Insgesamt bietet das Heft fünf Beiträge aus philosophischer und theologischer Perspektive, die sich mit der Frage beschäftigen, wie Vernunft, „rationale Argumente“ und Gefühle eigentlich interagieren. Diese Verknüpfung ist keine private oder nebensächliche Erkenntnis, sondern formt unser eigenes Leben wie auch das gemeinschaftliche Zusammenleben und politische Entscheidungsprozesse: „Emotionen machen einen nicht unwesentlichen Teil unseres Bezugs zur Wirklichkeit und zu den Mitmenschen aus, mit denen wir diese Welt teilen“, erläutert Prof. Koritensky die Relevanz der Thematik. Auch „der öffentliche Austausch von Argumenten [ist] – allen Idealen zum Trotz – stark von emotionalen Sympathien und Antipathien bestimmt.“ Rationales und Emotionales überlagert sich daher, kann sich verstärken oder behindern – und es ist nicht nur empfehlenswert, sondern sogar notwendig, sich mit dieser „Verstrickung“ auseinanderzusetzen.
Ein Blick in das aktuelle Heft zeigt, dass diese Fragen keine neuen sind. Schon Platon hat die Vorstellung diskutiert, dass Emotionen wahrheitsfähig sind und die Wahrnehmung von Wirklichkeit beeinflussen. Emotionen sind darüber hinaus nicht nur einfach willkürlich da, sondern sie haben einen Wert und eine Funktion – und es empfiehlt sich, diese wahrzunehmen bzw. die dahinterliegenden Funktionen von Emotionen zu erkunden.
Ob es nun um philosophiegeschichtliche Untersuchungen zu Emotion und Erkenntnis geht, um Phänomene wie die Hoffnung und das Vertrauen, deren Entstehung und Kultivierung an Emotionen geknüpft sind, oder um Entscheidungsfindungen in der Orientierung an die geistliche Unterscheidung von Ignatius von Loyola – alle Beiträge dieses Heftes verdeutlichen die Verknüpfung von Emotionen und erkenntnistheoretischen Funktionen.
Erstmalig sind in dieser Ausgabe auch zwei englischsprachige Beiträge abgedruckt, die einen breiteren Einblick in die diskutierten Themen, aber auch eine größere internationale Rezeption ermöglichen.
Die Beiträge sind kostenfrei im Open Access verfügbar oder als Heft über den Aschendorff-Verlag zu beziehen. Wir wünschen eine anregende Lektüre!