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1.02.17 15:00 Alter: 84 Tag(e)

Eine humanere Arbeitswelt durch Digitalisierung?

Ringvorlesung Wirtschaftsethik: Bielefelder Professor Maier sieht Entwicklung der digitalisierten Technik positiv


Im gut besuchten Hörsaal 2 der Theologischen Fakultät Paderborn: V.l.n.r.: Professor Dr. Günter Wilhelms, Professor Dr. Günter Maier, Professor Dr. René Fahr. | Foto: ThF-PB

Für den Bielefelder Professor für Arbeits- und Organisationspsychologie, Dr. Günter Maier, bietet die digitalisierte Technik aufgrund ihrer neueren Entwicklung weit mehr Möglichkeiten für eine optimale, menschengerechte und adaptive Arbeitsgestaltung als bisher erwartet. Bei seinem Vortrag mit dem Titel „Schöne neue Arbeitswelt: Veränderte Arbeitsbedingungen und ihr Einfluss auf das Erleben und Verhalten“ sagte er im Rahmen der Ringvorlesung Wirtschaftsethik am Dienstagabend, 24. Januar, in der Theologischen Fakultät Paderborn, dass aktuell „aus den vergangenen Jahrzehnten bereits viel Wissen über die Wirkung von Arbeitsgestaltung“ vorliege. Heute könnten die sich daraus ergebenden Chancen „täglich bei der Technikentwicklung genutzt werden, um so langfristig zu einer human gestalteten neuen Arbeitswelt beizutragen“, erklärte Professor Maier seine Sicht auf mögliche Auswirkungen der Digitalisierung auf die Arbeitsbedingungen von Beschäftigten und deren Einfluss auf ihr Verhalten und Erleben.


Mit dem „soziotechnischen Systemansatz“ könne erklärt werden, dass Veränderungen der Technik einen weitreichenden Einfluss hätten. Er gehe davon aus, dass Unternehmen als System aus drei Komponenten verstanden werden könnten, „und zwar den Teilsystemen Technik, Personal und Organisation“. Eine Veränderung in einem Teilsystem habe immer Folgen in den beiden anderen Teilsystemen, Auswirkungen mit Chancen und Risiken, sagte Professor Maier. „Wenn beispielsweise das mit Industrie 4.0-Technologie verbundene Ziel der Individualisierung der Produktion angestrebt wird, kann dies einerseits zu einer höheren Aufgabenvielfalt und damit zur Vermeidung von Monotonie beitragen. Andererseits kann die Beanspruchung der Beschäftigten durch die Produktvielfalt auch zu hoch werden, sodass die Abhängigkeit von technischer Unterstützung steigt.“


Ob die Chancen der Technikentwicklung für eine optimalere Arbeitsgestaltung genutzt oder die negativen Seiten der Arbeitsgestaltung zum Tragen kommen würden, würde von den fortwährenden Entscheidungen für die jeweilige Technikgestaltung abhängen. „Daher sind alle Prognosen über die Folgen der aktuellen Technikentwicklung immer nur unter dem Vorbehalt gültig, dass zeitlich stabile Prinzipien der Technikgestaltung zugrunde gelegt werden“, sagte Professor Maier. Ein Beispiel für ein zunehmend wichtiger werdendes Kriterium von Technikgestaltung sei das Erleben von Gerechtigkeit maschineller Entscheidungen. Mittelfristig würden zunehmend mehr Beschäftigte von Entscheidungen technischer Systeme betroffen sein. „Unsere Experimente zeigen, dass das Erleben von Verfahrensgerechtigkeit, d.h. das Erleben davon, wie eine Entscheidung zustande kam, auch dann wichtig für Beschäftigte ist, wenn technische Systeme und nicht Vorgesetzte eine Entscheidung treffen“, berichtete Professor Maier.


Mit dem Vortrag von Professor Maier endete der diessemestrige Zyklus der Ringvorlesung Wirtschaftsethik. Im Wintersemester 2016/2017 stand sie unter der Überschrift „Arbeiten 4.0 – schöne neue Arbeitswelt?“ und beschäftigte sie sich mit Fragen zur digitalen Transformation der Gesellschaft und beleuchtet ihre Chancen und Risiken für den Menschen und seine Umwelt. Sie wurde zum sechsten Mal durchgeführt.


Die Ringvorlesung Wirtschaftsethik begleitet die Kooperation der Theologischen Fakultät Paderborn und der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften der Universität Paderborn im Bereich Wirtschaftsethik und hat zum Ziel, sowohl Raum für wissenschaftliche Reflexionen zu wirtschaftsethischen Themen zu geben als auch Stimmen aus dem regionalen Umfeld zu Wort kommen zu lassen. Verantwortlich sind Professor Dr. Günter Wilhelms, Lehrstuhlinhaber für Christliche Gesellschaftslehre an der Theologischen Fakultät Paderborn, und Professor Dr. René Fahr, Lehrstuhlinhaber für Betriebswirtschaftslehre, insbesondere Corporate Governance an der Universität Paderborn.




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