Moraltheologe Peter Schallenberg sieht große Herausforderungen in bioethischen Fragen

Christinnen und Christen sollen sich einmischen

Professor Peter Schallenberg, Lehrstuhlinhaber für Moraltheologie an der Theologischen Fakultät Paderborn, sieht es als wichtigen Grundauftrag an, dass sich Christinnen und Christen gerade bei bioethischen Fragestellungen in die öffentlichen Debatten einbringen und auf diese Weise die Gesellschaft mit gestalten. „Gefordert ist eine ständige Einmischung in die Politik, denn Demokratie lebt ja von guten Argumenten und beständiger Diskussion ohne die Scheu, sich die Hände schmutzig zu machen“, sagte der Professor und Vatikanberater am Donnerstag in Rom.

Dazu gehöre allerdings auch die Bereitschaft zu Kompromissen und zum „durchsetzbaren kleineren Übel“, erklärte Professor Schallenberg. „Das Beste ist in der Politik und in der Demokratie nie zu erreichen. Außerhalb des Paradieses kann es immer nur Zweit- und Drittbestes geben.“ Zu solchen „Güterabwägungen“ müssten Christinnen und Christen immer bereit sein. Wichtige Antworten auf bioethische Herausforderungen lägen zudem immer auch in den praktischen Projekten und Beispielen christlichen Handelns in der Beratung und Hilfe etwa für Schwangere, in Einrichtungen für Kinder mit schwersten Behinderungen oder im Dienst an Sterbenden und unheilbar erkrankten Menschen in Hospizen und Palliativstationen.

Zu den aktuellen bioethischen Herausforderungen insbesondere zu Beginn und am Ende des menschlichen Lebens zählen weltweit ebenso wie in Deutschland die Fragen des Embryonenschutzes, der weiteren Liberalisierung der Möglichkeit zur Abtreibung oder die Fragen zum assistierten Suizid. Aus Sicht von Professor Schallenberg gebe es weltweit „nur noch ganz wenige Länder – in der EU nur Malta –, die streng ein grundsätzliches Verbot der Abtreibung und der künstlichen Reproduktion und ebenso ein grundsätzliches Verbot der Mitwirkung am Suizid aufrecht halten“.

 

Letzter, nicht evaluierbarer Wert

Nach christlichem Verständnis ist der Mensch als Geschöpf und Ebenbild Gottes Person mit einer unantastbaren Würde. In ihr liegt der letzte und nicht evaluierbare Wert des menschlichen Lebens. „Der Mensch nach christlichem Bild fragt nie einfach nur nach dem Müssen, sondern nach dem Sollen und Dürfen. Und er verwechselt niemals Erfolg mit Sinn“, erläuterte Professor Schallenberg.

Der Wissenschaftler und Priester hob nochmals die jüngste Mahnung von Papst Franziskus zur Wahrung der Menschenwürde in der Bioethik hervor und erinnerte dabei auch an die Bitte des Papstes an die Gläubigen, in diesem Monat März besonders für christliche Antworten auf bioethische Herausforderungen zu beten. Das Gebet sei vor allem wichtig „für Menschen in Gewissenskonflikten, in schier unlösbaren Entscheidungen, für alleinstehende schwangere Frauen ohne Rückhalt ihrer Familien, für die vielen verzweifelten und oft einsamen unheilbar Kranken und ihre Angst vor weiterem Leben“, betonte Professor Schallenberg. Nicht zuletzt sei aber auch immer für die Politikerinnen und Politiker zu beten.

 

Konkrete Nächstenliebe für Schwache angehen

Neben dem Gebet empfiehlt Professor Schallenberg als praktisches Tun, „vielleicht auch als guten Vorsatz für die Fastenzeit und darüber hinaus, einmal in der Woche oder im Monat ein ganz konkretes Werk der Nächstenliebe für ein schwaches menschliches Lebewesen anzugehen“. Amerikanische Katholiken würde das „Projekt Matthäus 25“ nennen. In Kapitel 25 des Matthäusevangeliums heißt es nämlich unter anderem: „Ich war fremd und ihr habt mich aufgenommen; […] ich war krank und ihr habt mich besucht.“ Solche guten Taten seien nicht nur Dienst und Hilfe an anderen, sondern würden wiederum für die Tätigen selbst Gutes bedeuten. Professor Schallenberg: „Dass man am Ende vor dem lieben Heiland nicht mit leeren Händen da steht, wenn er fragt, ‚Und wen hast Du mitgebracht, außer Dir selbst?‘. Für Gläubige wäre das fatal und im Übrigen auch zu spät, wenn man dann ins endzeitliche Stottern geriete.“

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