„Resilienz im Team Kennen wir unsere Gesundheitserreger?“

Professor Jacobs spricht bei der Fortbildung der Palliativmedizin des Medizinischen Zentrums für Gesundheit (MZG) Bad Lippspringe über Resilienz.

Der Vortrag „Resilienz im Team“ auf der 23. Fortbildungsveranstaltung der Palliativstation Bad Lippspringe zeigte, dass Gesundheit weit mehr ist als Krankheitsfreiheit. Prof. Christoph Jacobs, Theologische Fakultät Paderborn, stellte die Belastungen des Klinikalltags, besonders in der Palliativmedizin, in den Kontext des salutogenetischen Modells von Aaron Antonovsky.

Resilienz beschrieb er als Fähigkeit, die eigene bio-psycho-soziale Funktionsfähigkeit unter Stress, Traumata und moralischen Konflikten zu bewahren, wiederzugewinnen und langfristig zu stärken. Entscheidend sei der Wechsel von einer defizitorientierten zu einer ressourcenorientierten Sicht. Die Devise laute nicht „Was macht krank?“, sondern „Was hält gesund?“.​ Entscheidend dafür seien nicht die Krankheitserreger, sondern die „Gesundheitserreger“. Dies sei eine kreative persönliche Wortschöpfung, die ein hohes Motivationspotential für Gesundheitsverhalten bereitstelle.

Im Fokus standen Einzelne und Teams, die Schwerstkranke und Sterbende begleiten. Hohe emotionale Belastung, Personalmangel, Schichtarbeit und Gewissenskonflikte erhöhen das Risiko für Erschöpfung und Zynismus. Resiliente Teams zeichnen sich durch psychologische Sicherheit, klare Rollen, geteilte Verantwortung, offenen Umgang mit Emotionen und eine Kultur der Selbstfürsorge aus.

Jacobs benannte zentrale Schutzfaktoren: eine Atmosphäre, in der Fragen und Zweifel erlaubt sind, eine klare Werteorientierung und verlässliche soziale Unterstützung im Team. Rituale nach Todesfällen, Raum für Trauer und strukturierte Fallbesprechungen helfen, Belastungen gemeinsam zu verarbeiten statt sie zu verdrängen.

Breiten Raum nahm die spirituelle Dimension ein. Jacobs verwies auf internationale Diskussionen, besonders die erweiterten Konzeptionen von Gesundheit der Weltgesundheitsorganisation.  In diesen wird Gesundheit multidimensional verstanden: physisch, psychisch, sozial, organisational und spirituell. Wichtig sind tragfähige Hinweise auf Befunde zu positiven Effekten gelebter Religiosität. Glaube und Spiritualität können gesundheitsfördernden Lebensstil, tragfähige Netzwerke, Kohärenzgefühl und Selbstwert stärken.​ All dies ermögliche den Pflegenden und den Kranken eine Perspektive auf Heil und Erlösung.

Für den Alltag vor Ort schlug er einfache Instrumente vor: kurze Teamreflexionen, Schwere-Fall-Besprechungen, legitimierte Mikropausen und kleine Rituale, die das Erlebte rahmen. Resilienz sei keine private Aufgabe Einzelner, sondern eine gemeinsame Verantwortung von Mitarbeitenden, Teams und Leitung mit einer lernorientierten, schützenden Führungskultur.

Abschließend fokussierte Jacobs die theologisch-spirituelle Perspektive: Gesundheit und Heil seien Prozesse, keine Zustände. Christliche Tradition verstehe Leben als Weg des endgültigen „Gesundwerdens“ und „Frommwerdens“ durch Leiden und Tod hindurch.  Glaube sei ein ständiges Einüben in Gottes Gegenwart, in Gemeinschaft, in die emphatische Zuwendung und in eine realistische Akzeptanz eigener Grenzen. In der Palliativmedizin könne diese Sicht helfen, professionell zu handeln, ohne sich zu überfordern, und zugleich Räume für Sinn, Trost und Lebensfülle zu eröffnen.

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