„Die Heilige Schrift als `locus theologicus´“

Zum Verhältnis von Systematischer und Biblischer Theologie veranstaltet Prof. Dr. Aaron Langenfeld in Kooperation mit Prof. Dr. Dr. Martin Breul vom Institut für Katholische Theologie der TU Dortmund am 30. und 31. Januar 2026 eine offene Akademietagung an der Katholischen Akademie Schwerte.


Die Systematische Theologie hat den Anspruch, die Gehalte des christlichen Glaubens inhaltlich zu durchdringen, deren Bedeutung zu erschließen und die Verantwortbarkeit des christlichen Glaubens im Horizont der Vernunft zu prüfen. Um ihren Anspruch zu erfüllen, bedarf sie der sog. »loci theologici«, der theologischen Erkenntnisorte. Diese bilden die Quellen, auf die Theologie sich stützt, um zu verstehen und zu begründen, wie wir vernunftgemäß glauben können.

Einer der zentralsten Erkenntnisorte ist die Heilige Schrift, das authentischste Zeugnis der geschichtlichen Offenbarung. Damit ihre Auslegung nicht der Willkür überlassen ist, braucht es die Biblische Theologie, die methodisch und sachgemäß Exegesen der biblischen Texte vornimmt und diese in ihren Entstehungskontext einbettet. Sie bildet einen unabdingbaren Bezugspunkt für die Systematische Theologie, die wiederum die Aufgabe hat, die in der Heiligen Schrift zentralen theologischen Begriffe und Aussagen in den Gesamtzusammenhang des Glaubens einzuordnen und ihre bleibende Bedeutung zu reflektieren.

Anlass des Seminars ist die Beobachtung, dass sich trotz dieser Verwiesenheit aufeinander immer wieder Konflikte im Verhältnis beider Disziplinen zeigen, so etwa im Blick auf die gegenseitigen Erwartungshaltungen. So ist ein Kritikpunkt der biblischen Theologie, die dogmatischen Deutungen seien unsachgemäß und die Systematische Theologie verwende die Heilige Schrift lediglich als Bestätigung von bereits feststehenden Lehren, wodurch die Biblische Theologie zu einer »Hilfswissenschaft« degradiert werde. Auf der anderen Seite wird von systematischer Seite der Biblischen Theologie vorgeworfen, sich zu stark an der Geschichts- und Literaturwissenschaft zu orientieren, wodurch sie Gefahr laufe, ihrem theologischen Anspruch nicht gerecht zu werden.

Doch wo können die gegenseitigen Bezugspunkte der Systematischen Theologie und der Biblischen Theologie sichtbar werden, wie deren interdisziplinäre Arbeit fruchtbar gemacht und wie die Spannungen aufgelöst werden?

Als Diskussionspartner wird Professor Andreas Michel, Professor für Biblische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Universität zu Köln, die Perspektive der Biblischen Theologie einbringen und mit den Teilnehmenden ins Gespräch kommen. Dabei sollen vor allem folgende thematische Schwerpunkte in den Blick genommen werden:

  • Methoden der Forschung an der Schnittstelle von Exegese und Systematischer Theologie,
  • die Frage nach der Inspiration der Heiligen Schrift und einer angemessenen Schrifthermeneutik,
  • die Bedeutung des Alten Testaments für den christlichen Glauben und Konsequenzen für das Verhältnis zum Judentum.

Diese offene Akademietagung ist gleichzeitig das Oberseminar des Lehrstuhls für Fundamentaltheologie der Theologischen Fakultät Paderborn, das gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Systematischen Theologie aus Dortmund veranstaltet wird.

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