Der deutsche Gelehrte und Rabbiner Leo Baeck (1873–1956), Verfasser des berühmten Werks „Das Wesen des Judentums“ (1905), hat die Entwicklung des liberalen Judentums maßgeblich geprägt. Anlässlich seines 70. Todestages geht der Vortrag – nach einer Einführung in Baecks Biografie – seiner Auseinandersetzung mit dem Christentum nach, vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die Zeit des Nationalsozialismus. Wie kaum ein anderer jüdischer Denker dieser Zeit hat Baeck die religiös-ethische Ebenbürtigkeit des Judentums mit dem Christentum geltend gemacht und zugleich Wege zu einem konstruktiven Dialog beider Religionen aufgezeigt – leider weitgehend ohne Widerhall seitens der christlichen Theologie. Der Vortrag beleuchtet Baecks herausfordernde Interpretation Jesu von Nazareth, die er besonders eindringlich 1938 in seiner Schrift „Das Evangelium als Urkunde der jüdischen Glaubensgeschichte“ zur Sprache brachte, und seine nach wie vor bedeutsamen Überlegungen über einen jüdisch-christlichen Dialog nach der Shoah.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Theologischen Fakultät Paderborn und mit dem Pnina-Navé-Levinson-Seminar der Uni Paderborn statt.
Christian Wiese ist Inhaber der Martin-Buber-Professur für Jüdische Religionsphilosophie und Direktor des Buber-Rosenzweig-Instituts für jüdische Geistes- und Kulturgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt. Seine Forschungen widmen sich vor allem dem modernen jüdischen Denken, der Geschichte der jüdisch-christlichen Beziehungen und dem Antisemitismus.