Akademischer Austausch in Rom

Paderborner Theologen im Dialog mit dem Vatikan und der Wissenschaft. Eine Delegation des Lehrstuhls für Liturgiewissenschaft hat bei einer mehrtägigen Reise nach Rom wichtige Gespräche über die Vernetzung der Wissenschaft geführt und freute sich über eine unerwartete Begegnung.

Im Zentrum des Besuchs von Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Stephan Wahle, seinem wissenschaftlichen Mitarbeiter Sebastian Pietsch M. Ed. sowie Buchautor und Theologiestudent Christian Hümpfner standen ein Treffen mit Kurienkardinal Kurt Koch sowie der Austausch mit führenden deutschen Vertretern in der Ewigen Stadt.

Gespräch mit Kurienkardinal Koch: Ökumene im Fokus

Anlass des einstündigen Gesprächs mit Kurienkardinal Kurt Koch, dem Präfekten des Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen, sowie mit Pater Dr. Augustinus Sander OSB, der seit 2019 am Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen tätig ist, war die Vorstellung der kürzlich im Verlag Herder erschienenen Studie „Gemeinsam lebendig bleiben“ sowie der Austausch über weitere theologische Fragen und mögliche Felder wissenschaftlicher Zusammenarbeit.

Im Gespräch mit dem Kardinal stieß die Paderborner Delegation auf großes Interesse und erhielt zugleich kritisch-konstruktive Impulse im Hinblick auf die wissenschaftliche Weiterführung der Studie. Künftig soll das Erleben von Gottesdiensten sowie die Bedeutung von Gemeinschaft im Kontext von Liturgia (Gottesdienst), Diakonia (Dienst am Nächsten) und Martyria (Zeugnis des Glaubens) auf bundesweiter Ebene erforscht werden. Als eine zentrale Herausforderung benannte der Kardinal dabei die immense Bandbreite evangelischer Traditionen, insbesondere freikirchlicher Gemeinschaften. Eine katholisch-freikirchliche Studie könne nicht auf einem einfachen Vergleich basieren, sondern müsse sich um eine differenzierte Betrachtung der jeweiligen spezifischen Freikirchen bemühen. Grundsätzlich zeigte sich der Kardinal jedoch optimistisch und sicherte die ideelle Unterstützung seines Dikasteriums zu.

Vernetzung an historischen Orten

Rund um das Treffen mit dem Kardinal ergaben sich weitere bedeutsame Begegnungen. Auf dem Campo Santo Teutonico führte dessen Rektor, Prälat Peter Klasvogt, die Delegation durch das Areal. Ein besonderes Highlight war die Besichtigung des neu aufgestellten Triegel-Altars in der Kirche des Campo Santo. Prälat Klasvogt erläuterte den Weg des Kunstwerks von Naumburg nach Rom, wo es nun eine „kongeniale Einheit“ mit dem Altar der Schmerzensmutter Maria bildet.

Bei diesem Austausch war auch Jun.-Prof. Dr. Matthias Daufratshofer, Professor für Kirchengeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Bistumsgeschichte an der Fakultät, mit von der Partie. Er führt zurzeit in Rom Forschungen zu Paderborner Akten im Apostolischen Archiv des Vatikans durch. Anschließend besuchte die Gruppe die Görres-Gesellschaft, wo sie von deren Leiter, Professor Dr. Stefan Heidt, empfangen wurde. Sowohl mit Prälat Klasvogt als auch mit Professor Heidt wurden mögliche zukünftige Kooperationen und die Vernetzung der wissenschaftlichen Zentren besprochen.

Theologie trifft auf Medien und Gesellschaft

Die Reise fand auch medialen Anklang. Bei Radio Vatikan gaben Christian Hümpfner und Prof. Dr. Stephan Wahle ein Interview, indem sie die Inhalte der Studie und ihre Hintergründe erläuterten.

 

Zu diesem Interview gelangen Sie hier.

 

Eine zufällige Begegnung auf der Terrasse des Senders führte zu einem kurzen Austausch mit dem Arzt und Wissenschaftsjournalisten Dr. Eckart von Hirschhausen. Dieser war nach einem Gespräch mit dem Papst bei der Generalaudienz ebenfalls zu Gast. Hirschhausen, der sich intensiv für Klima- und Umweltschutz im Sinne der Enzyklika „Laudato si“ von Papst Franziskus einsetzt, betonte das Potenzial einer Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Kunst, Religion und Öffentlichkeit zur Bewältigung globaler Herausforderungen.

Fazit: Impulse für die Zukunft

Die Reise der Paderborner Theologen nach Rom hat nicht nur eine wichtige theologische Studie im Herzen der katholischen Kirche vorgestellt, sondern auch neue Wege für die wissenschaftliche Zusammenarbeit und den gesellschaftlichen Dialog geebnet. Die geführten Gespräche lassen auf eine vertiefte Auseinandersetzung mit der gelebten Praxis des Glaubens hoffen und zeigen, wie der Austausch zwischen verschiedenen Disziplinen fruchtbare Impulse für die Zukunft der Kirche setzen kann. Die vielfältigen Eindrücke und Kontakte werden die Arbeit des Lehrstuhls in den kommenden Monaten weiter prägen.

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