Die Veröffentlichung dokumentiert eine Vorlesungsreihe an der Ruhr-Universität Bochum und in der Evangelischen Stadtakademie Bochum im Wintersemester 2024/25. Sie war integriert in eine Lehrveranstaltung zum Thema: „Caritas und Diakonie als neuer Markenkern der Kirchen?“ Während die Mitgliederzahlen der beiden großen Kirchen sinken, nimmt die Zahl der Mitarbeitenden bei Caritas und Diakonie nach wie vor zu. Hinzu kommt ein deutlich höherer Vertrauensvorschuss der Wohlfahrtsverbände in der Öffentlichkeit, so dass sich eine Neujustierung des Verhältnisses von Diakonie und Caritas einerseits und den beiden Kirchen andererseits aufdrängt. Zugleich galt es, an das 100-jährige Jubiläum der 1924 gegründeten „Liga der Freien Wohlfahrtspflege“ als Dachverband der Spitzenverbände – heute Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege – zu erinnern. Dabei nahmen die kirchlichen Wohlfahrtsverbände seinerzeit eine dominierende Rolle ein und nehmen diese noch heute wahr. In diesem Sinne werden in den Beiträgen, die die Publikation enthält, die historischen Wurzeln des deutschen Wohlfahrtssystems skizziert, um seine heutige Struktur angemessen einordnen zu können. Vor allem aber werden aktuelle Herausforderungen für Caritas und Diakonie benannt und Perspektiven aufgezeigt, darauf adäquat zu reagieren. Die Beiträge dieser Publikation zeigen exemplarisch, welche neuen Aufgaben sich für Diakonie und Caritas stellen. Dies gilt vor dem Hintergrund der wohlfahrtsstaatlichen Veränderungen der letzten Jahrzehnte und im Blick auf eine von zunehmenden Polarisierungen und Spaltungstendenzen geprägte Gesellschaft. Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände haben den Auftrag, im Verbund mit den anderen Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege wesentlich zu einer von Solidarität und Gemeinwohlverantwortung bestimmten Sozialkultur unserer Gesellschaft beizutragen. Damit leisten sie nicht nur den von Notlagen betroffenen Menschen unverzichtbare Dienste, sondern tragen wesentlich zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Sie sind im Blick auf die Öffentlichkeitsrelevanz des Christentums in unserer Gesellschaft zu einem unerlässlichen Markenkern der Kirchen geworden.
Die Veröffentlichung enthält Beiträge von Tabea Esch, Karl Gabriel, Jonas Hagedorn, Traugott Jähnichen und Rüdiger Schuch.
Zum Inhalt:
- Jonas Hagedorn und Traugott Jähnichen: Einleitung
- Rüdiger Schuch: Nie wieder ist jetzt! Erinnerungskultur als Kompass diakonischer Haltung und Praxis
- Karl Gabriel: Die duale Wohlfahrtspflege in Deutschland: Ursprünge, Entwicklungen und Zukunftsperspektiven
- Traugott Jähnichen: Zwischen Tradition und Selbstmodernisierung – Neuprofilierungen von Diakonie und Caritas im Spannungsfeld von Fremd- und Selbstnormierungen
- Jonas Hagedorn: Caritas und Diakonie zwischen sozialkirchlicher Zuschreibung und sozialstaatlicher Inanspruchnahme
- Tabea Esch: Diakonie als Kirche – Kirche als Diakonie?
- Rüdiger Schuch: Haltung zeigen. Diakonie zwischen Zuspruch und Widerspruch
Die Veröffentlichung kann u.a. über den CGL-Lehrstuhl und die Evangelische Stadtakademie Bochum bezogen werden. Bitte wenden Sie sich bei Interesse an Frau Sonja Leichtweiß: s.leichtweiss@thf-paderborn.de