Die Soziologin Brigitte Aulenbacher (Linz), der Soziologe Klaus Wegleitner (Graz) und die Sozialethiker Jonas Hagedorn (Paderborn) und Bernhard Emunds (Frankfurt/Main) haben einen Artikel in „Social Inclusion“ veröffentlicht – unter dem Titel: „In Times of the Market and Community Shift: On Live‐In Care and Caring Communities“. Der Artikel beleuchtet die Verschiebungen gesellschaftlicher Verantwortung zur Sicherung der Altenpflege in europäischen Ländern.
Der Beitrag ist Teil einer umfangreichen – von Ewa Palenga-Möllenbeck, Dora Gabriel, Olena Fedyuk und Kristine Krause initiierten – Veröffentlichung, die den Titel: „Transnational Organization of Labour, Mobility, and Senior Care in Central and Eastern Europe“, trägt.
Unter dem Einfluss des Neoliberalismus steht die Altenpflege vor einem spezifischen Wandel, dem sowohl Prozesse marktlicher Kommodifizierung als auch Prozesse quartiersnaher Vergemeinschaftung zugrunde liegen. Dabei lassen sich Verschiebungen in der sozialstaatlichen und gesellschaftlichen Verantwortungsübernahme beobachten. Wer kommt für die Altenpflege auf? Welche Ebenen werden adressiert? Wer wird – angesichts auferlegter Sparzwänge – für die Erfüllung welcher Aufgaben verantwortlich gemacht? Wie verändert sich die Organisation der Pflegearbeit? Wie wird die Bereitstellung der Pflege von Staat, Markt, Familie und Gemeinschaften beeinflusst?
Der Artikel reflektiert Forschungsergebnisse und interpretiert sie neu. Dabei beleuchtet er wichtige Trends im Bereich Pflege und Pflegearbeit, wie deren transnationale und lokale Kommerzialisierung und Vergemeinschaftung im Neoliberalismus und deren Auswirkungen auf die Anforderungen an Pflege, Arbeit und Wohnen. In diesem Kontext werden Forschungsergebnisse zur sogenannten „24-Stunden-Pflege“, die von Migrantinnen als Live-in-Kräften in europäischen Privathaushalten geleistet wird, und zu quartiersnahen Versorgungs- und Pflegegemeinschaften (caring communities) in Österreich und Deutschland als paradigmatische Beispiele für Verlagerungen hin zu marktorientierter Pflege und zum Bedeutungszuwachs von caring communities angeführt. Der Artikel zeigt, wie diese Formen der Pflegeversorgung und -organisation einen neuen Zusammenhang von Leben, Pflege, Arbeit und Wohnen schaffen, der mit berechtigten Forderungen nach angemessener Pflege, Arbeit und Wohnraum in Konflikt gerät.
Der Artikel steht Ihnen HIER zum Download zur Verfügung.