Gerechtigkeitsdefizite in der Pflegearbeit

In Deutschland sind politische Debatten zur Gewährleistung einer angemessenen pflegerischen Versorgung der alternden Bevölkerung erneut angelaufen. Das Bundesministerium für Gesundheit warnt vor einem Kollaps des Pflegesystems.

Dabei geht es nicht nur um Fragen der Finanzierung der Pflege im Rahmen der Pflegeversicherung, sondern auch um die personellen Ressourcen und die Organisation der Pflegearbeit.

Pflegearbeit zählt zu den gesellschaftlich notwendigen Arbeiten, deren temporärer Ausfall sofort Substitutionsbedarf auslöst. Irgendjemand muss die Pflege übernehmen, wenn die pflegebedürftigen Menschen und das normative Selbstverständnis der Gesellschaft nicht schweren Schaden nehmen sollen. Zum weit überwiegenden Teil wird Pflegearbeit in Deutschland unentgeltlich geleistet, vor allem im Rahmen der Angehörigenpflege.

In ihrem kürzlich erschienenen Artikel zu „Gerechtigkeitsdefiziten in der Pflegeerwerbsarbeit“ fokussieren Bernhard Emunds (Frankfurt/Main) und Jonas Hagedorn (Paderborn) die Arbeitsbedingungen der erwerbsmäßig Pflegenden im deutschen Pflegesystem. Dabei rekurrieren sie sowohl auf die formelle als auch auf die informelle Pflegeerwerbsarbeit.

Unter Bezugnahme auf Amartya Sens Capabilities-Ansatz werden ethische Perspektiven entwickelt, die normative Maßstäbe bereitstellen, anhand derer bestimmte Aspekte der gesellschaftlichen Organisation von Pflegeerwerbsarbeit oder soziale Ungleichheiten zwischen Pflegekräften und anderen Berufsgruppen als Gerechtigkeitsprobleme erfasst und bewertet werden.

In einem ursachenanalytischen Teil, der einerseits soziologisch und andererseits ökonomisch ausgerichtet ist, arbeiten die Autoren zudem heraus, warum Pflege(erwerbs)arbeit gesellschaftlich abgewertet wurde und bis heute einem enormen Kostendruck ausgesetzt ist.

Der Artikel ist als Preprint erschienen. Er steht Ihnen HIER zum Download zur Verfügung.

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