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Theologische Fakultät Paderborn . Kamp 6 . 33098 Paderborn . Tel.: 05251 121 6

„Kirche-Sein in Zeiten der Veränderung“

Herzlich willkommen auf den Seiten des Graduiertenkollegs „Kirche-Sein in Zeiten der Veränderung“ an der Theologischen Fakultät Paderborn in Kooperation mit den in Kooperation mit den Instituten für Katholische Theologie an den Universitäten im Erzbistum Paderborn!

Das Graduiertenkolleg „Kirche-Sein in Zeiten der Veränderung“ vertieft in einem interdisziplinären Austausch biblisch-, historisch-, systematisch- und praktisch-theologische Fragestellungen, die mit Transformationsprozessen in Kirche und Gesellschaft zusammenhängen, und untersucht Grundlagen und Perspektiven für die heutige Realisierung von Kirche-Sein. Dabei ist die Grundfrage leitend: Wie kann die Kirche unter veränderten und sich stets verändernden Umständen ihrem Auftrag gerecht werden, als Volk Gottes „Sakrament in der Welt“ zu sein und die Frohe Botschaft zu verkünden?

Insgesamt 12 Professorinnen und Professoren von der Theologischen Fakultät Paderborn sowie den Instituten für Katholische Theologie im Erzbistum Paderborn (Paderborn und Siegen) bilden die Forschergruppe des Graduiertenkollegs, dessen Sprecher Prof. Dr. Stefan Kopp ist. Ab Wintersemester 2018/19 können zehn Promotionsstipendien vergeben werden, die Bewerbungsfrist ist der 1. Juni 2018 (siehe Ausschreibung). Das Graduiertenkolleg wird vom Erzbischöflichen Stuhl zu Paderborn gefördert und ist auf vier Jahre (2018–2022) angelegt.

Ausgangspunkte und Aufgaben
Forschergruppe und Einzelthemen
Theologische Fragen
Graduiertenkolleg und Zukunftsbild

Individualisierung, Differenzierung, Erlebnisorientierung, Globalisierung, Pluralisierung und Säkularisierung sind gesellschaftliche Diagnosebegriffe unserer Zeit, die mehr oder weniger zutreffend auch Ausgangslagen und Rahmenbedingungen für die heutige Realisierung von Kirche-Sein in den Ländern Westeuropas charakterisieren. Wie kann die Kirche unter veränderten und sich stets verändernden Umständen ihrem Auftrag gerecht werden, als Volk Gottes „Sakrament in der Welt“ zu sein und die Frohe Botschaft zu verkünden? In Antwort auf diese herausfordernde Frage konnten in den letzten Jahren keine Patentrezepte gefunden und keine fertigen Lösungen präsentiert werden.

Strukturell wurde allerdings seit den 1990er Jahren in vielen deutschsprachigen Diözesen versucht, neue pastorale Modelle zu entwickeln, bisherige Pfarreien als Pfarrverbünde, Kooperationseinheiten oder Seelsorgeräume zusammenzufassen und eine neue Form der „kooperativen Pastoral“ zu etablieren. Im Hintergrund dieser Entwicklung standen jedoch häufig tatsächliche oder mittelfristig befürchtete Mangelerfahrungen im Hinblick auf (pastorales) Personal und (finanzielle) Ressourcen, was den Reformen häufig einen negativen Beigeschmack gab und bei den betroffenen Menschen Verlustängste auslöste. Dem wurde von Seiten diözesaner Verantwortungsträger neben dem Bemühen um Transparenz und Partizipation auch durch die Benennung der strukturellen Transformationsprozesse mit Begriffen, die in die Zukunft weisen und einen Neuaufbruch signalisieren, entgegenzuwirken versucht. Doch bemängelten kritische Stimmen gerade eine zu technisch wirkende Terminologie für pastorale Prozesse und vermissten eine hinreichende theologische Fundierung der angestoßenen Reformen. In der Tat sind Transformationsprozesse pastoraler Strukturen nur auf der Grundlage theologischer Reflexionen solide zu gestalten. Doch muss dieses theologische Fundament – unter Einbeziehung möglichst aller theologischen Disziplinen – aus mehreren Perspektiven erarbeitet werden, um – bildlich gesprochen – für ein hohes Gebäude, in dem viele Menschen Raum finden, stabil genug zu sein. Dazu möchte das Graduiertenkolleg unter der Überschrift „Kirche-Sein in Zeiten der Veränderung“ einen Beitrag leisten.

Aus: Stefan Kopp, Gottesdienst ist nicht alles, aber ohne Gottesdienst ist alles nichts. Liturgische Vielfalt in Zeiten der Veränderung, in: ThGl 107 (2017) 354–370, hier: 354f. (siehe dort auch mit Literaturangaben).

