Systematische Philosophie
1. Vorlesung – Antike Philosophie (Modul 5b) / Ancient Philosophy
- Mi., 09:15 – 10:45 Uhr
- Beginn: 14.10.2026
- Ort: Hörsaal 2
- Prof. DDr. Andreas Koritensky
Die Vorlesung führt in die antike Philosophie anhand ihrer beiden wichtigsten Vertreter ein, Platon und Aristoteles. Die Infragestellung der überlieferten Wertvorstellung und Weltauffassung im Athen der klassischen Periode erzwingt ein Nachdenken darüber, was verlässliche Erkenntnis ermöglicht. Platon entwickelt mit seiner Ideenlehre den kühnen Entwurf einer rationalen Ordnung der Wirklichkeit, die zugleich die Frage nach dem guten Leben beantworten soll. Sein Schüler Aristoteles führt diesen Ansatz kritisch weiter und entwickelt die Metaphysik als Rahmensprache, die die unterschiedlichen terminologischen Systeme der menschlichen Wissens- und Lebensbereiche systematisieren und zusammenfassen soll. Aus diesem Weltverständnis entwickelt Aristoteles sein Ideal der Lebensform des freien Bürgers in der „Nikomachischen Ethik“.
Literatur:
- Friedo Ricken, Philosophie der Antike, Stuttgart 4. Aufl. 2007.
- Platon, Der Staat, übers. von Gernot Krapinger, Stuttgart 2017.
- Aristoteles, Metaphysik, übers. von Hermann Bonitz, Reinbek 1994.
- Aristoteles, Nikomachische Ethik, übers. Ursula Wolf, Hamburg 2006.
2. Vorlesung – Philosophie im Mittelalter (Modul 5c) / Ancient Philosophy
- Mo., 11:15 – 12:45 Uhr
- Beginn: 19.10.2026
- Ort: Hörsaal 2
- Prof. DDr. Andreas Koritensky
Seit der Spätantike bewegt sich die Philosophie im Horizont starker religiöser Traditionen. Eines der zentralen Anliegen für die Denker des Mittelalters war die Suche nach einer Balance und der Vereinbarkeit zwischen der philosophischen und der religiösen Weltsicht. Die Beziehung zwischen Glaube und Vernunft auf eine Weise bestimmt werden, die beide Felder in ihrem Recht belässt und Konflikte vermeidet. Wie diese Diskussion bei den mittelalterlichen Denkern von Judentum, Christentum und Islam geführt wurde – mit je unterschiedlichen Ergebnissen – soll im Mittelpunkt dieser Vorlesung stehen.
Literatur:
- W. L. Gombocz, Die Philosophie der ausgehenden Antike und des frühen Mittelalters (Geschichte der Philosophie IV), München 1997.
- Th. Kobusch, Die Philosophie des Hoch- und Spätmittelalters (Geschichte der Philosophie V), München 2011.#
3. Seminar – Rivalisierende Wertvorstellungen und konkurrierende Rationalitäten. Alasdair MacIntyre und die Geschichte der Ethik (Modul 15a/23d) / Rival Justices, Competing Rationalities. Alasdair MacIntyre and the History of Ethics
- Di., 14:15 – 15:45 Uhr
- Beginn: 13.10.2026
- Ort: Hörsaal 1
- Prof. DDr. Andreas Koritensky
Der Anspruch der Ethik ist es, die Gültigkeit von Normen aufzuzeigen und rational zu begründen. Wir stehen aber zugleich vor dem Problem, dass sich die Geschichte der Ethik die Abfolge einer Vielzahl von Wertmodellen und Rationalitätskonzepten präsentiert, die nicht miteinander kompatibel sind. Es wird zunehmend schwieriger, die Geschichte der Ethik als Fortschrittsprozess zu lesen, in dem ältere Modelle durch neuere und bessere abgelöst werden. Wie geht man mit diesem Phänomen um? Die geschichtliche Dimension der Ethik ist ein Thema, das eher selten in den Blick genommen wird. Eine Ausnahme ist Alasdair MacIntyre, der mit dieser Frage immer wieder gerungen hat. Dieses Seminar soll ersten einen Überblick über wichtige Stationen der Geschichte der Ethik bieten und zweitens MacIntyres Lösung des Problems der Entwicklungsgeschichte der Ethik untersuchen.
Die Lehrveranstaltung ist ein Seminar (und keine Vorlesung), das sich der gemeinsamen Erarbeitung einer Fragestellung widmet. Daher ist eine durchgehende Teilnahme für einen Abschluss erforderlich.
Literatur:
- MacIntyre, Alasdair: A Short History of Ethics, London/New York 21998: Routledge, dt.: Geschichte der Ethik im Überblick, Frankfurt 21991: Hain.
- MacIntyre, Alasdair: After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame 32007: University of Notre Dame Press. dt.: Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart, Frankfurt 1995: Suhrkamp.
- MacIntyre, Alasdair: Whose Justice? Which Rationality?, Notre Dame 1988: University of Notre Dame Press.
- MacIntyre, Alasdair: Three Rival Versions of Moral Enquiry. Encyclopedia, Genealogy, and Tradition, Nortre Dame 1990: University of Notre Dame Press.
- MacIntyre, Alasdair: Ethics in the Conflicts of Modernity. An Essay on Desire, Practical Reasoning, and Narrative, Cambridge 2016: Cambridge University Press.
4. Lektüre – „Der Spiegel des Glaubens“. Wilhelm von St. Thierrys Deutung des Glaubens / „The Mirror of Faith“. Williams of St. Thierry‘s analysis of Christian faith
- Mo., 14:30 – 15:30 Uhr
- Beginn: 19.10.2026
- Ort: Hörsaal 2
- Prof. DDr. Andreas Koritensky
Wilhelm von St. Thierry (1075-1148) gehört zur ersten Generation von Menschen, die in der zisterziensischen Gemeinschaft ihre Heimat gefunden haben. In der Zeit der Entstehung des scholastisch-rationalen Denkens versuchen die frühen Zisterzienser, über die Entfaltung eines neuen Typs von Spiritualität eine andere Form von „Theologie“ entgegenzusetzen. Das ist auch die Zielsetzung von Wilhelms kleine Schrift „Speculum fidei“, die lange Bernhard von Clairvaux zugeschrieben wurde.
Der Lektürekurs soll zur eigenen Klärung des Begriffs des Glaubens beitragen.
Literatur:
- Wilhelm von St. Thierry: Der Spiegel des Glaubens, übers. von Hans U. Balthasar, Einsiedeln 1981: Johannes Verlag.