Die Kirche ist nicht nur eine synchrone, sondern auch eine diachrone Glaubensgemeinschaft. Christinnen und Christen heute sind mit Christinnen und Christen der nun fast zweitausend Jahre umfassenden Kirchengeschichte verbunden: In Nähe und Distanz, in Kontinuität, aber auch nicht wenigen Diskontinuitäten.
Wer sich mit der Geschichte christlichen Glaubens und christlicher Praxis beschäftigt, begegnet einer faszinierenden, manchmal vertraut erscheinenden, oft aber irritierend fremden Welt. Gerade die Erfahrungen von Alterität (also Fremdheit), die die Kirchengeschichte bietet, können jedoch erstaunlich produktive Prozesse in Gang setzen: Sie erweisen die eigene Gegenwart als kontingent und nicht als selbstverständlich, stellen sie in einen größeren Horizont und öffnen damit einen Reflexionsraum, aus dem auch Perspektiven zur Gestaltung des kirchlichen Heute erwachsen können.
Kirchengeschichte ist also Theologie in historischer Perspektive. Sie ist ein unverzichtbarer Baustein der Selbstreflexion des christlichen Glaubens, indem sie dabei hilft…
…die historische Dimensionalität gegenwärtiger Fragen, Entwicklungen und Sachverhalte christlichen Glaubens und christlicher Praxis erkennen, adäquat beschreiben und reflektieren zu können.
… historische Alteritäten innerhalb und außerhalb der eigenen Tradition wahrnehmen und mit ihnen in einen respektvollen, kritisch-produktiven Dialog treten zu können.