Das neue Lehrbuch „Einführung in die Pastoraltheologie“ ist in der Reihe „Grundwissen Theologie“ im Verlag Brill/Schöningh erschienen. Das Werk richtet sich an alle, die sich die Grundlagen dieses Fachgebietes erarbeiten oder diese auffrischen wollen, und vermittelt das theologische Handwerkszeug für sämtliche praktischen Handlungsfelder der Kirche.
Die Lebenswirklichkeit als theologische Erkenntnisquelle
Im Zentrum der Neuausrichtung steht die Abkehr von einer reinen Anwendungswissenschaft hin zu einer erfahrungsbasierten Wirklichkeitswissenschaft. Haslinger betont, dass die Pastoraltheologie eine eigene, spezifische Erkenntnisquelle besitzt, die zwar die klassischen Textquellen anderer theologischer Fächer keineswegs in Frage stellt, sich von diesen aber grundlegend unterscheidet. Dazu äußert sich der Autor im Werk deutlich: „Diese eigentümliche Quelle der Pastoraltheologie ist die Lebenswirklichkeit der Menschen“. Es geht dabei um das ganz normale, alltägliche Leben, aus dessen Erfahrungen, Freuden und Leiden sich die entscheidenden theologischen Fragestellungen ergeben.
Ein neues Offenbarungsverständnis und historische Korrekturen
Diese methodische Neuausrichtung wird im Buch auch dogmatisch untermauert. Haslinger verweist auf das Zweite Vatikanische Konzil, das Offenbarung nicht mehr als hierarchische Belehrung von oben, sondern als partnerschaftliche Beziehung zwischen Gott und Mensch definierte. Folglich müsse die Theologie dort ansetzen, wo Menschen ihre Wirklichkeit leben. Darüber hinaus korrigiert das Werk die historische Standarderzählung, wonach die Pastoraltheologie erst im späten 18. Jahrhundert unter Kaiserin Maria Theresia entstanden sei. Haslinger zeigt auf, dass die Wurzeln des Faches weit über diese staatliche Institutionalisierung hinausreichen und bis zu den neutestamentlichen Anfängen zurückverfolgt werden können.
Die Herausforderung der ungeschriebenen Quelle
Die größte methodische Hürde der Disziplin wird im Buch offen angesprochen und zugleich als produktive Triebkraft verstanden. Im Gegensatz zu anderen theologischen Fächern, die auf feste Textkorpora zurückgreifen können, lässt sich die menschliche Existenz nicht einfach aufschlagen. Haslinger formuliert diese Herausforderung prägnant: „Ein entscheidender Nachteil dabei ist, diese Lebenswirklichkeit gibt es nicht als Buch. Das kann man nicht zitieren“. Dies erfordere von den Theologinnen und Theologen, die Nähe zum alltäglichen Leben zu suchen und die dort gewonnenen Erkenntnisse reflektiert in den wissenschaftlichen Diskurs einzubringen.