßig Heilige Messe mit Erzbischof Becker und frühstücken mit ihm

Erzbischof Hans-Josef Becker feiert die Frühmesse mit den Priesteramtskandidaten Gian-Luca Andreß (r.) und Niklas Sonderkamp. | Foto: pdp/Thomas Throenle

Bei ihrer Priesterweihe legt der Erzbischof den Weihekandidaten die Hände auf – ein Zeichen der Amtsübertragung und eine Geste der Vertrautheit. Im Erzbischöflichen Priesterseminar Paderborn gibt es eine schöne Tradition des Miteinander-vertraut-Werdens zwischen Erzbischof Hans-Josef Becker und den Seminaristen: Regelmäßig feiert der Paderborner Erzbischof die Messe in der Kapelle des Bischofshauses und wird dabei von jeweils zwei Studenten als Messdiener unterstützt. Nach der spirituellen Stärkung ist beim gemeinsamen Frühstück Gelegenheit zum Austausch – von Erzbischof zu künftigem Priester, aber auch von Mensch zu Mensch.

Heute sind Gian-Luca Andreß und Niklas Sonderkamp früh aufgestanden, um sich auf den Weg zum Bischofshaus zu machen: Um 7.15 Uhr beginnt dort in der Hauskapelle die Heilige Messe. „Etwas früh ist das natürlich schon“, sagen beide einhellig. Aber sie freuen sich auch darauf, mit dem Paderborner Erzbischof die Messe zu feiern und anschließend zu frühstücken. „So oft hat man als Student ja auch nicht die Gelegenheit, dem Erzbischof zu begegnen“, sagt Gian-Luca Andreß. Niklas Sonderkamp ergänzt: „Es ist gut, wenn man den Erzbischof vor der Weihe auf diese Weise schon ein wenig kennenlernen kann. So wird das Vertrauensverhältnis zwischen dem Erzbischof und seinen späteren Priestern nochmal anders grundgelegt.“

Die Tradition, dass der Erzbischof von Paderborn die Priesteramtskandidaten beim gemeinsamen Gottesdienst und Frühstücken kennenlernt, geht schon auf den früheren Paderborner Erzbischof Johannes Joachim Kardinal Degenhardt zurück. Sein Nachfolger, Erzbischof Hans-Josef Becker, hat sie gerne übernommen. „Als ich Priester wurde, gab es das allerdings noch nicht“, erinnert sich der Paderborner Oberhirte beim Gespräch mit den beiden Seminaristen.

Gian-Luca Andreß und Niklas Sonderkamp, beide in ihrer Jugend Messdiener in ihren Heimatgemeinden, versehen während der Frühmesse nicht nur den Ministrantendienst. Andreß trägt auch die Lesung und als Zwischengesang einen Psalm vor, Sonderkamp liest die Fürbitten. „Gesangs- und Sprecherziehung gehören zur Ausbildung im Priesterseminar dazu“, erklärt Gian-Luca Andreß. Die beiden Ordensschwestern, die im Bischofshaus arbeiten, Schwester Maria Lioba und Schwester Gertrude, feiern den Gottesdienst auch mit. Zwar ist die Gottesdienstgemeinde in der Kapelle des Bischofshauses klein, doch stimmstark ist sie trotz der frühen Stunde allemal bei Liedern wie „Für alle Heilgen in der Herrlichkeit“.

Andreß hat im Wintersemester 2016/2017 als Propädeutiker seinen Weg zum Priesteramt in Paderborn begonnen, Niklas Sondermann hat vor drei Jahren in Bochum mit dem Theologie-Studium begonnen und führt dieses jetzt in Paderborn weiter. Beide kommen gebürtig aus dem Ruhrgebiet, Andreß aus Castrop-Rauxel, Sondermann aus Herne. „Das Ruhrgebiet ist quasi die Westtangente des Erzbistums“, bemerkt Erzbischof Becker beim Frühstück schmunzelnd. Das Studium und die Ausbildung zum Priesterberuf bestimmen als Thema den gemeinsamen Austausch. Beide Seminaristen sind sich einig, dass es als Student gilt, sich selber einen roten Faden durchs Studium zu legen, denn sonst könne es so wirken, „wie von Pflichttermin zu Pflichttermin zu hetzen“.

Der Paderborner Oberhirte erinnerte sich an sein eigenes Studium in Paderborn und München. Bevor er sich entschloss, Priester zu werden, war sein Berufswunsch Lehrer mit den Fächern Deutsch, Geschichte und Musik. Die Theologie sei ein breites Feld mit verschiedenen Disziplinen, sagt er und knüpft direkt die Frage nach der Lieblingsdisziplin der beiden Priesteramtskandidaten an: Niklas Sondermann hat es momentan besonders die Dogmatik angetan, Gian-Luca Andreß findet gerade vor allem das Alte Testament spannend. „Machen Sie weiter was draus!“, ermutigt Erzbischof Becker die beiden Studierenden.

Und wie lebt es sich in Paderborn für junge Menschen aus dem Ruhrgebiet? „In Paderborn entschleunigt man sehr gut“, fasst es Niklas Sonderkamp abschließend mit einem Lächeln zusammen.