Spurensuche in der Theologie der Gegenwart

Professor Stoll ging in seiner Antrittsvorlesung der Frage nach, was mit einem mystischen oder erfahrungsbezogenen Christentum gemeint ist.

Professor Christian Stoll, seit Oktober 2023 Lehrstuhlinhaber für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn, hielt seine Antrittsvorlesung zum Thema „Wird der Christ von morgen ein Mystiker sein? Zur Theorie eines erfahrungsgegründeten Christentums“ vor Studierenden und Angehörigen der Fakultät sowie Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Kirche und Gesellschaft. Rektor Professor Aaron Langenfeld begrüßte auch im Namen des Magnus Cancellarius, Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz, die Gäste, unter ihnen Pater Dr. Augustinus Sander als Vertreter des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, Dompropst Monsignore Joachim Göbel, Monsignore Dr. Michael Menke-Peitzmeyer, Regens des Erzbischöflichen Priesterseminars Paderborn, Superintendent Volker Neuhoff und Professorin Bergit Peters, Dekanin des Fachbereichs Theologie an der Katholischen Hochschule NRW (katho). In seiner Einführung nannte er wichtige Wegmarken der wissenschaftlichen Laufbahn von Professor Stoll und dankte ihm für die hervorragende Arbeit, die er in den vergangenen Monaten an der Fakultät und in der Leitung des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik geleistet habe. „Einer Arbeit, die auch schon deutlich über Paderborn hinaus wahrgenommen wird“, so der Rektor.

„Der Christ von morgen wird ein Mystiker sein“ schrieb Karl Rahner 1965. Der seither immer wieder zitierte Satz diente Professor Stoll als Ausgangspunkt für eine Spurensuche in der Theologie der Gegenwart: Was ist mit einem mystischen oder erfahrungsbezogenen Christentum gemeint? Dabei traten nicht nur ganz unterschiedliche Phänomene zu tage, sondern auch konkurrierende Deutungsmuster. Umstritten ist vor allem, inwieweit sich religiöse Erfahrung von Glaubensüberzeugungen und Institutionen unabhängig machen kann. Die Frage nach der „Selbständigkeit“ der Religion behandelte Professor Stoll dann mit einem Blick in den Religionsdiskurs um 1900 vor allem religionsphilosophisch. Dabei kam er auch auf die Konfliktgeschichte der katholischen Theologie mit den erfahrungsbezogenen Religionskonzepten der Jahrhundertwende während der sogenannten Modernismuskrise zu sprechen. Vor diesem Hintergrund ging es schließlich, wiederum in Anknüpfung an Karl Rahner, um eine theologische Reflexion der Erfahrbarkeit Gottes, Jesus Christi und des Heiligen Geistes.

An der gut besuchten Antrittsvorlesung nahmen u.a. auch der Soziologe Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Joas (Berlin) und Prof. Dr. Jan-Heiner Tück teil, der als ehemaliger Doktorvater von Prof. Stoll aus Wien angereist war. Zum Abschluss bedankte sich Christan Stoll bei seinen Wegbegleiterinnen und Wegbegleitern, seiner Familie sowie den Angehörigen und Studierenden der Fakultät für die Unterstützung sowie die herzliche Aufnahme in Paderborn. Musikalisch umrahmt wurde die Antrittsvorlesung durch Joseph Reinagels „Duett für zwei Violoncelli“, gespielt von Sebastian Pietsch, M.Ed. (Referent im Referat für Forschung & Kooperation und Promovend am Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft) und Aaron Wittke. Der anschließende Empfang mündete in das Asta-Sommerfest, das bei abendlichem Sonnenschein im Garten der Fakultät stattfinden konnte.

Christian Stoll wurde 1982 in Bad Driburg geboren und besuchte das St. Ursula-Gymnasium, wo er 2002 sein Abitur machte, um anschließend Rechtswissenschaft, Politikwissenschaft und Katholische Theologie in Freiburg und Yale zu studieren. 2016 erfolgte die Promotion bei Jan-Heiner Tück an der Universität Wien. Der Publikationstitel der Arbeit lautet: „Die Öffentlichkeit der Christus-Krise. Erik Petersons eschatologischer Kirchenbegriff im Kontext der Moderne“. Nach einer Tätigkeit als Universitätsassistent in Wien und einer Lehrstuhlvertretung in Münster erfolgte zeitgleich mit der Habilitation 2023 der Ruf auf den Lehrstuhl für Dogmatik und Dogmengeschichte an der Theologischen Fakultät Paderborn. Der Titel der Habilitation lautet „Religiöse Erfahrung und theologische Wissenschaft im Umbruch der Moderne. Studien zur katholischen Theologie in der Modernismuskrise“. Professor Stoll ist seit März 2024 Leitender Direktor des Johann-Adam-Möhler-Instituts für Ökumenik Paderborn.

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