An der Theologischen Fakultät Paderborn trafen Schülerinnen, Schüler, Auszubildende und Lehrkräfte aus drei unterschiedlichen Schulklassen und Religionskursen zu einem Begegnungstag mit Erzbischof Dr. Udo Markus Bentz zusammen. Ziel der Veranstaltung war ein intensiver und offener Dialog über zentrale Herausforderungen für Kirche und Gesellschaft. Schulreferentin Dipl.-Theol. Jessica Bohn und Dr. Dennis Lewandowski, Leiter der Abteilung Religionspädagogik im Erzbischöflichen Generalvikariat, begrüßten die Gäste und betonten die Bedeutung der Fakultät als Ort des Austauschs.
Von der „Masse“ zur „Relevanz“
Transformationsprozesse und die Zukunft der Kirche
Ein zentrales Thema des Austauschs mit dem Religionskurs des Gymnasiums der Benediktiner Meschede waren die tiefgreifenden Transformationsprozesse in der katholischen Kirche. Die Schülerinnen und Schüler fragten nach Lösungen für die abnehmende Relevanz der Kirche in der Gesellschaft und äußerten Kritik am Zölibat sowie der Rolle der Frau in der Kirche. Vor dem Hintergrund des Megatrends der Säkularisierung und des massiven Mitgliederschwunds betonte der Erzbischof, dass die Kirche vor einem Wandel von der Betonung der „Masse“ hin zu „Qualität“ und „Relevanz“ stehe. Strukturelle Reformen, wie die Schaffung neuer, größerer Seelsorgeräume, seien dabei unumgänglich. Wichtig sei es, in einer pluralen Gesellschaft „nah am Menschen“ zu sein und als relevanter Gesprächspartner für die Lösung der drängenden Probleme wahrgenommen zu werden.
Inklusion, Würde und Ethik am Lebensrand
Mit Auszubildenden der Heilerziehungspflege des Paderborner Edith-Stein-Berufskollegs diskutierte der Erzbischof intensiv über Inklusion und die Würde des Menschen. Er betonte, dass die Würde des Menschen „nicht auf Gesetzen beruht, sondern ein von Gott gegebenes, unveräußerliches Gut ist“, das dem gesellschaftlichen Optimierungsdruck widerspreche. Kritisch wurden strukturelle Hindernisse wie Sondereinrichtungen beleuchtet, die Parallelgesellschaften schaffen, und die neuen Herausforderungen der digitalen Teilhabe beleuchtet. Bei ethischen Fragen am Lebensbeginn und Lebensende, wie dem Schwangerschaftsabbruch oder dem assistierten Suizid, sollen kirchliche Einrichtungen als „Safe Spaces“ eine Kultur des Lebens fördern, die Entscheidung des Einzelnen aber respektieren.
Künstliche Intelligenz und die Rolle der Kirche in der Gesellschaft
Im Gespräch mit angehenden Werkzeugmechanikern und Produktdesignern des Richard-von-Weizäcker-Berufskollegs Paderborn stand die moralische und gesellschaftliche Bewertung von Künstlicher Intelligenz (KI) im Fokus. Der Erzbischof bejahte die menschliche Technikfähigkeit, warnte jedoch eindringlich vor den Gefahren einer neuen Form des Kolonialismus durch „Machtkonzentration, ausbeuterische globale Lieferketten“ und die Kontrolle über Daten. Bei KI-gestützten Waffensystemen müsse das Prinzip „Mensch als letzter Entscheider“ gelten. Für die Beziehung von Kirche und Staat formulierte er den Grundsatz: „Das Evangelium wirkt politisch durch Werte und Werke, ohne parteipolitisch zu werden.“
Ein offener Dialog als Wegweiser
Der Erzbischof unterstrich, dass die direkten Rückmeldungen junger Menschen wichtig für die Kirche seien und dankte den Schülerinnen und Schülern für ihre Neugier und Offenheit. Im nächsten Sommer sind die Schulen des Erzbistums wieder zum Dialog mit dem Erzbischof eingeladen.
Intensiver Austausch im Hörsaal der Theologischen Fakultät Paderborn