Prof. Dr. Benjamin Dahlke, Theologische Fakultät Paderborn
Arbeitstitel: „Religion“ als anthropologische Konstante?

Prof. Dr. Veronika Hoffmann, Universität Fribourg (ehemals Universität Siegen)
Arbeitstitel: Veränderungen des Glaubens in systematisch-theologischer Perspektive

Prof. Dr. Dr. Bernd Irlenborn, Theologische Fakultät Paderborn
Arbeitstitel: Perspektiven des Verhältnisses von Säkularität und christlichem Glauben

Prof. Dr. Christoph Jacobs, Theologische Fakultät Paderborn
Prof. Dr. Ulrich Riegel, Universität Siegen
Gemeinsamer Arbeitstitel: Subjektive Theorien römisch-katholischer Priester zu seelsorglicher Identität und seelsorglichem Handeln in einer Zeit gesellschaftlicher und kirchlicher Umbrüche

Prof. Dr. Michael Konkel, Theologische Fakultät Paderborn
Arbeitstitel: Die Bibel als Fundament des christlichen Glaubens in Zeiten der Veränderung

Prof. Dr. Stefan Kopp, Theologische Fakultät Paderborn
Arbeitstitel: Liturgische Vielfalt unter veränderten pastoralen Bedingungen

Prof. Dr. Dr. Andreas Koritensky, Theologische Fakultät Paderborn
Arbeitstitel: Religiöse Sprache und ihre Relevanz für das menschliche Leben – Die lebenshermeneutische Kraft religiöser Sprache

Prof. Dr. Nicole Priesching, Universität Paderborn
Arbeitstitel: Katholische Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts

Prof. Dr. Dr. Oliver Reis, Universität Paderborn
Arbeitstitel: Wahl vs. Beauftragung – Eine Praxisanalyse zur Partizipation von Ehrenamtlichen in der Gemeindeentwicklung

Prof. Dr. Klaus von Stosch, Universität Paderborn
Arbeitstitel: Kirche-Sein im Angesicht des Islams

Prof. Dr. Günter Wilhelms, Theologische Fakultät Paderborn
Arbeitstitel: Die Zukunft der Kirche zwischen digital workplace und Twitter? Sozialethische Untersuchungen zur digitalen Transformation spätmoderner Gesellschaften

Gemeinschaft

  • Formen der Gemeindebildung (praktizierte und von der Theologie vorgeschlagene) und ihre theologische Deutung/Bewertung.
  • Wie wirken sich die veränderten Formen des Gemeinschaftsverständnisses in unserer Gesellschaft auf die Möglichkeiten der christlichen Gemeinschaftsbildung aus?
  • „Schattierungen“ des Christseins und der Relation zum Christentum („heilige Heiden“).
  • Welchen Formen, Orte und welches Maß von Präsenz braucht das Christentum im Leben, in den Gemeinden, in der Gesellschaft?

Krise der christlichen Identität

  • Viele Formen der Katechese, des Unterrichts und der aktuellen Gemeindepraxis scheinen nicht den gewünschten Einfluss auf die Ausbildung christlicher Anschauungen zu haben.
  • Im Gegensatz zu früheren Epochen ist es auch kaum mehr möglich, die Kriterien für „typisches“ Christsein oder Katholischsein zu benennen (etwa bestimmte Praktiken oder Anschauungen). Es ist bezeichnend, dass in den Unterhaltungsmedien für die Darstellung von Christen auf ältere Stereotype zurückgegriffen werden muss.
  • Das Verhältnis von Christentum und kulturellem Rahmen ist ungeklärt. Müssen oder sollen sich die Christen mit einem „klaren Profil“ in Abgrenzung zur allgemeinen „Kultur“ positionieren, weil diese nun zu „säkular“ ist? Wie kann eine Beteiligung von Christen an Kultur und Gesellschaft aussehen? Auf wieviel nicht genuin Christliches lassen wir uns ein?
  • Wie steht das Christentum zu anderen Religionen und wie kann es in einen konstruktiven interreligiösen Dialog kommen?
  • Viele theologische Begriffe (wie Taufberufung, Charisma), die den Menschen in den Gemeinden zur Selbstdeutung ihrer Rolle in Kirche und Welt angeboten worden, scheinen auf keine Resonanz zu stoßen.
  • Ist es möglich, das Christsein – gerade in seiner aktiven Rolle – noch einmal von einem Leitbild her zu denken? Wie vermeiden wir, dass Laien zu bloßen Konsumenten (oder Konsumverweigerern) von hauptamtlichen Dienstleistungen werden? Wäre es z.B. möglich das christliche Ethos mit einigen der Züge auszustatten, die für die Bürger einer antiken Polis relevant waren (Handlungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Entscheidungsfindung in der Gemeinschaft, die in gemeinsames Handeln mündet)? Würde ein solches Selbstbild von den Menschen angenommen werden?
  • Welche Formen der Entscheidungsfindung (individuell und in Gruppen) sind dann möglich? Welche Räume für neue Erfahrungen werden dadurch geöffnet?
  • Welche Folgen hat der Wandel für die Identität und für das Selbstverständnis der Seelsorgenden? Wie müssen die Rollen- und Leitbilder aller pastoralen Berufe in Zukunft gestaltet sein, damit sie realtitätsgerecht bleiben und auch das Erleben von Erfolgen möglich wird?

