Professorin Pilarski, seit Januar 2026 o. ö. Professorin für Kirchengeschichte und Patrologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, setzte sich mit einer kulturtheoretischen Position auseinander, die Übersetzung als Schlüsselkategorie gesellschaftlichen Handelns begreift. In der Gegenwart wie in der Vergangenheit werden Wertvorstellungen, Orientierungen, Denkmuster und soziale Praktiken zwischen unterschiedlichen Kontexten, Gruppen und Akteuren übersetzt. Dabei erfahren die Gegenstände der Übersetzung auch tiefgreifende Transformationen. Dies verdeutlicht sie am Beispiel der Übersetzungsgeschichte des Kreuzessymboles, das als sperriges und widerständiges Symbol in der religiösen Umwelt spätantiker Christ:innen anschlussfähig gemacht werden musste – und dabei teils Relativierungen, teils Politisierungen und Polemisierungen, aber immer auch Wiederentdeckungen seines subversiven Potentials erfuhr. „Die Übersetzungsgeschichte des Kreuzes ist bis heute weder vollständig noch abgeschlossen. Sie verlief auch nie linear: Sinnpotentiale gingen verloren oder traten gegenüber anderen Sinnspitzen in den Hintergrund, konnten aber auch in verschiedenen Kontexten wiederentdeckt und neu zur Geltung gebracht werden.“
„Lost and Found in Translation“
"Miniaturen zum Problem der Übersetzung in der Kirchengeschichte“ war der Titel der Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Annemarie Pilarski im Rahmen der Akademischen Jahresfeier.
Prof. Dr. Annemarie Pilarski, Lehrstuhlinhaberin für Kirchengeschichte und Patrologie an der Fakultät, hielt ihre Antrittsvorlesung | Foto: Besim Mazhiqi ThF-PB