Fünfter Vortrag der Montagsakademie: Walter Euler spricht über Nikolaus von Kues

„Una religio in rituum varietate“ – Eine berühmte Formel und ihre Bedeutung für die Gegenwart

Die auch in diesem Wintersemester digitale Montagsakademie der Theologischen Fakultät Paderborn unter Leitung von Prof. Dr. Herbert Haslinger stellt „Denkerinnen und Denker, die uns heute etwas zu sagen haben“ in den Mittelpunkt. In der fünften online-Vorlesung am 22. November 2021 um 18 Uhr spricht Prof. Dr. Walter A. Euler, Inhaber des Lehrstuhls für Fundamentaltheologie und Ökumenische Theologie an der Theologischen Fakultät Trier und von 2007 bis 2016 Direktor des Instituts für Cusanus-Forschung, über Nikolaus von Kues.

Eine faszinierende Gestalt begegnet uns mit Nikolaus von Kues an der Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit bzw. im Jahrhundert der Renaissance. Der Mann aus dem heutigen bekannten Weinort an der Mosel war einer der letzten klassischen Universalgelehrten. Theologie und Philosophie bildeten seine angestammten Fachgebiete. Aber er beschäftigte sich ebenso mit Naturwissenschaften, Mathematik oder der Lehre vom Recht. Zugleich war er ein loyaler Mann der Kirche. Ihr diente er als Kirchendiplomat, der maßgeblich zur Überwindung der Kirchenspaltung des Baseler Konzils beitrug, als Bischof von Brixen und schließlich als Kardinal. Wie sehr er als Denker des Glaubens zu gelten hat, der uns auch heute noch etwas zu sagen hat, zeigt beispielhaft sein Gedanke der „coincidentia oppositorum“, des Zusammenfallens der Gegensätze. Er veranschaulicht diesen am Beispiel der geometrischen Figuren Kreislinie und Gerade, die an sich Gegensätze bilden, die aber, wenn man sich den Kreis immer größer denkt, in der unerreichbaren Unendlichkeit zusammenfallen. Nikolaus von Kues zeigte damit die Möglichkeit auf, dass der Mensch mit seinem endlichen Vorstellungsvermögen über den Unendlichen nachdenken kann, ohne seine Unendlichkeit zu negieren.

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