Mit der letzten Vorlesung des Sommersemesters zum Thema „Rückkehr in die Seelsorge. Wider die selbstverschuldete Irrelevanz der Kirche“ hat sich Prof. Dr. Herbert Haslinger als Leiter der Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn verabschiedet. Rektor Prof. Dr. Aaron Langenfeld dankte Prof. Haslinger für sein langjähriges Engagement: Er habe die Montagsakademie nicht nur inhaltlich geprägt, sondern sie auch während der Corona-Pandemie erfolgreich in ein digitales Format überführt und damit ihre öffentliche Reichweite gesichert.
Die Montagsakademie: Wissenschaft im Dialog mit der Gesellschaft
Die Montagsakademie ist seit vielen Jahren ein fester Bestandteil des wissenschaftlichen und kulturellen Angebots der Stadt Paderborn und ihrer Umgebung. Im Verlauf eines Wintersemesters beleuchten Fachleute aus Theologie und Kirche sowie aus anderen Disziplinen jeweils montags um 18.00 Uhr in 45-minütigen Vorlesungen mit anschließendem Gespräch Themen von gesellschaftlicher Relevanz. Die Vorträge erscheinen jährlich in einer wissenschaftlichen Publikation.
Im Wintersemester 2025/26 stand die Montagsakademie unter dem Gesamtthema „Wozu noch Kirche? Eine Relevanzprüfung“.
Amtsübernahme 2019 und digitale Neuausrichtung in der Pandemie
Professor Haslinger übernahm die Leitung der Montagsakademie zum Wintersemester 2019/2020 vom damaligen Rektor Prof. Dr. Stefan Kopp, der 2022 an die Ludwig-Maximilians-Universität München berufen wurde. Bereits seine erste Montagsakademie fiel in die Zeit der Corona-Pandemie und wurde vollständig digital durchgeführt.
Unter dem Titel „Wege der Kirche in die Zukunft der Menschen“ verfolgten Zuschauerinnen und Zuschauer die Vorlesungen und anschließenden Gespräche online und beteiligten sich per E-Mail an den Diskussionen. „Mit dem ersten Lockdown mussten wir blitzschnell mit einer komplett digitalen Veranstaltung reagieren“, erinnert sich Prof. Haslinger. Zugleich eröffnete das neue Format internationale Perspektiven: Referentinnen und Referenten aus England oder Israel konnten ohne lange Anreise teilnehmen.
Leitfrage: Welche Bedeutung hat Kirche für die Menschen
Die Frage nach der Relevanz der Kirche für die Menschen bildete den roten Faden der Montagsakademien unter der Leitung von Prof. Haslinger. „Angesichts der Vorgänge, die bei vielen Menschen das Vertrauen in die Kirche zerstört haben, kann es nicht um die reine Bestandssicherung der Kirche gehen“, formulierte er bereits im Einladungsflyer seiner ersten Akademie. Entscheidend sei vielmehr, welchen Beitrag die Kirche zur Bewältigung der Zukunft der Menschen leisten könne.
Denkerinnen und Denker des Glaubens (2021/22)
Auch im Wintersemester 2021/22 blieb die Montagsakademie digital. Unter dem Titel „Denkerinnen und Denker des Glaubens, die uns heute etwas zu sagen haben“ stellte sie Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die den christlichen Glauben auf unterschiedliche Weise reflektiert und geprägt haben. Ziel war es, Menschen zum eigenen Denken des Glaubens zu befähigen und zu ermutigen – als zentraler Auftrag theologischer Arbeit.
Menschenbild und Menschenbildung (2022/23)
Im Wintersemester 2022/23 fand die Montagsakademie erstmals wieder im Wechsel zwischen Präsenz- und Digitalformat statt. Das Thema lautete „Menschenbild und Menschenbildung. Anspruch an die Kirche in der Welt von heute“. Aus verschiedenen Perspektiven wurde der Frage nachgegangen, wie sich das Menschenbild der Gegenwart beschreiben lässt und welche Bildungsaufgaben sich daraus für Kirche und Gesellschaft ergeben.
Prof. Haslinger betonte dabei: „Wenn wir gegenwärtige und zukünftige Herausforderungen bewältigen wollen, müssen Menschen weltweit Bildung erfahren – im doppelten Sinn: Wissen erwerben und sich als Person entwickeln.“ Darin sah er eine zentrale Aufgabe der Kirche, sofern sie noch eine konstruktive Rolle in der heutigen Welt einnehmen wolle.
Rückkehr in den Audimax und neues Erscheinungsbild (2023/24)
Im Wintersemester 2023/24 kehrte die Montagsakademie mit dem Thema „Sakramente als Symbole des Heils“ vollständig in den Audimax zurück. Zugleich wurde das Erscheinungsbild der Veranstaltungsreihe grundlegend überarbeitet. Das neue Signet, das ein menschliches Auge ins Zentrum stellt, steht für Wahrnehmung, Schutz und Aufklärung.
„Leuchtende Farben und das Auge stehen für Licht – das Symbol der Aufklärung“, erläuterte Prof. Haslinger. Ziel der Montagsakademie sei es, Menschen aufzuklären, Wissen zu vermitteln, zum eigenen Denken anzuregen und sie zur Mündigkeit zu befähigen.
Inhaltlich griff das Thema einen bleibenden Bedarf auf: Trotz kirchlicher Krisen und Skandale begehen viele Menschen zentrale Lebensstationen weiterhin im Rahmen sakramentaler Feiern. „Die Kirche verfügt mit den Sakramenten offenbar über einen wertvollen Schatz der Wirklichkeitsdeutung und Lebensorientierung“, so Haslinger.
Zentrales Glaubensthema im Fokus (2024/25)
Im Wintersemester 2024/25 widmete sich die Montagsakademie dem grundlegenden Thema „Jesus Christus – Gott und Mensch“. Im Mittelpunkt stand mit Jesus Christus die zentrale Gestalt des christlichen Glaubens, die Fundament, Inhalt und Maßstab theologischer Reflexion ist. „Wir möchten uns dem Anspruch stellen, wirklich Auskunft darüber geben zu können, was die grundlegendsten Inhalte unseres Glaubens bedeuten“, formulierte Prof. Haslinger.