Jahrhundertelang hat das Christentum als dominierende Religion das Judentum und die Juden fast ausschließlich in abwertenden und z.T. sogar diffamierenden Bildern und Symbolen dargestellt. Die Bildsprache wurde benutzt, um die Überlegenheit des Christentums zu demonstrieren. Am bekanntesten ist sicher die Darstellung der ecclesia (Kirche) und der synagoga als Frauenpaar an mittelalterlichen Kirchenportalen (z.B. am Straßburger Dom): Der ecclesia als triumphierender Herrscherin steht die synagoga als besiegte Frau gegenüber, deren selbstverschuldete Blindheit zusätzlich durch eine Augenbinde symbolisiert wird.
Nach Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Massenmord an den europäischen Juden begann in den christlichen Kirchen ein Umdenken in Bezug auf das Judentum und damit auch eine kritische Auseinandersetzung mit der eigenen abwertenden Bildtradition. Die Botschaft lautet jetzt: Anerkennung der Gleichwertigkeit beider Religionen und der Wille zu einem Gespräch auf Augenhöhe und zu wechselseitigem Lernen. Mittlerweile geht es nicht nur um Kritik an der eigenen Geschichte, sondern mehr noch: Künstlerinnen und Künstler suchen danach, wie sie das erneuerte Verhältnis von Judentum und Christentum ästhetisch umsetzen können.
Prof. Dr. Christian M. Rutishauser SJ thematisiert in seinem Vortrag den Wandel der Bildsprache in der christlich-jüdischen Beziehung bis hin zum Internationalen Kunstwettbewerb am Kölner Dom 2025. Anhand der dort gezeigten künstlerischen Entwürfe fragt er nach der ästhetischen Gestaltung der jüdisch-christlichen Beziehung und damit nach der Entwicklung einer neuen Bildsprache, die auf Begegnung und Respekt basiert.
Pater Christian M. Rutishauser SJ ist Professor für Judaistik und Theologie an der Theologischen Fakultät der Universität Luzern. 2026 wurde er mit der Buber-Rosenzweig-Medaille ausgezeichnet.
Die Veranstaltung wird organisiert und durchgeführt von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit Paderborn e.V.