Professor Haslinger Mitorganisator und Referent der Fachtagung „Ist die Kirche noch zu retten?“

Die Tagung der Katholischen Akademie in Bayern befasst sich mit Anamnesen, Diagnosen und Therapien des „Patienten“ Kirche.

Am 3. und 4. März versammelten sich in München Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Fachperspektiven, um in einem interdisziplinären Diskurs über die derzeitige Lage der katholischen Kirche zu sprechen. Kooperationspartner der Katholischen Akademie in Bayern waren der Lehrstuhl für Pastoraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Haslinger und der Lehrstuhl für Liturgiewissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München unter Leitung von Prof. Dr. Stefan Kopp.

Die Frage „Ist die Kirche noch zu retten?“ beinhaltet bewusst eine Doppeldeutigkeit. Sie ist Ausdruck des fatalistischen Staunens darüber, wie die institutionelle Kirche in ihre derzeit desolate Verfassung mit gravierenden Missständen und verstörenden Verhaltensweisen geraten konnte. Sie ist aber auch Ausdruck des Anliegens, Strukturen, Praktiken und Lehrinhalte der Kirche so zu gestalten, dass diese auch in Zukunft ihrer Bestimmung gerecht werden können.

In Anlehnung an die Medizin befasste sich die Tagung mit Anamnesen, Diagnosen und Therapien des „Patienten“ Kirche. Der Pastoraltheologe Prof. Dr. Herbert Haslinger möchte die Mahnung des Jesuiten Alfred Delp zur „Rückkehr in die Diakonie“ im Sinne Delps als eine Mahnung zur Rückkehr in Seelsorge und Diakonie erweitert sehen. Seelsorge sei die Sorge um das Mensch-Sein des Menschen. Durch die Einführung einer ideologischen Gemeinde-Idee und pastoraler Großstrukturen sowie den Unwillen vieler Angehöriger pastoraler Berufe zu unmittelbarer Tätigkeit in Seelsorge und Diakonie habe sich die Kirche von Seelsorge und Diakonie abgewandt. Professor Haslinger hält die Rückkehr der Kirche in Seelsorge und Diakonie aber für zwingend notwendig, weil die Identität pastoraler Berufe in Seelsorge und Diakonie besteht, es die Verantwortung gegenüber den betroffenen Menschen gebietet und es die Verpflichtung der Kirche gegenüber der Gesellschaft ist.

Die Kölner Schriftstellerin Husch Josten sieht die „Kirche in der Agonie“ und attestiert ihr „Angst vor dem, dem sie sich eigentlich zuwenden sollte“. Kirche müsse als Glaubensheimat, als eine Art „wärmendes Lagerfeuer“ und als die große „Erzählerin“ fungieren, wobei die Verlässlichkeit ihrer Erzähler wichtig sei für ihre Überzeugungskraft.

Für den Soziologen Prof. Dr. Heinz Bude wird die Kirche „von endlichen Menschen für ihre unendlichen Fragen“ gebraucht. Er erteilte dem allgemeinen Priestertum eine Absage und forderte für die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle die bürgerliche Rechtsprechung auch in der Kirche, die Trennung von geistlich-pastoralen und sozial-caritativen Diensten sowie mehr Diakone und Diakoninnen.

 

Prof. Dr. Hans-Joachim Höhns Therapieoption besteht in einer nachholenden Modernisierung, denn wenn die Kirche sich nicht modernisiere, fände sie in der Moderne keinen Platz mehr. Für den katholischen Theologen und Religionsphilosophen muss sich die Kirche heute durch Pluralitätsfähigkeit, Freiheit und Toleranz, Partizipation des Volkes als Souverän, die Anerkennung der Autonomie der säkularen Wissenschaften und die Anschlussfähigkeit des Glaubens an die Werte, die die säkulare Welt aus sich heraus generiert, auszeichnen. Der Synodale Weg sei ein Rettungsversuch, der zu spät kommt, und als Versuch der Demokratisierung und Machtkontrolle angesichts der bestehenden Strukturen zum Scheitern verurteilt.

Die Tagung wird demnächst in der Zeitschrift „zur debatte“ der Katholischen Akademie in Bayern veröffentlicht. Weitere Informationen gibt es hier.

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