Wissenschaftliche Reflexion und Impulsgebung für eine Kirche in und für die Zukunft

Im Rahmen einer öffentlichen Buchpräsentation wurde der im Herder-Verlag erschienene Sammelband „Gemeinsam lebendig bleiben – Ökumenische Impulse für eine Kirche mit Zukunft“ vorgestellt.

Prof. Dr. Stephan Wahle, Prorektor der Theologischen Fakultät Paderborn und Lehrstuhlinhaber für Liturgiewissenschaft, sowie Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg, Lehrstuhlinhaber für Moraltheologie, präsentierten das Werk gemeinsam mit dem Herausgeber und Nachwuchswissenschaftler Christian Hümpfner.

Einige der Autoren – Prof. Dr. Andreas Henkelmann, Msgr. Prof. Dr. Peter Schallenberg, Dr. Björn Hirsch und Pastor Raphael Bellmann – gaben Einblicke in ihre jeweiligen Beiträge. Musikalisch umrahmt wurde der Abend von Marah Heinrich (Klavier) und Sebastian Pietsch (Violoncello) mit Werken von Giovanni Battista Cirri und Richard Hofmann.

Begrüßung und Würdigung der Initiative

Prorektor Prof. Dr. Stephan Wahle begrüßte das zahlreich erschienene Publikum, unter ihnen Karl-Hans Köhle (Dechant Siegen), Thomas König (All for One Fulda), Dr. Thorsten Waap (Dekan Fulda, EKD) und Vicky Dücker (Poiema e.V.).

„Ich freue mich, mit diesem Band eine wissenschaftliche Reflexion und Impulsgebung für eine Kirche in und für die Zukunft vorzustellen, die auf Initiative und in maßgeblicher Kompetenz durch einen jungen, umtriebigen Theologiestudenten entstanden ist“, betonte Wahle.

Zugleich dankte er den Förderern des Projekts, darunter dem Erzbistum Paderborn, der Pax-Bank für Kirche und Caritas, dem Bonifatiuswerk sowie der Tagespost Stiftung und der Tagespost, vertreten durch Christoph Konopka und Henry C. Brinker.

Von der Seminararbeit zum Sammelband

Prof. Dr. Kai Gallus Sander, Prodekan der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen Fachbereich Theologie am Standort Paderborn und Professor für Systematische Theologie, skizzierte in seiner Ansprache die Entstehungsgeschichte des Projekts.

Ausgangspunkt sei eine Diskussion mit Studierenden gewesen, welche der kirchlichen Grundvollzüge – Diakonie, Liturgie oder Verkündigung – für eine zukunftsfähige Kirche besonders bedeutsam seien. Dabei sei deutlich geworden, dass es an belastbaren empirischen Daten fehle.

„Allein die Formulierung eines solchen Forschungsanliegens ist sehr kompliziert“, so Sander. Ob man finanzielle Mittel, Arbeitszeit Hauptamtlicher, ehrenamtliches Engagement oder gesellschaftliche Wirkungen von Kirche messe, sei keineswegs trivial. Umso erfreulicher sei es, dass Christian Hümpfner eine Studie und daraus hervorgehend nun auch ein Buch vorlegt, das sich dieser Fragestellung systematisch widme.

Empirische Studie zur Lebendigkeit von Kirche

Herausgeber Christian Hümpfner stellte die zugrunde liegende Studie sowie die Struktur des Sammelbandes vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, in welchem Maß die ekklesiologischen Grundvollzüge der Kirche – Diakonie, Verkündigung, Liturgie und Gemeinschaft – in christlichen Gemeinden verwirklicht werden und wie ihr Zusammenspiel die wahrgenommene Lebendigkeit von Kirche prägt.

Am Beispiel der Stadt Fulda wurden Gottesdienstteilnehmendenzahlen erhoben und die Antworten von 1.011 Gottesdienstteilnehmenden sowie Gemeindeleitungen aus katholischen, evangelischen, freikirchlichen und weiteren Gemeinden ausgewertet.

Die Ergebnisse spiegeln vor allem die Perspektive regelmäßiger Gottesdienstteilnehmender wider. „Für die Befragten ist eine gut gestaltete, musikalisch abwechslungsreiche Liturgie wichtig. Sie wünschen sich Gemeinschaft und gute Seelsorge, erleben diese jedoch häufig nicht in ausreichendem Maß oder in der gewünschten Qualität“, resümierte Hümpfner.

Studie und Praxisband im Dialog

Der Sammelband präsentiert die empirischen Ergebnisse und unterzieht sie einer theologisch-missionarischen Reflexion. Beiträge eines interdisziplinären Autorenkreises aus Wissenschaft, Theologie und kirchlicher Praxis entwickeln daraus konkrete Impulse für die Arbeit vor Ort sowie für Prozesse der Selbstevaluation in Gemeinden.

Der im Herder-Verlag erschienene Praxisband greift damit eine zentrale Frage gegenwärtiger kirchlicher Entwicklung auf: Wie lebendig ist unsere Kirche – und wie kann sie es auch in Zukunft bleiben?

Grundlage ist die Studie „Wie lebendig ist unsere Kirche?“, die im Juni 2025 im Stadtgebiet Fulda durchgeführt wurde. Rund 1.200 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus katholischer und evangelischer Kirche sowie aus Freikirchen beteiligten sich an der Erhebung und brachten unterschiedliche Erfahrungen und Erwartungen ein.

Ökumenische Perspektiven und Zielgruppe

Die Auswertung der Ergebnisse erfolgte durch einen interdisziplinären Autorenkreis, dessen Beiträge bewusst ökumenisch angelegt sind. Der Band enthält Texte von Raphael Bellmann, Andreas Henkelmann, Björn Hirsch, Christian Hümpfner, Simone Möhring, Sebastian Pietsch, Kai G. Sander, Peter Schallenberg, Fabian Vogt, Thorsten Waap, Stephan Wahle und Thomas Wienhardt.

Der Sammelband versteht sich als Beitrag zur aktuellen kirchlichen Transformationsdebatte und verbindet empirische Befunde mit theologischer Reflexion und praxisnahen Perspektiven.

Er richtet sich nicht nur an Theologinnen und Theologen sowie kirchliche Fachkreise, sondern ausdrücklich auch an interessierte Kirchenmitglieder und eine breite Öffentlichkeit, die sich für Fragen kirchlicher Entwicklung, Glaubenspraxis und Zukunftsperspektiven interessieren.

Weitere Informationen gibt es hier.

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