„Jakobs Weg“ Eine tiefgründige Reise durch Glaube und Geschichte in Paderborn

Der junge Paderborner Schauspieler Matti J. Glöckner präsentierte im Hörsaal 2 der Theologischen Fakultät Paderborn den Monolog "Jakobs Weg. Vom Fegefeuer in Hardehausen".

Das Stück, das die Geschichte der Zisterzienser in Hardehausen lebendig werden lässt, begeisterte bereits über 500 Zuschauer im Kloster Hardehausen und fand nun auch in Paderborn großen Anklang. Die Produktion ist eine Veranstaltung der Bürgerbühne Warburg unter dem Dach des Kulturforums Warburg e.V. und wurde durch die kleine Kulturförderung des Kreises Höxter sowie das Programm Heimatscheck gefördert.

Der rund 80-minütige Monolog, inszeniert von Stephan Rumphorst und getragen von Matti J. Glöckner als Mitglied der Warburger Bürgerbühne, entführte das Publikum in das Zeitalter des Barocks. Es erzählt die Geschichte des jungen Novizen Jakob, der zwischen seiner Liebe zum Bauernmädchen Maria und einer klösterlichen Karriere schwankt. Historische Persönlichkeiten wie der Baumeister Johann Conrad Schlaun und Abt Stefan Overgaer werden dabei mit fiktiven Elementen verwoben, um die Zisterziensergeschichte auf unterhaltsame Weise zu vermitteln. Gleichzeitig stellt Jakob grundlegende Fragen nach dem Glauben, der Existenz Gottes und dem Sinn des Lebens.

Das Stück zeichnete sich durch eine klare Sprache aus, die es dem Publikum ermöglichte, die Geschichte der Zisterzienser, des Klosters und insbesondere die persönliche Geschichte des jungen Jakob lebendig nachzuvollziehen. Die Kombination aus dem prägnanten Text von Regisseur Stephan Rumphorst und dem ausdrucksstarken Spiel von Matti J. Glöckner schuf ein fesselndes Erlebnis, das die historischen und menschlichen Dimensionen des Themas eindringlich vermittelte und dabei sowohl unterhält als auch zum Nachdenken anregt.

Matti J. Glöckner gelang es, die Zuschauerinnen und Zuschauer durch Jakobs innere Konflikte direkt anzusprechen. Er stellte Fragen wie: „Was ist Glauben?“, „Wie weiß man, was richtig ist?“, „Woher weiß ich, was Gott von mir will?“ oder „Darf ich als dankbarer Teil eines großen Ganzen wie dem Orden und dem Kloster eigene Wünsche haben oder muss ich dem Wunsch des Abtes folgen, der mich für begabt, klug und für den Orden sehr nützlich empfindet?“ Auch die Frage, ob man das Leben auskosten oder verschmähen soll, wurde eindringlich thematisiert.

Hintergründe der künstlerischen Zusammenarbeit und des Stücks

Autor und Regisseur Stephan Rumphorst und der junge Schauspieler Matti J. Glöckner lernten sich an der Freilichtbühne Bökendorf bei Brakel kennen, wo Rumphorst seit drei Jahren inszeniert. Matti hatte zuvor an der Freilichtbühne Porta gespielt und setzte seine Theaterarbeit nach seinem Umzug nach Paderborn an der hiesigen Freilichtbühne Schloß Neuhaus fort. Ihre erste gemeinsame Arbeit war der Bürgerbühnen-Kinofilm „Romeo und Julia, Warburg wird Verona“.

Der Monolog selbst entstand während der Coronazeit, als der Regisseur ein Stipendium nutzte, um das Stück zu schreiben. Matti J. Klöckner wurde von Stephan Rumphorst aufgrund seines musikalischen Gespürs und seines familiären Hintergrunds – sein Vater ist evangelischer Pastor – früh als Idealbesetzung identifiziert. „Durch Matti J. Klöckners familiäre Nähe zum kirchlichen Alltag kann er das Thema Glaube authentisch und frei von Klischees vermitteln, was der Figur Natürlichkeit verleiht“, sagt Regisseur Rumphorst. Nach etwa drei bis vier Monaten Proben, die Ende Januar begannen, feierte das Stück Ende März Premiere.

Der Ort als Mitspieler: Zisterzienserkloster, Kreuzgang und mobile Bühne

Das Stück ist im Kreuzgang des ehemaligen Zisterzienserklosters Hardehausen verortet. Der Regisseur leistete dort Zivildienst und nutzte den Kreuzgang später in der Jugendarbeit als meditativen Ort, wobei die vielfältigen Ornamente des Klosters seine Wahrnehmung prägten.  Zisterzienserklöster sind aufgrund der thematischen Bezüge zu Bauprinzipien und Ausrichtung besonders geeignete Aufführungsorte, eine Tour durch weitere Klöster ist angedacht. Das Stück ist aber ortsunabhängig spielbar, was die Aufführung in einem Warburger Seniorenheim oder im Hörsaal der Fakultät beweist. „Während der Text anfangs stark an feste Wege im Kreuzgang gebunden war, ist er heute „im Körper“, wodurch ich in neuen Räumen frei improvisieren kann, ohne dass der Textfluss leidet“, so Matti J. Klöckner. Jede Aufführung gewinne dadurch Eigencharakter.

Der Schauspieler: Von der Kinderrolle zur Bühnennatur

Matti J. Glöckner absolvierte 2023 sein Abitur am Paderborner Theodorianum und wirkte an seiner Schule bereits in Produktionen wie „Die Kinder der Toten Stadt“ mit. „Seine frühe Erfahrung in Kinderrollen, beispielsweise als Mogli im „Dschungelbuch“, hat ihm eine bemerkenswerte physische Präsenz verliehen, die Räume „hält“, so der Regisseur Stephan Rumphorst. Zurzeit bewirbt sich der junge Schauspieler an Schauspielschulen.

Regiehandschrift: Zwischen Pädagogik, Zeitgeschichte und Oper

Regisseur Stephan Rumphorst studierte in den 1990er-Jahren Soziale Arbeit an der Katholischen Hochschule Paderborn und absolvierte seine Schauspielausbildungen in Berlin und Los Angeles. Seither ist er als Schauspieler und Regisseur tätig, häufig an der Schnittstelle von sozialer Arbeit und Ästhetik. Seine Arbeiten umfassen NS-Geschichte, Erinnerungskultur und aktuelle Phänomene wie Cybermobbing, wofür er mit Projekten wie „Aufgefangen im Netz“ durch Schulen tourte. Zuletzt inszenierte er an der Oper Dortmund eine Jugendoper über den Zoo gegenüber von Auschwitz („Was das Nashorn sah, als es auf die andere Seite des Zauns blickte“). Rumphorst versteht Theater als Bildungsraum, der nicht nur ästhetisch ansprechend ist, sondern auch zum Nachdenken anregen und gesellschaftliche Wirkung erzielen soll. Das aktuelle Stück führt diese Linie fort, indem es Fragen nach Glauben und Lebensweg erlebbar macht, jenseits didaktischer Belehrung.

In Paderborn ist außerdem der Monolog für eine barmherzige Schwester: Liebe sei Tat“ im Mutterhaus der Vincentinerinnen anlässlich des 185jährigen Bestehens der Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern und des 125jährigen Bestehens des St. Vincenz Kliniken zu sehen. Infos und Tickets gibt es hier.

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