Krise der Sprachfähigkeit

  • Was lösen die alten Terminologien, Bilder und rituellen Ausdrucksformen für christliche Gemeinschaft heute aus (Volk Gottes, Glieder Christi usw.)?
  • Welche Ausdrucksformen bedarf es, um zu einem christlichen Leben zu motivieren? Wie erfahrungsgesättigt ist unsere Sprache etc.?
  • Wie gelingt es uns, unsere Idee von Erlösung zu vermitteln?
  • Was bedeutet das für die Relevanz von Christentum?

Von Andreas Koritensky.

Einige Fragen zur christlichen Identität in der Gegenwart, die sich aus der Umsetzung des Zukunftsbildes ergeben:

  • Das Zukunftsbild macht die Idee der Vernetzung stark. Das Verhältnis des Christentums zum kulturellen Rahmen ist ungeklärt. Müssen oder sollen sich die Christen mit einem „klaren Profil“ in Abgrenzung zur allgemeinen „Kultur“ positionieren, weil diese nun zu „säkular“ ist? Auf wieviel nicht genuin Christliches können wir uns einlassen, ohne uns in der Welt zu verlieren? Wie kann eine Beteiligung von Christen an Kultur und Gesellschaft aussehen?
  • Im Gegensatz zu früheren Epochen ist es auch kaum mehr möglich, die Kriterien für „typisches“ Christsein oder Katholischsein zu benennen (etwa bestimmte Praktiken oder Anschauungen). Es ist bezeichnend, dass in den Unterhaltungsmedien für die Darstellung von Christen oft auf ältere Stereotype zurückgegriffen wird. Gleichzeitig fällt es vielen Menschen schwer, die theologischen Begriffe (wie Taufberufung, Charisma), die ihnen zur Deutung ihrer Rolle in Kirche und Welt angeboten werden, aufzugreifen. Wie müssten Idealbilder katholischen Lebens heute aussehen?
  • Nicht-hauptamtlich Tätige sollen in Zukunft eine stärkere Rolle in der Gestaltung des lokalen kirchlichen Lebens spielen. Ist es möglich, das Christsein – gerade in seiner aktiven Rolle – von einem neuen Leitbild her zu denken? Wie vermeiden wir, dass Laien zu bloßen Konsumenten (oder Konsumverweigerern) von hauptamtlichen Dienstleistungen werden? Im Mittelalter ist die vita contemplativa Leitbild für den Glauben. Die Neuzeit dagegen betont Lehre und Instruktion. Wäre es heute z.B. möglich, das christliche Ethos mit einigen der Züge auszustatten, die für die Bürger einer antiken Polis relevant waren (Handlungsfähigkeit, Urteilsfähigkeit, Entscheidungsfindung in der Gemeinschaft, die in gemeinsames Handeln mündet)? Würde ein solches Selbstbild von den Menschen angenommen werden?
  • Welchen Beitrag können die verschiedenen theologischen Disziplinen zur Klärung dieser Probleme leisten?

Von Andreas Koritensky.

Kontakt

Sprecher des Graduiertenkollegs
Prof. Dr. Stefan Kopp

Vertreter
Prof. Dr. Dr. Andreas Koritensky

Koordinatorin
Christine Schlichtig

Theologische Fakultät Paderborn
Graduiertenkolleg "Kirche-sein in Zeiten der Veränderung"
c/o Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft
Kamp 6 | D-33098 Paderborn

Telefon: 05251 121 701
Fax: 05251 121 700
E-Mail: graduiertenkolleg@thf-paderborn.de

Prof. Dr. Stefan Kopp

Sprecher
Telefon: 05251 121 713

Prof. Dr. Dr. Andreas Koritensky

Vertreter
Telefon: 05251 121 753

Christine Schlichtig

Koordinatorin
Telefon: 05251 121 765

Waltraud Fastlabend

Sekretärin

Leonie Wulf

Studentische Mitarbeiterin

Matthäus Freitag

Studentischer Mitarbeiter
Telefon: 05251 121 713