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Ethikrat der Stadt Paderborn tagt unter Vorsitz von Professorin Thommes und Professor Wilhelms

Ethikrat sieht sich als Moderator und Katalysator bei der Diskussion der Chancen und Folgen der Digitalisierung für die Gesellschaft.

Der Ethikrat, mit Prof. Dr. Kirsten Thommes als stellvertretende Vorsitzende und Prof. Dr. Günter Wilhelms als Vorsitzender des Ethikrats, beraten die Stadt Paderborn bei der digitalen Transformation. | Foto: Stadt Paderborn.

Der Ethikrat, der von Prof. Dr. Günter Wilhelms, Inhaber des Lehrstuhls für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn, als Vorsitzendem und Prof. Dr. Kirsten Thommes, Professorin für Organizational Behavior an der Universität Paderborn, als stellvertretender Vorsitzender steht, berät die Stadt Paderborn bei der digitalen Transformation. Jede technische Innovation bringt Gestaltungskonflikte mit sich – zum Beispiel die Frage, ob zu Gunsten der digitalen Funktionalität die Privatheit der Daten in den Hintergrund rücken darf. Technikimmanente Gestaltungskonflikte sowie gesellschaftliche, politische oder ökonomische Zielkonflikte, ebenso wie die Frage der Rückbezüglichkeit bei der Modellierung sozialen Verhaltens, stellen ein kaum entwirrbares Geflecht von Wechselwirkungskonflikten und Interessengegensätzen dar. Es müssen mögliche Potenziale und Gefährdungen identifiziert und eine Bewertung der jeweiligen Kosten und Nutzen des Digitalisierungsprozesses für die Betroffenen und die Gesellschaft insgesamt vorgenommen werden. Hier setzt die Arbeit des Ethikrates an. Das politisch unabhängige Gremium sieht seine Aufgabe zunächst darin, auf mögliche Konflikte im Umgang mit der Digitalisierung aufmerksam zu machen und sie zu diskutieren, damit sie sowohl den gemeinsam geteilten Wertvorstellungen aller Bürger*innen, als auch den ethischen Anforderungen entsprechen können. Da es hierfür keinen allgemein gültigen Lösungsansatz gibt, sollen die Herausforderungen in einem organisierten Prozess bewusst gemacht, die Bürger*innen beteiligt und letztlich für eine nachhaltige Entwicklung Sorge getragen werden.  So ist für Herbst 2021 ein Bürger*innen-DigiLog geplant, der sich mit den Themen Digitalisierung und Demokratie sowie offenen Daten beschäftigt.

Der Ethikrat begreift sich dementsprechend nicht als Aufsichts- oder Entscheidungsinstanz, sondern als Moderator und Katalysator einer Entwicklung, die das Zusammenspiel neuer technischer Entwicklungen mit dem gesellschaftlichen und sozialen Wandel in Einklang bringen soll. So wurden beispielsweise die Projektanträge der Digitalen Heimat PB analysiert und Gespräche mit den jeweiligen Projektverantwortlichen geführt, um mögliche Potenziale, Konflikte, aber auch alternative Möglichkeiten aufzuspüren. Mit den Verantwortlichen des Digitalen Serviceportals „Mein DigiPort“wurde besprochen, ob auch in der Zukunft weiterhin alle Serviceleistungen der Verwaltung in gleicher Qualität erhalten bleiben, welche Chancen die Digitalisierung zur Inklusion bietet und wie sich die Arbeitsprozesse der Mitarbeitenden verändern werden. Auch die Digitale Gesundheitsplattform wird zukünftig durch den Ethikrat begleitet. In dem Projekt wird der Austausch von Gesundheitsinformationen standardisiert und automatisch über die Digitale Gesundheitsplattform erfolgen. Alle Krankenhäuser werden mit den niedergelassenen Ärzten der Region digital vernetzt, sodass ein zentraler Zugriff auf die professionell erhobenen Gesundheitsinformationen möglich ist. Dem Ethikrat ist hierbei wichtig, dass Patient*innen für den Austausch von digitalen Gesundheitsdaten auch die Verantwortung übernehmen können. Dementsprechend muss eine werteorientierte Digitalkompetenz gefördert werden und auf Endgeräten mit einfacher Handhabung geachtet werden, um soziale Ungerechtigkeiten zu vermeiden. Auch der Datenschutz wird regelmäßig an den Fortschritt der Informationstechnik angepasst werden müssen.

Weitere Mitglieder des Ethikrates sind Prof. Dr. Elisabeth Jünemann, Katholische Hochschule NRW, Prof. Dr.-Ing. Reinhard Keil, Universität Paderborn a.D., Prof. Dr. Dr. Martin Hörning, Katholische Hochschule NRW, Petra Krause, Leitung Gesundheitsschulen Evangelisches Klinikum Bethel, Detlef Schubert, Bezirksregierung Detmold a.D. und Prof. Dr. Andreas Fisahn, Universität Bielefeld.